Grossaufgebot probt in Bern-Belp den Ernstfall

Belp

Die Blaulichtorganisationen der Region Bern übten am Samstagmorgen auf dem Flughafen ihre Zusammenarbeit. Rund 280 Rettungskräfte und Figuranten standen im Einsatz.

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Punkt neun Uhr ertönen die Alarmsirenen auf dem Flughafen Bern-Belp. Der ruhige Novembermorgen endet schlagartig. Auf der Zufahrtsstrasse zwischen Belp und dem Terminal ist ein Flugzeug in einen Linienbus gekracht. Keine drei Minuten nach dem Alarm ist die Flughafenfeuerwehr vor Ort und bekämpft den Brand. Bald retten Feuerwehrleute die verunfallten Passagiere aus Jet und Bus. Doch von den Geborgenen ist niemand verletzt. Der Grosseinsatz am Samstagmorgen ist glücklicherweise nur eine Übung.

Passagierjet kracht in Linienbus

Grund für die Übung sind die Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit und des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl). Alle zwei Jahre müssen grössere Flugplätze eine solche Notfallübung durchführen. Das heutige Szenario, ein kleiner Passagierjet, der beim Start von der Piste abkommt und auf der Zufahrtsstrasse mit einem Bus kollidiert ist dabei realitätsnah gewählt.

Der pensionierte Bazl-Experte Peter Tschümperlin, der die Übung in Belp begleitet, erklärt: «2012 kam es auf dem Flugplatz St. Gallen-Altenrhein beinahe zu einer solchen Kollision.» Ein Privatjet rutschte damals bei der Landung über das Pistenende hinaus und verfehlte einen vorbeifahrenden Linienbus nur um wenige Sekunden.

Im Übungsszenario in Belp hatten die Insassen von Flugzeug und Bus weniger Glück. Dreissig Passagiere verletzten sich teils schwer, zwei sogar tödlich. Daher blieb die Flughafenfeuerwehr nicht lange allein. Kurz nach der Alarmierung trafen auch die Milizfeuerwehren aus Belp und Kehrsatz, sowie die Berufsfeuerwehr Bern am Unfallplatz ein. Kantonspolizei, Sanitätspolizei und das Care-Team komplettierten das Grossaufgebot.

Koordination steht im Zentrum

Bei mehreren Dutzend Einsatzfahrzeugen und über hundert Rettungskräften vor Ort liegt die grösste Herausforderung in der Koordination. In einem solchen Fall übernimmt die Kantonspolizei die Gesamtleitung des Einsatzes. Kapo-Bereichsleiter Bendicht Gfeller betont: «Die hier geübten Abläufe sind eigentlich gleich, wie bei jedem anderen Ereignis.» Für die Polizei sei es trotzdem wichtig das Zusammenspiel der verschiedenen Rettungskräfte in der Realität zu proben.

Die Sanitätspolizei Bern ist ebenfalls mit einem grossen Aufgebot in Belp. Neben der Herausforderung, dreissig verletzte Personen gleichzeitig zu versorgen, beinhaltet die Übung für sie eine Premiere. Beim Erfassen der Patienten können die Sanitäterinnen und Sanitäter zum ersten Mal auf eine neue App mit Strichcode-Scanner zurückgreifen. Jonathan Zurbrügg von der Sanitätspolizei sagt, dass dadurch die elektronische Erfassung von Patienten in Zukunft vereinfacht werde. «Auch die Spitäler und die Polizei haben Zugriff auf das System, dies verbessert wiederum die Koordination», erklärt er. Im echten Einsatz steht die neue App allerdings erst ab nächstem Jahr.

Nicht nur der Flughafen wird beübt

Mit der Versorgung und dem Abtransport der Patienten endet das Übungsszenario am Samstagmittag. Das Notfallszenario beschäftigte rund 280 Rettungskräfte, Simulanten und Übungsleiter. Für sie steht nun das Retablieren und Auswerten an. Mehrere Experten haben die Beübten im Einsatz begleitet und halten ihre Beobachtungen in einem Bericht fest. Dabei ist nicht nur wichtig, ob der Flughafen Bern-Belp die Probe bestanden hat. Auch in den einzelnen Blaulichtorganisationen werden die Resultate nachbesprochen. Eines steht jedoch schon heute fest: Das Feuer ist gelöscht, die Passagiere sind gerettet.

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