Gnomengarten geht in die letzte Saison

Schwarzenburg

Noch lärmen, speien und musizieren die Gnomen im Garten von Jürg Ernst in Schwarzenburg. Ein Ende ist aber absehbar. Der Künstler will sich fortan auf das Malen konzentrieren.

Der Gartenkönig und sein Erschaffer. Jürg Ernst schaut dem Ende eines wichtigen Lebensabschnitts entgegen – der Gnomengarten wird schliessen.

Der Gartenkönig und sein Erschaffer. Jürg Ernst schaut dem Ende eines wichtigen Lebensabschnitts entgegen – der Gnomengarten wird schliessen.

(Bild: Urs Baumann)

Jürg Ernst öffnet das eiserne Narrentor zum Schwarzenburger Gnomengarten. Ernst zeigt auf ein stilisiertes Saxofon über dem Tor: «Das sorgt für Misstöne, und unten gibt es missgestimmten Tonsalat», sagt der Gnomenvater und führt zu den Betonplastiken. Zu jeder der Figuren erzählt er Tiefsinniges, Witziges, Melancholisches.

Am Wochenende ist Ernst in die neue Saison gestartet, im Wissen, dass es die letzte ist. Dies, weil neben dem Garten, den Ernst gepachtet hat, in den nächsten Jahren gebaut wird. Die Figuren müssen weichen. Ein halbes Dutzend ist schon verkauft.

Die grossen Figuren, etwa der Gartenkönig, dem man über eine Leiter in die Krone steigen kann, sind nicht demontierbar. Während aus den Tiefen des Königs klassische Musik ertönt, beschreibt Jürg Ernst, wie nächstes Jahr der Bagger auffahren und die Figur in Einzelteile zerlegen wird. «Im Herbst höre ich auf. Ich war in letzter Zeit nur noch Wirt, Gastgeber und Gruppenführer und konnte nicht mehr an den Figuren weiterarbeiten.»

Das Erbe des Vaters

Diese Arbeit wäre für den Eisenbetonplastiker auch schwierig gewesen, leidet er doch an Rückenproblemen. Und ein Hirnschlag, den er vor 2 Jahren erlitt, hat ihm kräftemässig zugesetzt. Deshalb konzentrierte er sich schon im letzten Winter aufs Malen, denn: «Das ist handlicher und ebenso kreativ wie das Gestalten in Beton.» Der bald 65-jährige Jürg Ernst holt ein Bild hervor, das sein Vater, Hans Ulrich Ernst, gemalt hat: Die ineinander verschachtelten, surrealistischen Figuren weisen mit den Gnomen eine verblüffende Ähnlichkeit auf. So soll das auch sein.

Ernst führt das Erbe seines Vaters weiter. Er habe schon als Bub bedauert, dass dieser seine Figuren gemalt statt gebaut habe. «Deshalb habe ich mich von seiner Bilderwelt für den dreidimensionalen Garten inspirieren lassen.» Er zeigt seine eigenen Bilder, die im Atelier hängen. Diese sind nur in ihrer Skurrilität denen des Vaters verwandt. Zu sehen sind auch Tonfiguren von Ernsts Lebenspartnerin Maria Messerli. Klein sind sie, gnomenhaft, frech, ausdrucksvoll. Messerlis Figuren und Ernsts Bilder werden 2018 an einer Ausstellung des Gutenberg-Museums Freiburg zu sehen sein.

Besucher bedauern das Aus

«Die letzten 15 Jahre waren ein wichtiger Lebensabschnitt für mich, das Gestalten dieser Gnomengartenwelt etwas Einmaliges. Jetzt kommt etwas Neues», sagt Ernst. Er erzählt, dass er mit gewissem Erstaunen feststelle, dass das viele seiner Besucher stark bedauern. Tausende seien in all den Jahren gekommen, viele von ihnen wiedergekehrt. In letzter Zeit seien aber einige sogar in Tränen ausgebrochen als sie erfuhren, dass der Gnomengarten verschwinden wird.

Ernst führt weiter, vorbei an Gnomen, die in Teichen stehen, Wasser oder Töne spucken. Die Weiher sind mit grünen Wasserlinsen bedeckt. Rund um die Figuren wachsen Brennnesseln und Löwenzahn, einige sind mit Gras und Moos bewachsen, als ob die Natur ihre Ansprüche anmelden würde. Dieser Prozess wird aber gestoppt – spätestens, wenn die Figuren weggebracht werden (siehe Kasten).

Spurlos verschwinden soll der Garten aber nicht. Jürg Ernst will ein Fotoalbum herstellen. Geplant ist auch ein Film: Die Filmemacherin Miriam Ernst, Tochter von Ernst und Messerli, produziert einen Dokumentarfilm, nächstes Jahr soll er fertig sein. Damit wird Jürg Ernsts Werk lebendig bleiben, auch wenn das Narrentor zum Gnomengarten nicht mehr geöffnet werden kann.

Berner Zeitung

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