Gestrandet im Belpmoos

Grounding am Flughafen Bern-Belp, Tag 1: Skywork-Maschinen bleiben am Boden, Stammgäste haben noch Hoffnung, Holländerinnen lesen ihre Mails nicht, am Himmel herrscht Stille.

«Cancelled»: Anzeigetafel im Flughafen.

«Cancelled»: Anzeigetafel im Flughafen.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Johannes Reichen

Sonntagmorgen, Flughafen Bern-Belp. Die Anzeigetafel im Terminal ist blau. Und rot. «Cancelled», steht hinter Flug SX 300 von Skywork, der um 9.30 Uhr hätte nach Amsterdam abheben sollen. «Cancelled», steht hinter SX 600, 9.45 Uhr, nach Wien.

«Cancelled» ist auch Flug SX 211, 17.55 Uhr, aus Berlin-Tegel. Annulliert sind alle je sechs An- und Abflüge an diesem Tag. Die Maschinen bleiben am Boden.Amsterdam, Hamburg, London. München, Wien, Berlin. Nicht heute. Nicht mit Skywork.

Das müssen auch zwei Holländerinnen feststellen, die pünktlich am Flughafen einchecken wollten. Die beiden haben nicht mitbekommen, dass ihr Flug gestrichen ist. Sie hätten eine Mail erhalten, aber leider nicht gesehen, sagen sie. So sind sie vergebens ins Belpmoos gereist. Am Skywork-Schalter erhalten sie Hilfe. «Jetzt werden wir halt ab Zürich fliegen», sagt die Jüngere. Es scheint sie beide nicht gross zu stören.

Die beiden Frauen aus Holland scheinen die einzigen im Belpmoos gestrandeten Passagiere zu sein. Ansonsten ist die Lage überschaubar. An den Tischen im Flughafencafé sitzen ein paar Leute, dominierendes Gesprächsthema ist natürlich die Schieflage von Skywork. Regelmässige Gäste staunen über die Ruhe im Terminal, andere spülen das Grounding einfach mit einer Tasse Kaffee samt Laugengipfeli herunter. «Tragisch» sei das Ganze, sagt ein Mann, der fast jeden Tag hier sitzt und für die Fliegerei lebt. Die Hoffnung auf eine Rettung hat er noch nicht aufgeben. «Ich glaube daran.»

Dann herrscht auf einmal Betrieb am Flughafen. Die Betriebsfeuerwehr braust über die Piste, weshalb, wird nicht ganz klar. Vermutlich eine Übung. Nichts Ernstes jedenfalls, dann herrscht wieder Stille im Belpmoos und am grauen Himmel darüber. Weit und breit kein Flugzeug, das die Ruhe stört.

Berner Zeitung

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