Geschenk aus der Jura-Zeit

Das Naturhistorische Museum Bern hat eine gigantische Sammlung von Fossilien als Geschenk ­erhalten. Die 40 000 Objekte stammen aus dem Erdzeitalter des Juras – und aus dem geografischen Jura.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der paläontologische Schatz ist einmalig in der Schweiz. In Archivschränken im Untergeschoss des Naturhistorischen Museums, in Tausenden von Schubladen, auch in noch verpackten, eben erst angekommenen Kisten befinden sich gegen 40 000 Fossilien: Muscheln, Schnecken, Ammoniten, Reste von Schildkröten und Krokodilen. Es sind Zeugen aus der erdgeschichtlichen Zeit des Juras, die vor 201 Millionen Jahren begann und vor 145 Millionen Jahren endete.

Die Versteinerungen wurden in den letzten vierzig Jahren vor allem im Schweizer Jura ­entdeckt, von Mitgliedern der Fondation paléontologique jurassienne (FPJ). Nun hat die ­Fondation ihre Sammlung dem Naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern geschenkt – und so ihr Ziel, die wertvollen Stücke dauerhaft der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zur Verfügung zu stellen, umgesetzt.

Ein Glücksfall für Bern

«Die Sammlung von Jurafossilien im Naturhistorischen Museum ist mit einem Schlag doppelt so gross geworden und hat ihren Wert vervielfacht», sagt die Erdwissenschaftlerin Ursula Menkveld. Das Museum werde mit der neuen Sammlung zu Forschungsstandort in der Schweiz für Versteinerungen der Jurazeit. Im Hinblick auf die Schenkung hat das Naturhistorische Museum Bern vor einiger Zeit den strategischen Schwerpunkt in der Paläontologie auf «Jura Schweiz und direkte Umgebung» gesetzt.

Ursula Menkveld und ihrem Team steht eine Monsteraufgabe bevor: «Wir werden viele Objekte präparieren, sämtliche katalogisieren und einige wissenschaftlich bearbeiten.» Das werde viele Jahre in Anspruch nehmen, «die Zeit bis zu meiner Pensionierung reicht jedenfalls nicht aus», meint die Expertin. Die Freude indes überwiegt. «Die Sammlung ist das Beste, was mir in meiner Karriere jemals passiert ist», sagt Menkveld, «ich habe mich für die Übernahme dieses Schatzes sehr bemüht.»

Gute Lösung

2001 habe sie den Präsidenten der Fondation, Erdwissenschaftler Bernhard Hostettler, nach Bern ans Museum geholt. Als sich das Museum bereit erklärt habe, für die Sammlung Raum zu schaffen, habe sich Hostettler für den Umzug der Sammlung nach Bern eingesetzt. Allerdings musste auch noch mit dem Kanton Jura verhandelt werden. Denn: Fossilien von wissenschaftlichem Wert, die auf dem Boden des ­Kantons Jura gefunden werden, gehören dem Kanton Jura. «Das macht etwa 10 Prozent der Sammlung aus», sagt Menkveld.

«Die Sammlung wird sich in den nächsten Jahren noch vergrössern.»Ursula Menkveld

Mit dem Kanton Jura habe man eine gute Lösung gefunden: Wissenschaftlich bedeutende Objekte gibt der Kanton Jura einfach als Dauerleihgabe in die Berner Obhut. «Das ist für alle Parteien gut, entlastet den Kanton Jura und stellt die Zusammenarbeit mit den Partnern sicher. Das Musée Jurassica in Pruntrut beispielsweise hat auch die Möglichkeit, die gesamte Sammlung für Ausstellungen und wissenschaftliche Zwecke zu nutzen.

Sammlung wird grösser

Mit der Schenkung hören die Mitglieder der FPJ aber nicht auf, nach Fossilien zu graben. «Die Sammlung wird sich in den nächsten Jahren noch vergrössern», meint Ursula Menkveld. Und dem breiten Publikum werden die versteinerten Lebe­wesen, die damals auf Schweizer Boden in einem Meer gelebt haben, nächstes Jahr zugänglich ­gemacht. Eine Sonderausstellung mit Prunkstücken im Naturhistorischen Museum ist im Mai 2018 geplant.

(dem)

Erstellt: 13.09.2017, 07:26 Uhr

Artikel zum Thema

Berner Museen sind reif für die Insel

Bern Die vielen Museen um den Helvetiaplatz in Bern sollen ganzheitlich betrachtet und auf Synergiepotenzial untersucht werden. Zu diesem Zweck geben Kanton, Stadt und Burgergemeinde eine Studie in Auftrag. Mehr...

Naturhistorisches Museum erhält 40'000 Jura-Fossilien

Bern Die Fondation Paléontologique Jurassienne schenkt dem Neturhistorischen Museum Bern eine der bedeutendsten Fossilien-Sammlungen der Schweiz. Mehr...

Besucherrekord im Naturhistorischen Museum

Bern Das Naturhistorische Museum Bern verzeichnet einen neuen Besucherrekord: 2016 konnte es rund 131'000 Eintritte verbuchen. Das sind über 20'000 Eintritte mehr als im Vorjahr. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Outdoor Dieses Abenteuer macht eine Gruppe zum Team

Mamablog Wenn die Krankheit das Familienleben bestimmt

Die Welt in Bildern

Teilnehmer des jährlichen «North East Skinny Dip» rennen in das Meer bei Druridge Bay in England. (23. September 2018)
(Bild: Scott Heppell) Mehr...