Zum Hauptinhalt springen

Globetrotter und Spinner

Zuerst machte er in New York aus Fabrikhallen teure Lofts und dann aus einem kargen Dorf in der Sahara eine blühende Oase: der kauzige Künstler Ernst Aebi.

Vom Szene-Viertel auf den Rücken eines Kamels: Der Schweizer Künstler Ernst Aebi mit einem Reisegefährten. (zvg)
Vom Szene-Viertel auf den Rücken eines Kamels: Der Schweizer Künstler Ernst Aebi mit einem Reisegefährten. (zvg)

Ernst Aebi? Den Schweizer Künstler kennen hierzulande die wenigsten. Dafür hat er andernorts Spuren hinterlassen. Nach dem Wirtschaftsstudium in Zürich schlug er sich von Paris bis Tokio als Strassenkünstler durch, ehe er in den 1970er-Jahren in New York landete. Er zog in eine Fabrikhalle im miefigen Stadtteil SoHo, gestaltete diese zu einem Loft um und konnte sie für viel Geld verkaufen. Aebi hatte eine Marktlücke gefunden und baute gegen 60 Fabrikhallen um. So avancierte das hässliche Industriequartier, das manch einer schon komplett einreissen wollte, dank Aebi zum Szene-Viertel, zur Künstlerhochburg. Und Aebi avancierte en passant zum erfolgreichen Illustrator: Er zeichnete unter anderem für die «New York Times» und «Newsweek». Als er genug Geld gescheffelt hatte, schwang sich Aebi in den 1980er-Jahren zwischen die Höcker eines Kamels und trabte durch die Sahara. In der Nähe von Timbuktu kam er in ein karges Dorf und entschloss sich, den darbenden Bewohnern zu helfen. Er zeigte ihnen, wie man Gemüse anbaut, errichtete eine Schule und sogar ein kleines Hotel. Nach drei Jahren brach in Mali ein Bürgerkrieg aus, und Aebi musste fliehen.20 Jahre danach: Regisseurin Martina Egi ist mit dem Globetrotter in die Wüste zurückgekehrt. Die Erkundung, was von Aebis Bemühungen geblieben ist, macht lediglich den Schlussteil des Films aus und verläuft zudem buchstäblich im Sand. Doch spannender ist sowieso das Porträt des (Lebens-)Künstlers an sich; dieses faszinierenden Spinners, der unter anderem seine 18-jährige Tochter dazu animierte, alleine in einem kleinen Segelboot die Welt zu umrunden. Die amerikanischen Medien haben sich damals um die Story gerissen. Vielleicht vermag der packende, dicht inszenierte Dokfilm Ernst Aebi endlich auch in der Schweiz bekannt zu machen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch