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Gibb-Direktorin: «Ich bin schockiert»

Noch immer fahndet die Polizei nach der Urheberschaft der Drohungen gegen die Gewerblich-Industrielle Berufsschule Bern. 2000 Lehrlinge hatten am Freitag frei. Am Montag soll der Unterricht weitergehen.

Keiner kommt rein: Die Gibb bleibt zwei Tage geschlossen. (21. Februar 2014)
Keiner kommt rein: Die Gibb bleibt zwei Tage geschlossen. (21. Februar 2014)
Adrian Dällenbach
Grosses Polizeiaufgebot auf dem Gelände der Gewerbeschule.
Grosses Polizeiaufgebot auf dem Gelände der Gewerbeschule.
Adrian Dällenbach
Bereits im Jahr 2008 war bei der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern eine anonyme Drohung eingegangen. Als Urheber stellte sich ein 16-jähriger Schüler heraus. Er gab in der Folge an, er habe nie vorgehabt, zur Tat zu schreiten. Er wurde von der Schule ausgeschlossen. (Archivbild)
Bereits im Jahr 2008 war bei der Gewerblich-Industriellen Berufsschule Bern eine anonyme Drohung eingegangen. Als Urheber stellte sich ein 16-jähriger Schüler heraus. Er gab in der Folge an, er habe nie vorgehabt, zur Tat zu schreiten. Er wurde von der Schule ausgeschlossen. (Archivbild)
Keystone
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Die Kantonspolizei war am Freitag mit einem Grossaufgebot auf dem Gelände der Gewerblich-Industriellen Berufsschule (Gibb) im Lorrainequartier präsent. Rund 2000 Lehrlinge hatten für den Freitag frei erhalten. Auch heute Samstag fällt der Unterricht für mehrere Hundert Lernende an der Gibb aus. Dieser Entscheid ist am Donnerstagabend gefallen, nachdem Drohungen gegen die Schule eingegangen waren. Laut Polizeisprecher Michael Fichter handelt es sich um eine «konkrete» Drohung, bei der der Absender eine grosse Anzahl von Opfern angedroht habe. Die Fahndung nach der Urheberschaft war am Freitagabend noch in Gang.

Sämtliche Eingänge der Schule wurden am Freitag von Polizisten bewacht. Vorübergehend war auch ein Abschnitt der betroffenen Strasse im Lorrainequartier abgeriegelt worden. Durch vorübergehende Strassensperrungen kam es zudem zu Einschränkungen für Anwohner und für Mitarbeitende von Büros in den betroffenen Gebäuden.

Gibb-Direktorin ist schockiert

«Ich bin schockiert, dass eine Schule bedroht und Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden», sagte Gibb-Direktorin Sonja Morgenegg-Marti gegenüber Radio Bern 1. Sie habe keine Ahnung, wer hinter der Drohung stecken könnte. In der Schule gebe es keine grösseren Konflikte.

Für Gibb-Direktorin Sonja Morgenegg ist die Schliessung von sieben Schulhäusern zwar eine «drastische» Massnahme, aber wenn es um Menschenleben gehe, sei Sicherheit das oberste Ziel, sagte Morgenegg im Regionaljournal von Radio SRF. Alle betroffenen Lehrkräfte und Lernenden zu informieren, sei eine grosse Herausforderung gewesen.

Allerdings war es nicht die erste Drohung, die gegen die Schule eingegangen ist. Im März 2007 sorgte eine Bombendrohung für Aufregung. Die Drohung erwies sich im Nachhinein als schlechter Scherz. Im November 2008 gab es ebenfalls eine Drohung. Diese kam von einem 16-jährigen Lehrling. «Wir haben aus den vergangenen Drohungen gelernt und gemeinsam mit der Polizei ein Krisenkonzept entwickelt. Das war nun sehr hilfreich für uns», sagte die Gibb-Direktorin. Dies sei ein Mitgrund dafür, dass die Schliessung der Schule relativ reibungslos über die Bühne gegangen sei. Weil die aktuelle Drohung zu wenig gut lokalisierbar gewesen sei, habe man alle Gibb-Standorte geschlossen. «Wir wussten nicht, welches Schulhaus gemeint ist, und wollten nichts riskieren.»

Der Schulbetrieb wird am Montag wieder aufgenommen, wie die Behörden am Freitagabend bekannt gaben. Allerdings werde die Polizei um das Schulgelände eine erhöhte Präsenz aufrechterhalten. Sollte sich die Lage verändern, werde die Polizei informieren. Es ist eine Hotline in Betrieb (0800 634 634). Diese wird bis mindestens Sonntagabend weitergeführt.

Neben dem Gibb-Campus in der Lorraine blieben auch die Gibb-Gebäude an der Viktoriastrasse, an der Steigerhubelstrasse und das Gastgewerbliche Zentrum an der Bümplizstrasse 45 geschlossen. Dort befinden sich ebenfalls das Vermessungsamt, das Finanzinspektorat und die Informatikdienste der Berner Stadtverwaltung. Rund 110 Mitarbeiter der Stadt konnten am Freitag nicht zur Arbeit.

Gefahr offenbar nur für Gibb

Anders als bei der Gibb fand der Unterricht an den Lehrwerkstätten Bern (LWB) am Freitagvormittag statt. Dies, obschon der Haupteingang zur Lehrwerkstätte gleich neben dem Gibb-Hauptgebäude ist. Die Gebäude haben verschiedene Adressen, sind aber zusammengeschlossen. «Aufgrund der Drohung gegen die Gibb waren viele Lernende sehr besorgt», schrieb ein Lehrling der LWB in einer E-Mail an diese Zeitung. «Viele von uns haben sich am Donnerstagabend bei den Lehrern telefonisch erkundigt, ob sie am Freitag in die Schule müssten.» Die Antwort war ja – falls etwas passiere, könne man immer noch den Unterricht entfallen lassen. «Ich finde es verantwortungslos, so viele Menschenleben aufs Spiel zu setzen», schrieb der Lehrling, der anonym bleiben will.

«Aufgrund der Art und Weise und wegen des Inhalts der Drohungen haben wir die Schliessung der Schulen auf die Gibb-Standorte beschränkt», begründet Polizeisprecher Michael Fichter den Entscheid.

«Inakzeptable» Straftat

Auch wenn es sich bei der neusten Drohung um einen «Jux» handeln sollte, ist für Gibb-Direktorin Sonja Morgenegg klar, dass «man kein Risiko eingehen kann», wie sie gegenüber Radio SRF sagte. Die Motivationen für eine solche Tat seien sehr unterschiedlich. Eine Drohung sei aber eine «inakzeptable» Straftat.

An der Berner Berufsschule pflege man eine «offene Kultur zwischen Lehrpersonen und Lernenden». Für die Lernenden gebe es zudem eine Beratungsstelle.

sda/BZ/tob/mas

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