Giffers: Guglera wird zum Ausreisezentrum

Giffers

Im Institut Guglera entsteht ein Ausreisezentrum für abgewiesene Asylbewerber. Was dies für die Gemeinden Giffers und Rechthalten bedeutet, ist für die Gemeindepräsidenten schwierig abzuschätzen.

Hier werden künftig abgewiesene Asylbewerber auf die Ausreise warten.

Hier werden künftig abgewiesene Asylbewerber auf die Ausreise warten.

(Bild: Aldo Ellena)

Vor knapp einem Jahr wurde bekannt, dass aus dem Institut Guglera oberhalb von Giffers ein Bundesasylzentrum wird. Welche Art von Zentrum dort entsteht, wurde bis am Montag nicht kommuniziert. Zur Diskussion standen ein Verfahrenszentrum, wo die Asylgesuche geprüft werden, oder ein Ausreisezen­trum, wo unter anderem abgewiesene Asylbewerber auf die Ausreise warten.

Letzteres wird nun in Giffers eingerichtet. Das Staatssekretariat für Migration hat am Montag mitgeteilt, dass sich der Bund, die Westschweizer Kantone und die Gemeinden geeinigt hätten.

Die Freiburger Sozialdirektorin Anne-Claude Demierre war bei diesen ­Gesprächen mit dabei. Sie hatte sich für die Schaffung eines Verfahrenszen­trums eingesetzt, das mehr Arbeitsplätze generiert hätte. Dass in Giffers nun ein Asylzentrum für jene Personen entsteht, die schon einen negativen Asylentscheid erhalten haben oder die auf die Überführung in einen anderen Dublin-Staat warten, sieht die Staatsrätin jedoch nicht als problematisch an. Das Pilotprojekt eines Verfahrenszentrums in Zürich laufe sehr gut, so Demierre. Zudem werde in einem Ausreisezen­trum gleich viel Personal für die Begleitung der Asylsuchenden und für die Sicherheit bereitgestellt wie in einem Verfahrenszentrum.

Folgen sind schwer abzuschätzen

Was die Schaffung eines Ausreisezen­trums für die Gemeinde Giffers bedeute, könne er noch nicht beantworten, sagte der Gemeindepräsident Othmar Neuhaus: «Weil wir mit Bund und Kanton bisher noch keine verbindliche Vereinbarung treffen konnten.» Eine letzte Sitzung hat im September stattgefunden. Die Verhandlungen müssten nun weitergeführt werden, findet Neuhaus.

Die Gemeinde Giffers wolle den finanziellen Aufwand, den sie wegen des Zentrums habe, jedenfalls nicht selber tragen. Ähnlich reagiert Marcel Kolly, der Ammann der Nachbargemeinde Recht­halten, auf den Entscheid. «Für mich war das schon lange klar, ich hätte mir einfach gewünscht, dass der Bund von Anfang an mit offenen Karten gespielt und dies dem Staatsrat so kommuniziert hätte», sagt Kolly.

Schon jetzt der Fall

Er sehe in einem Ausreisezentrum auch Vorteile, sagt der Sensler Oberamtmann Nicolas Bürgisser. So seien die Asylsuchenden nur relativ kurz da. Schon jetzt habe es in den provisorischen Asylunterkünften in Bösingen und Düdingen einige Asylbewerber mit negativem Entscheid, die auf die Ausreise warten. «Sie fallen nicht negativ auf, wir verzeichnen keinen Anstieg der Kriminalität, die Erfahrungen sind positiv.»

Das sei auch mit der Asylunterkunft in Wünnewil der Fall gewesen. Der Bund sei dem Kanton zudem entgegengekommen, indem er in der Guglera nur 250 Asylsuchende und nicht wie geplant 300 platziere. Ein Baubewilligungsgesuch für die Umbauarbeiten in der Guglera habe der Bund noch keines eingereicht, so der Oberamtmann. Er rechnet damit, dass die Unterkunft Ende 2016 den Betrieb aufnimmt.

Weniger glücklich sind Othmar Neuhaus und Marcel Kolly darüber, wann sie vom Bund über die Art des Zen­trumstyps ins Bild gesetzt worden sind. Die Neuigkeiten des Bundes seien sehr kurzfristig eingetroffen.

«Wir haben das schon sehen kommen», sagt William Aeby von der Interessengemeinschaft (IG) Guglera. Die IG Guglera hatte sich vor einem Jahr kurz nach Bekanntwerden der Eröffnung eines Bundesasylzentrums in Giffers formiert und versucht, sich dagegen zu wehren. Zurzeit sei es die Aufgabe der IG, «zu orientieren und zu beobachten», sagt Aeby. «Denn an der Situation können wir ja nichts ändern», sagt der Rechthaltner.

Berner Zeitung

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