Grounding trifft einige Berner Reisebüros hart

Das Grounding von Skywork hat für diverse Berner Reisebüros einen grossen finanziellen Verlust zur Folge. Beat Iseli, Inhaber des Berner Reisebüros Belpmoos, spricht vom Super-Gau.

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Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Nachricht vom Aus der Berner Airline Skywork beschert diversen Berner Reisebüros viel Arbeit und einen erheblichen finanziellen Verlust. «Das ist für uns der Super-GAU», sagt Beat Iseli, Chef und Inhaber des Berner Reisebüros Belpmoos Reisen. «Wir müssen nun 1000 Kundendossiers bearbeiten», sagt er am Telefon. Er hat wenig Zeit, weil er sich der Bearbeitung der Dossiers widmen will.

Das Problem sei, führt er weiter aus, dass das Grounding kurz vor den Herbstferien stattfinde. «Das ist für uns die beste Zeit des Jahres», sagt er. Da die Flugkapazitäten in den Süden für diese Zeit sehr gut gebucht sind, ist es nun für Belpmoos Reisen schwierig, Ersatzflüge für die Kunden zu finden.

«Es ist unglaublich, dass man nicht eine Lösung gefunden hat», fügt Iseli an. Derzeit wagt er noch keine Schätzung, wie hoch der finanzielle Schaden ist, der für sein Reisebüro durch das Skywork-Grounding entstehen wird. Dazu sei es noch zu früh.

200 Rhomberg-Kunden betroffen

Auch das österreichische Reiseunternehmen Rhomberg bietet Pauschalreisen mit Skywork ab Bern-Belp an. «Etwa 200 unserer Kunden sind vom Grounding betroffen», sagt Firmenchef und -inhaber Hubert Feurstein. «Ich rechne mit einer Schadenssumme von mindestens 100'000 Franken», fügt er an. Denn in der Branche sei es Usus, dass Flüge im Voraus bezahlt werden.

Der Österreicher wundert sich zudem darüber, dass in der Schweiz der Staat nicht mit einem Überbrückungskredit eine Stilllegung der Airline abgewendet hat. «In Österreich wäre ein unkontrolliertes Grounding einer österreichischen Airline sehr unwahrscheinlich» fügt er an.

Der Verband ärgert sich

Der Schweizer Reisebüroverband betont das Risiko, welches das Grounding einer Airline für ein Reisebüro bedeuten kann: «Grundsätzlich ist es so, dass für ein kleines und mittleres Unternehmen, wie es die meisten Reisebüros sind, ein Airline-Grounding existenzbedrohend sein kann», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbandes.

Ein Reisebüro sei nach dem Verkauf einer Pauschalreise verpflichtet, dem Kunden im Fall eines Groundings eine Alternative anzubieten oder ihn kostenlos zurücktreten zu lassen. Im Minimum verliere das Reisebüro also die im Voraus bezahlten Kosten für das Flugticket. Massiv teurer werde es, wenn das Reisebüro noch ein Ersatzticket besorgen müsse. Dies weil dieses in vielen Fällen teurer sei.

Für den Verband der Reisebüros sind die Risiken ungleich verteilt: «Aus unserer Sicht ist es nicht in Ordnung, dass die Reisebüros als Pauschalreiseveranstalter die Risiken der Airlines tragen müssen, ohne dafür entschädigt zu werden», betont Kunz. Vor allem vor dem Hintergrund, dass die Airlines heute nicht einmal mehr Verkaufsprovisionen bezahlten. Kunz glaubt, dass es allerdings eine Lösung auf europäischer Ebene braucht, um das Problem zu lösen.

Berner Zeitung

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