Golfbälle flogen durch die Kartonfabrik

Deisswil

Das ehemalige Fabrikgelände wurde für zwei Tage zum Golfplatz. Im Bernapark fand am Wochenende ein Urban-Golf-Turnier statt.

Ein Betonboden statt einer schönen Rasenanlage: In der ehemaligen Kartonfabrik in Deisswil waren übers Wochenende Urban Golfer am Werk.

Ein Betonboden statt einer schönen Rasenanlage: In der ehemaligen Kartonfabrik in Deisswil waren übers Wochenende Urban Golfer am Werk.

(Bild: Iris Andermatt)

Pia Scheidegger

«Rock ’n’ Hole und viel Spass», ruft eine Stimme durch den Bernapark. Kurz darauf ertönt ein lauter Knall. Der Startschuss für das Urban-Golf-Wochenende auf dem alten Fabrikgelände der ehemaligen Kartonfabrik ist gefallen.

Die verlassenen Räume, stillgelegten Maschinen und ver­rosteten Einrichtungen werden wieder für zwei Tage genutzt. Diesmal dienen sie aber nicht der Arbeit, sondern dem Vergnügen. «Der Bernapark ist der perfekte Ort für unser Urban-Golf-Turnier», sagt Didi Keller, Präsident des Royal Urban Golf Club.

Urban Golf ist eine Variante des klassischen Golfs und wird an allen Orten gespielt, die ein Spiel zulassen. Als Ziele dienen einfache Gegenstände wie Mülltonnen oder Baggerschaufeln.

Weichere Bälle

In Teams absolvieren die Teilnehmenden das 18-Loch-Turnier. An jedem Loch erwartet sie eine neue Herausforderung. Eine der Gruppen steht auf der Ladefläche eines Autos und versucht in eine offene Waschmaschine zu treffen. Als die Bälle jedoch in eine völlig andere Richtung fliegen, fangen alle an zu lachen. Sie würden eigentlich nie Golf spielen, deshalb seien sie einfach froh, wenn sie nichts kaputtmachten, sagen zwei Männer aus dem Team.

Doch auch Spieler des klassischen Golfs haben Mühe, die Ziele zu treffen. «Eigentlich ist Urban Golf völlig anders als Golf», sagt Michael Cosshalter. Er ist regelmässig bei Turnieren des Royal Urban Golf Club dabei. «Wir benutzen zwar dieselben Schläger, aber unsere Bälle sind weicher, damit niemand verletzt und möglichst wenig beschädigt wird.» Ausserdem gebe es aufgrund der interessanten Lokalitäten ­immer wieder Überraschungen. «Der Ball kann auf ­jeden Fall leichter verloren gehen als auf dem Golfplatz», sagt Cosshalter und lacht.

Das Potenzial zum Volkssport

Die Idee für das Urban-Golf-Wochenende im Bernapark stammte von Clubpräsident Didi Keller und Christoph Kummer. Zusammen haben sie den Anlass auf die Beine gestellt. Vonseiten des Bernaparks unterstützte Michèle ­Ajlouni-Müller das Projekt. «Als ich zum ersten Mal von Urban Golf gehört habe, musste ich ein wenig schmunzeln», sagt Kummer, der Golflehrer ist. Er sei dann jedoch zu den Schweizer Meisterschaften eingeladen worden. Danach wollte er unbedingt selbst ein Urban-Golf-Turnier organisieren. «Ich möchte so klassischen Golfern zeigen, was es mit dieser Variante des Golfs auf sich hat», sagt Kummer.

Es waren aber auch sonst alle Interessierten willkommen. Gestern Sonntag stand ein offenes Turnier für Junioren und Familien auf dem Programm. Didi Keller ist der Meinung, dass Urban Golf Potenzial hat und möglicherweise gar zum Volkssport werden könnte. «Es ist einfach ­lockerer als das klassische Golf, deshalb spricht es viele junge Leute an.»

Nach den ersten paar Löchern sind die meisten begeistert von der modernen Golfvariante. Obwohl sie finden, auf Golfplätzen gebe es gute Restaurants und schöne Landschaften, gefällt ihnen die ausgelassene Stimmung beim Urban Golf in der Fabrikhalle.

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