Region Bern

Gewerbe trotzt dem Internet

Region Bern Im Herbst ­finden landauf, landab die traditionellen Gewerbeausstellungen statt. Laut KMU Bern seien diese ein Erfolgsmodell – trotz Digitalisierung.

Der letzte Schliff am Ausstellungsstand: Heute eröffnet die Gewerbeausstellung in Bolligen.

Der letzte Schliff am Ausstellungsstand: Heute eröffnet die Gewerbeausstellung in Bolligen. Bild: Christian Pfander

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Hier eine Kostprobe, da ein Wettbewerb. Und zum Schluss eine Degustation beim lokalen Weinhändler. Im Herbst finden vielerorts die traditionellen Gewerbeausstellungen statt. So auch in Bolligen. Dort veranstaltet der Gewerbeverein Bolligen, Ittigen und Ostermundigen anlässlich des 100-jährigen Bestehens eine gemeinsame Gewerbeausstellung – die erste seit 1962.

Seither habe es in den einzelnen Gemeinden lediglich kleinere Anlässe gegeben, erzählt OK-Präsident Heinz Zürcher. Zwei Anläufe für einen gemeinsamen grossen Anlass hingegen scheiterten. Einmal mangelte es am Interesse des Gewerbes. Einmal wollte niemand die Organisation an die Hand nehmen.

Ein Erfolgsmodell

Die Messen kosten die Aussteller viel Zeit und Geld. Ein Aufwand, den sich nicht mehr alle Betriebe leisten wollen. Das Interesse an den Ausstellungen, so scheint es, schwindet. Aktuelles Beispiel ist Freiburg. Dort musste der Kanton der Herbstmesse finanziell unter die Arme greifen.

Beim Dachverband Berner KMU nehme man dies «komplett anders wahr», sagt ein Sprecher auf Anfrage. «Wenn grosse Ausstellungen an ihre Grenzen stossen, heisst das nicht, dass es lokalen Ausstellungen schlecht geht.» In den letzten Jahren sei die Anzahl der Gewerbeausstellungen konstant geblieben. «Sie sind auch im Zeitalter der Digitalisierung ein Erfolgsmodell», schreibt Berner KMU weiter.

So sehen es auch die Veranstalter in Bolligen. Heinz Zürcher freut sich, dass nach über fünfzig Jahren wieder ein gemeinsamer Anlass stattfindet. «Im Gewerbe geht es um Vertrauen. Und das entsteht nur von Angesicht zu Angesicht.» Natürlich sei ein guter Internetauftritt heutzutage wichtig, ergänzt Zürcher. Doch das allein reiche nicht aus.

Der Gewerbeverein habe lange Anlässe vom Gewerbe fürs Gewerbe organisiert. Das wolle man nun aufbrechen, erklärt Heinz Zürcher. «Es geht uns dabei nicht darum, Umsätze zu generieren.» Man wolle auf die Bevölkerung zugehen, denn potenzielle Kunden kämen nicht einfach so in einer Werkstatt vorbei. «Wir wollen der Bevölkerung zeigen, was wir leisten.» Denn gerade in Ittigen, Bolligen und Ostermundigen orientierten sich die Menschen stark an der Stadt.

Im Dorfleben etabliert

Präsent sein will auch das Gewerbe in Rapperswil. «Wenn man sich nicht zeigt, muss man sich nicht wundern, wenn die Einheimischen ihre Einkäufe in der Stadt erledigen», sagt OK-Präsident Walter Hofer.

Alle vier Jahre findet die Gewerbeausstellung in Rapperswil statt – vergleichsweise häufig. Der Rhythmus habe sich bewährt, erklärt Hofer. Einerseits wegen des doch beträchtlichen Aufwands. Andererseits sei die Neugierde der Besucher nach vier Jahren geweckt. Zudem hat sich der Anlass in der Agenda Rapperswils etabliert. Nebst den Ständen trage das Rahmenprogramm dazu bei. «Man trifft sich, hat angeregte Gespräche, und in der Bar kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz.»

Nicht alle machen mit

Das Interesse beim Gewerbe sei jeweils gross, die Aussteller schnell beisammen. 47 sind es in diesem Jahr, fast ausschliesslich aus Rapperswil. Zum Vergleich: In Bolligen sind es 50 Stände. Angesichts der Anzahl Mitglieder im Gewerbeverein und der Grösse des Einzugsgebiets eher bescheiden. Die Gründe dafür kennt Heinz Zürcher: «Wir haben bei uns viele Dienstleister. Über 20 Coiffeursalons und viele Treuhandbüros.» Solche Unternehmen präsentierten sich eher selten an Gewerbeausstellungen.

Schwierigkeiten in der Agglo

Die relativ hohe Anzahl an Ständen in Rapperswil zeigt, wie verankert dort die Gewerbeausstellung ist. Das ist nicht überall so. In Stettlen verzichtet der Gewerbeverein darauf. Stattdessen veranstaltet er einen Dorfmarkt. Weil der Anlass nur einen Tag dauert, sei der Aufwand hinsichtlich Infrastruktur und Zeit überschaubar.

Auch in Bremgarten findet seit längerer Zeit keine Gewerbeausstellung mehr statt. «Der Vorstand hat sich immer wieder bemüht, Anlässe auf die Beine zustellen», sagt Präsident Thomas Gerber. Doch das Interesse daran sei bei den meisten Mitgliedern gering.

«In den Agglomerationsgemeinden ist es schwieriger, Gewerbeausstellungen erfolgreich durchzuführen», schreibt auch Berner KMU. Diese Tendenz beobachte man zudem bei anderen Anlässen wie Vereinsjubiläen oder Dorffesten. Aber erfolgreiche Ausstellungen in Köniz und die bevorstehende in Bolligen zeigten, dass solche Veranstaltungen auch in der Agglo funktionieren könnten.
An diesem Wochenendefinden in der Region drei Gewerbe­ausstellungen statt. In Bolligen (www.gwaerb18.ch), Biglen (www.big18.ch) und Rapperswil (www.gewerbeverein-schuepfen-rapperswil.ch.). (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.10.2018, 21:46 Uhr

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