Gemeinden im Kabelnetz-Dilemma

Laupen/Fraubrunnen

Die Gemeinde Laupen will für fast 6,2 Millionen Franken das Kabelnetz auf Glasfaser umrüsten. Derweil verkauft Fraubrunnen das Kabelnetz in drei Dörfern.

Dank Glasfasernetz sollen die stets steigenden Datenvolumen übermittelt werden.

Dank Glasfasernetz sollen die stets steigenden Datenvolumen übermittelt werden.

(Bild: Keystone Carlo Reguzzi)

Hans Ulrich Schaad

Die Gemeinden überlegen sich immer häufiger, welche Dienstleistungen sie ihrer Bevölkerung anbieten sollen, auch mit Blick auf die Finanzen. So gehört in einigen Orten der Region Bern das Kabelnetz den Gemeinden. Zwei dieser Gemeinden entscheiden demnächst über die digitale Zukunft ihrer Infrastruktur.

Die Gemeindeversammlung Fraubrunnen befasst sich am 4. Dezember mit dem Verkauf des Kabelnetzes in den Dörfern Fraubrunnen, Grafenried und Zauggenried. Bereits am 25. November entscheiden die Stimmberechtigen von Laupen an der Urne über einen Kredit von 6,17 Millionen Franken, um das Kabelnetz auf Glasfaser aufzurüsten.

Drei von acht Dörfern

«Wir müssten dringend ins Netz investieren, um mit der Technologie Schritt halten zu können», erklärt Fraubrunnens Gemeinderatspräsident Urs Schär (BDP). Gut 1,2 Millionen Franken müsste die Gemeinde für die Modernisierung in Fraubrunnen, Grafenried und Zauggenried in die Hand nehmen. So viel Geld befindet sich aber nicht als Reserve in der Spezialfinanzierung.

Der Gemeinderat habe sich gefragt, ob das Kabelnetz überhaupt zu den Aufgaben einer Gemeinde gehöre, fährt Schär fort. Dazu komme, dass die Gemeinde nur in drei der acht Dörfer ein Kabelnetz besitze. Büren zum Hof habe das Kabelnetz bereits 2007 verkauft, lange vor der Fusion. Etzelkofen, Limpach, Mülchi und Schalunen haben überhaupt keinen Kabelanschluss und werden teilweise über die Luft oder die Swisscom versorgt.

Der Gemeinderat verhandle seit einiger Zeit mit der Swisscom, damit diese das Limpachtal beschleunigt aufrüste, bisher ohne Erfolg. Nun habe sich der Gemeinderat entschieden, den Verkauf des Kabelnetzes in den drei Dörfern zu beantragen. «Hätten wir über das ganze Gemeindegebiet ein eigenes Netz, wäre der Entscheid möglicherweise anders ausgefallen», sagt Schär.

Der Gemeinderat hat sich bei den «Grossen» der Branche herumgehört, ob sie an einem Kauf interessiert wären. Die Antwort war negativ. Als Käufer blieb die Localnet AG aus Burgdorf, die das Netz bereits unterhält und mit den Signalen versorgt. Sie offeriert der Gemeinde einen Kaufpreis von gut 580'000 Franken.

Das sind 600 Franken für jeden der aktiven gut 970 Anschlüsse. Abgezogen werden davon die unmittelbaren Investitionskosten in den Netzausbau, sodass die Gemeinde 130'000 Franken erhält. Zudem wird die Spezialfinanzierung aufgelöst, was weitere 465'000 Franken in die Gemeindekasse spült.

Für die Kunden in den drei Dörfern steigen die monatlichen Benutzungsgebühren auf 24.90 Franken an, den gleichen Betrag wie in Büren zum Hof. Am stärksten ist der Anstieg in Fraubrunnen, wo Abonnenten aktuell 10.80 Franken bezahlen. In Zauggenried kostet die monatliche Gebühr heute 12.95 Franken, in Grafenried 14.05 Franken.

«Bei einem Ausbau durch die Gemeinde hätten die Gebühren auch angehoben werden müssen», sagt Urs Schär. Der einzige Nachteil sei, schreibt der Gemeinderat in der Botschaft zur Gemeindeversammlung, dass das Mitspracherecht verloren gehe.

Zu spät für einen Verkauf

Während Fraubrunnen das Kabelnetz in den drei Dörfern verkaufen will, hat sich der Gemeinderat Laupen für den entgegengesetzten Weg entscheiden: Er möchte das Kabelnetz mit Glasfaser aufrüsten. «Wir haben uns einen Verkauf auch überlegt», sagt Gemeindepräsident Urs Balsiger (SVP).

Die Anlage sei zwar in einem guten Zustand, aber technisch nicht auf dem neuesten Stand. Der mögliche Erlös – 300'000 bis 700'000 Franken – wäre deshalb eher tief ausgefallen. «Wir haben für den Verkauf den richtigen Zeitpunktverpasst», fügt Balsiger an. Die Suche nach einem möglichen Partner für einen Ausbau sei im Sand verlaufen.

Ein Standortvorteil

Der Entscheid, das Kabelnetz zu behalten und technisch aufzurüsten, basiere auf einer Studie und habe mehrere Gründe, erklärt der Gemeindepräsident. Ein gutes Angebot sei ein Standortvorteil, wenn alle Gebäude angeschlossen seien und nicht nur die wirtschaftlich interessanten. Die Gemeinde könne zudem auf viele treue Kunden zählen (rund 1500), auch dank der tiefen monatlichen Gebühr. Ein weiterer Aspekt ist, dass sich in der Spezialfinanzierung rund 830'000 Franken als Reserve befinden. 

Der Ausbau soll 2020 beginnen und drei Jahre dauern. Am 25. November entscheiden die Stimmberechtigten über einen Bruttokredit von 6,17 Millionen. Er belastet den Steuerhaushalt nicht, er läuft über die Spezial­finanzierung. An der Investition sollen sich die Hauseigentümer mit einer einmaligenAnschlussgebühr pro Nutzungseinheit von 500 Franken beteiligen, was 950'000 Franken ausmacht.

Dafür muss die Gemeindeversammlung das Reglement anpassen. Sie entscheidet, ob eine einmalige Kostenbeteiligung der Liegenschaftseigentümer erfolgt oder ob diese Kosten der Spezialfinanzierung zu belasten sind.

Gebühren steigen

Ungeachtet, ob das Glasfasernetz gebaut werde, müssten die Nutzungsgebühren von heute rund 17 Franken auf eine Bandbreite von 22 bis 25 Franken pro Monat angehoben werden, fügt Urs Balsiger an. Die Kommunikationsdienste werden heute durch die Gemeinde angeboten, sie stellt die Rechnungen.

Das Glasfasernetz bleibt unverändert im Eigentum von Laupen. Die Dienste werden jedoch nicht mehr durch die Gemeinde angeboten. Der Konsument wählt seinen Anbieter selber, welcher der Gemeinde für die Nutzung des Netzes eine Miete entrichtet und sein Angebot dem Abonnenten selber in Rechnung stellt.

Berner Zeitung

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