Museen sparen eine halbe Million beim Personal

Bern

Am Montag wurden die Mitarbeiter von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee über die Konsequenzen der Zusammenführung informiert. Insgesamt sind Einsparungen von rund 1 Million Franken geplant.

Bei der Fusion von ZPK (Bild) und Kunstmuseum Bern soll es zu keinen Entlassungen kommen.

Bei der Fusion von ZPK (Bild) und Kunstmuseum Bern soll es zu keinen Entlassungen kommen.

(Bild: Andreas Blatter)

Oliver Meier@mei_oliver

Wer hat unrecht? Das war die Frage, nachdem sich der abtretende Direktor des Zentrums Paul Klee (ZPK) aus dem Fenster gelehnt hatte. Im Abschiedsinterview mit dieser Zeitung stellte sich Peter Fischer offen gegen die strategische Leitung der neuen Dachstiftung. Fischer monierte «viele Unklarheiten» in der Organisation und stellte in Abrede, dass bei der Zusammenlegung mit dem Kunstmuseum Einsparungen erzielt werden können. Solche Erwartungen seien «illusionär». «Ich fürchte, was man spart, wird man gleich wieder ausgeben müssen für neue Posten», so Fischer.

Danach sieht es nun allerdings nicht aus. Am Montag wurden die Mitarbeitenden über die Konsequenzen der Zusammenlegung informiert, wie einer Medien­mitteilung zu entnehmen ist. Demnach sieht der Stiftungsrat Einsparungen von rund 1 Million Franken vor. Gut möglich, dass es am Ende sogar mehr sein wird. Die Hälfte davon wird beim Personal gespart – allein dieses Jahr sollen es rund 300'000 Franken sein. Die andere Hälfte soll durch Verbesserungen der internen Abläufe erreicht werden. Die Bereiche Marketing, Finanzen, Personal, Events, Facility Management, Vermittlung und Ausstellungsmanagement werden zusammengelegt.

Seit Montag leitet Vizepräsident Marcel Brülhart die beiden Institutionen als interimistischer Geschäftsführer. Bis Ende März soll entschieden sein, wer das Kunstmuseum und das ZPK künftig als Superdirektor oder als Superdirektorin verantwortet. Klar ist, dass Brülhart nach dem Klee-Zentrum nun auch das Kunstmuseum unter die Lupe nehmen muss. In den letzten Jahren stellten Fusionsgegner das Kunstmuseum gerne als Musterbetrieb dar – und ein Zusammengehen mit dem finanziellen «Sorgenkind» Klee-Zentrum als Gefahr für den potenziellen Partner. Die Finanzen des ZPK sind inzwischen stabilisiert. Dafür stellen sich beim Kunstmuseum vermehrt Fragen.

Unwürdiger Zustand

Schon seit einiger Zeit macht die Institution in Sachen Kommunikation einen hilflosen Eindruck, die Medienstelle ist faktisch inexistent – ein unwürdiger Zustand besonders, da das Kunstmuseum durch den Fall Gurlitt international im Fokus steht. Fragen stellen sich auch in Bezug auf die Finanzen. In den letzten Jahren fehlte es offenbar an einer konsequenten und transparenten Rechnungslegung, sodass selbst Insider nur mit Mühe den Überblick haben. Auffallend ist, dass der Personalaufwand beim Kunstmuseum in den letzten zehn Jahren um fast 40 Prozent auf 5 Millionen Franken gestiegen ist. Im selben Zeitraum sind die Betriebssubventionen um knapp 30 Prozent gestiegen – von 4,8 Millionen auf 6,2 Millionen. Was steckt dahinter? Auf Nachfrage heisst es, viele Bereiche seien «reorganisiert und professionalisiert» worden.

Lotterie im Museum

Seit 2009 ist etwa die Personal­administration intern angesiedelt, nachdem sie früher an das Personalamt des Kantons ausgelagert war. Ab 2010 wurden zudem die Abteilungen Finanzen, Restaurierung, Facility Management und Marketing ausgebaut. Und: 2015 wurde eine neue Sponsoring-Stelle geschaffen. Zuvor hatte sich Ruth Gilgen Hamisultane als Kommunikationschefin auch um den Sponsoringbereich gekümmert. Gilgen verliess das Kunstmuseum Ende 2014, weil sie sich im Fall Gurlitt mit dem damaligen Stiftungsratspräsidenten Christoph Schäublin überworfen hatte.

Die Museumsleitung engagierte den früheren Fifa-Medienchef Andreas Herren als Berater, der auch nicht ganz billig gewesen sein dürfte. Gilgens Stelle wurde an Michèle Thüring vergeben, die glücklos agierte und das Museum bereits nach kurzer Zeit wieder verliess. Seither gleichen Medienanfragen einer Lotterie: Antworten sind Glückssache.

«Die Wahrscheinlichkeit von Entlassungen ist gering»
Marcel Brülhart, interimistischer Geschäftsführer von Kunstmuseum und Zentrum Paul Klee, über das Sparprogramm, die Baustellen beim Kunstmuseum und die Suche nach einer neuen Gesamt­leitung.

Herr Brülhart, der scheidende ­Direktor des Zentrums Paul Klee hat bestritten, dass es bei der Zusammenführung mit dem Kunstmuseum Synergiepotenzial gibt. Nun sollen Einsparungen von rund einer Million Franken möglich sein. War Peter Fischer zu wenig kompetent?Marcel Brülhart: Diese Einschätzung teile ich nicht. Auch wenn die beiden Häuser nicht fusioniert werden, erfolgt eine Zusammenführung der nicht künstlerischen Bereiche. Zudem wird die Leitungsebene verkleinert – neu gibt es eine vierköpfige Geschäftsleitung. Weiter werden wir zum Beispiel gemeinsam ausschreiben, die verwendeten Systeme angleichen und einheitliche Prozesse einführen. Erstaunlich wäre vielmehr, wenn dies nicht zu Synergien führen würde.

Wo genau wird wie viel gespart?Auf der Leitungsebene sowie im kaufmännischen Bereich fallen rund 3,5 Stellen weg. Zudem werden wir externalisierte Leistungen daraufhin untersuchen, ob wir diese überhaupt oder im derzeitigen Umfang benötigen. Darüber hinaus wird es auch in Sachbereichen substanzielle Einsparungen geben. Wir gehen davon aus, dass die Synergieeffekte im Sachbereich mindestens so hoch sind wie beim Personal. Für 2016 rechnen wir mit rund 500 000 Franken an Einsparungen, das Potenzial dürfte bei rund einer Million liegen.

Wird es zu Entlassungen kommen?Wegen natürlicher Abgänge ist die Wahrscheinlichkeit von Entlassungen gering geworden. Sollte es dennoch dazu kommen, garantieren wir Sozialverträglichkeit. Wichtig ist auch, dass wir die Reorganisation nicht von heute auf morgen, sondern schrittweise und sorgfältig umsetzen.

Die Kommunikation des Kunstmuseums war in den letzten Monaten nicht über alle Zweifel erhaben. Was tut man dagegen?Die letzten Monate waren für die Mitarbeitenden beider Häuser wegen der organisatorischen und personellen Unsicherheiten nicht einfach. Deshalb bitte ich um Verständnis, sollte dieser Eindruck entstanden sein. Klar ist, dass wir eine offene und transparente Kommunikationspolitik verfolgen. Und ja, die Kommunikation wird zusammengelegt.

Man erhält den Eindruck, die Buchhaltungspraxis des Kunstmuseums sei in den letzten Jahren nicht völlig konsequent und transparent gewesen. Teilen Sie diesen Eindruck?Das Kunstmuseum führt eine Betriebs- sowie eine Ausstellungsrechnung, die wegen der Fülle von Informationen nicht ganz einfach zu verstehen ist. Eines der grösseren anstehenden Projekte wird darin bestehen, die Rechnungslegungen beider Häuser zu harmonisieren.

Noch sind nicht alle Führungsstellen besetzt – jene des künstlerischen Gesamtleiters etwa. Wie ist der Stand bei der Suche?Wir befinden uns in der Schlussphase. Der Antritt dürfte noch in diesem Jahr erfolgen.

Berner Zeitung

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