Geschenke gehen direkt in die Brocki

Belp

Nach den Festtagen sind Brockenstuben gefragt. Ungeliebte Weihnachtsgeschenke landen – oft originalverpackt – bei den Annahmestellen. Und der Weihnachtsschmuck wird vom Baum direkt in die Brocki verfrachtet.

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Öl und Fleisch hat das Fondue-chinoise-Set noch nie gesehen. Das Pfännchen und die Schalen sind blitzneu, das Brenner-Teil und die Gabeln noch immer in Plastik verschweisst. Und die Originalschachtel lässt vermuten: Das Set wurde zwar ausgepackt, landete aber unbenutzt in der Brockenstube Swiss-broc.ch in Belp.

Verkaufspreis: 15 Franken. Dort stehen noch andere Artikel, die in den letzten Tagen gespendet wurden und auf Weihnachtsgeschenke hindeuten: eine Kaffeemaschine etwa, zwei Tischgrills, ein neues Paar Turnschuhe, ein Megafon oder ein Thermometer in einer Glasröhre mit schwimmenden Kugeln als Temperaturanzeige.

Neu und unbenützt

«Nach Weihnachten erhalten wir immer wieder solche Sachen», sagt Swiss-broc-Geschäftsführer Alfred Gyger. Oft würden sie in der Originalverpackung abgegeben. Etwa ein Dutzend solcher Gegenstände hat Swiss-broc in den letzten Tagen erhalten. Die Produkte unterscheiden sich von solchen, die ebenfalls ungebraucht sind, aber jahrelang in einer Wohnung verstaut waren. «Dass diese hier neu sind, sehe ich an der Schachtel und dem Produkt selbst», erklärt Gyger.

Die Tendenz, dass Geschenke direkt in den Gebrauchtwarenladen wandern, ist auch in anderen Brockenstuben spürbar. «Ja, das stellen wir ebenfalls fest», sagt Oliver Rufer von der Bärner Brocki in Bern. Es sind neue, originalverpackte Geräte, Gebrauchsgegenstände und Dekostücke. «Das sind wohl unerwünschte Geschenke», mutmasst Rufer.

Weniger stark spürbar war der Trend in der Brocki der Heilsarmee in Münchenbuchsee. «Wir stellen aber fest, dass viele Leute uns Dinge bringen, weil sie etwas Neues gekauft oder erhalten haben», sagt Brocki-Leiter Simon Beyeler. Oft sei die Ware erst drei, vier Jahre alt und in gutem Zustand. «Einen etwas älteren Flach-TV zum Beispiel können wir gut verkaufen», so Beyeler.

Einen regelrechten Boom verzeichnen die Brockenstuben mittlerweile nach den Festtagen mit dem Weihnachtsschmuck. Immer mehr Kunden räumen ihre Kugeln, Glitzerbänder und Engel nicht mehr in den Keller oder den Estrich, sondern bringen sie gleich in die Brockenstube. Dies bestätigen die Brocki-Leiter von Belp, Bern und Münchenbuchsee. «Wir erhalten täglich solchen Schmuck», sagt Oliver Rufer von der Bärner Brocki. «Der erste wurde bereits am 3.Januar abgegeben.»

Guter Umsatz

Dieses Schmuck- und Dekorationsmaterial müssen die Brockis einlagern, in Belp sind bis diese Woche 15 Bananenschachteln gefüllt worden. In den Verkauf gelangt die Ware erst ab November. «Das verkauft man nur, wenn es ‹aamächelig› präsentiert ist», weiss Alfred Gyger. Dort verwandeln die Mitarbeiter jeweils eine Ecke beim Eingang in eine stimmungsvolle weihnächtliche Ausstellung. Und am Samstag bieten sie dort Guetsli und Züpfe an. Dies hilft denn auch, den Verkauf anzukurbeln.

Alfred Gyger ist mit dem Umsatz vor und nach Weihnachten «sehr zufrieden». Zahlen nennt er nicht. Swiss-broc ist einem Hilfswerk angeschlossen. Der Erlös fliesst in Entwicklungsprojekte, unter anderem werden Kinderheime in der Ukraine, in Weissrussland und in Moldawien unterstützt.

Berner Zeitung

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