Bern

Gräve-Eklat: Viele Worte, nichts Neues

BernBenedikt Weibel, Präsident von Konzert Theater Bern, hat die Medien zum Gespräch über den Rauswurf von Stephanie Gräve ins Stadttheater geladen. Der erhoffte Befreiungsschlag war es nicht.

Hätte gerne weitergearbeitet: Die freigestellte Schauspieldirektorin Stephanie Gräve.

Hätte gerne weitergearbeitet: Die freigestellte Schauspieldirektorin Stephanie Gräve. Bild: Urs Baumann

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Eine undankbare Einmannshow: In der Medienkonferenz zur Freistellung von Theaterchefin Stephanie Gräve vor sechs Wochen ging es am Dienstag im Prinzip darum, dass Konzert Theater Bern (KTB) weiterhin nichts sagt. Wegen der medialen «Eigendynamik» der Geschichte, «die der Stiftungsrat unterschätzt hat», wollte sich Präsident Benedikt Weibel dennoch den Fragen der nicht locker lassenden Presseschar stellen.

Dass ihm die Sache nicht besonderen Spass machte, konnte er zunächst mit Charme und Sportmetaphern überspielen. Der Ex-Mister-Euro-08 lobte KTB-Intendant Märki, aber auch Stephanie Gräve, deren Qualifikation als Schauspielleiterin weiterhin «ausser Frage» stehe. Das Problem sei die Konstellation der beiden. «Es ist wie beim Sport. Manchmal passt ein Spitzenspieler einfach nicht in die Mannschaft.» Der Stiftungsrat habe ­alles versucht, sei aber an der ­Vermittlung der «unvereinbaren Wellenlängen» gescheitert.

Anders sieht das Stephanie Gräve: «Ich sah durchaus Perspektiven für die Zusammenarbeit», sagte sie gestern auf Anfrage. Doch der Stiftungsrat verordnete die Trennung nach einer halben Spielzeit. Nun liegt die Sache bei den Anwälten. Die Verhandlung über die Abfindung für Gräve läuft – doch auch hierüber war nichts Neues zu erfahren.

Der besonders als Ex-Mister-SBB bekannte Weibel sparte auch nicht mit Müsterchen aus seiner Managerzeit. «Man trifft sehr viele Entscheide. Personalentscheide sind die mit der grössten Fehleranfälligkeit.» Im Wesentlichen rezyklierte er in seiner kurzen Ansprache also seine Aussagen aus dem Interview mit dieser Zeitung von Anfang Februar. Neuigkeiten gab es auch in der anschliessenden Fragerunde nicht, wobei Weibels Stimmungsbarometer von Minute zu Minute sank.

Was bleibt nach einem dünnen Communiqué am Anfang, ein paar launigen Äusserungen Märkis zwischendurch und der gestrigen Nichtinformation? Die Theaterleitung hat bei der Rekrutierung der Schauspielchefin versagt und auf die falsche Kommunikationsstrategie gesetzt. Die Medienkonferenz von gestern, gedacht als Befreiungsschlag, bestätigte dies. Benedikt Weibel schloss die Fragerunde merklich angesäuert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.03.2016, 20:32 Uhr

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