Gemeinderat will rasch Gespräch mit Reitschule führen

Bern

Der Berner Gemeinderat hat sich mit den schweren Ausschreitungen in der Nacht auf den Sonntag, 28. Juli, rund um die Reitschule befasst. Das Ergebnis der Gespräche: Er beruft eine dringliche Sitzung ein.

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An seiner ersten Sitzung nach den Sommerferien hat sich der Gemeinderat mit den schweren Ausschreitungen vor der Reitschule befasst. Der Gemeinderat verurteile die Gewalt gegen Passanten und Polizeikräfte in aller Schärfe und wolle im Rahmen seiner Möglichkeit alles unternehmen, um derartige Krawalle künftig zu verhindern.

Wie der Gemeinderat in einer Mitteilung schreibt, soll möglichst rasch ein Gespräch mit den Verantwortlichen der Reitschule geführt werden. Geplant ist eine dringliche Sitzung mit einer Delegation der Ikur in den nächsten Wochen.

Dabei sollen unter anderem eine Analyse der Ereignisse vorgenommen und geklärt werden, ob die geltende Sicherheitsvereinbarung mit der Reitschule eingehalten und die entsprechenden Auflagen erfüllt wurden. Seitens des Gemeinderats werden Sicherheitsdirektor Reto Nause und Stadtpräsident Alexander Tschäppät am Gespräch teilnehmen.

Reto Nause will dem Treffen nicht vorgreifen, rechnet aber mit schwierigen Gesprächen. «Dass sich die Reitschule nach den Ausschreitungen öffentlich von den Chaoten distanziert hat, ist ein Zeichen, dass es in der Reitschule eben auch gemässigte und konstruktive Kreise gibt», sagt Nause. Es gehe darum, dank Dialog zu einer Lösung zu kommen. Alle Beteiligten, von Stadt, Polizei und Reitschule hätten ein Interesse daran, dass sich solche Vorfälle wie Ende Juli nicht wiederholen.

Mehrstündige Strassenschlacht

In der Nacht auf den 28. Juli hatten Vermummte vom Vorplatz der Reitschule aus Steine, Feuerwerk und Molotowcocktails gegen Polizisten und Passanten geworfen. Zuvor hatten die Vermummten Flaschen gegen Gäste eines Nachtlokals geworfen. Auf der Strasse errichteten die Chaoten Barrikaden und steckten Container in Brand. Die Strassenschlacht dauerte bis in die frühen Morgenstunden.

Egal, ob links oder rechts – Berns Politiker reagierten konsterniert auf die jüngsten Ausschreitungen rund um die Berner Reitschule.

Tschäppät kritisiert die Polizei

Nach seiner Rückkehr aus den Ferien äusserte sich auch Berns Stadtpräsident zum Thema. Im Interview mit der Berner Zeitung kritisierte er die Kantonspolizei harsch. «Mich persönlich frustriert es, dass die Polizei nie einen Täter aus der Reitschule abführt», sagte Tschäppät.

Die Kantonspolizei wollte sich hingegen nicht zu Tschäppäts Kritik äussern. «Wir nehmen keine Stellung zu den persönlichen Aussagen von Herrn Tschäppät», hiess es bei der Medienstelle. Man wolle solche Fragen nicht via Medien diskutieren, so die Kantonspolizei. «Wir pflegen lieber den direkten Dialog mit den verschiedenen involvierten Parteien.»

Der kantonale Polizei- und Militärdirektor Hans-Jürg Käser äusserte zwar Verständnis für die Kritik. Er gab aber Tschäppät zu bedenken, dass die Stadt Bern mit der Reitschule eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen hat. Deshalb trage die Stadt Bern einen Teil der Verantwortung für die Geschehnisse in und um das alternative Kulturzentrum.

js, cls

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