Gemeinde versucht mit einem Trick, Fahrende fernzuhalten

Wileroltigen möchte dem Bund die Wiese abkaufen, auf der der Kanton den Transitplatz einrichten will. Und so verhindern, dass die Fahrenden hier auf Jahre hinaus haltmachen können.

Auf das lautstarke Nein folgt die Arbeit hinter den Kulissen: Wileroltigen möchte dem Bund die Wiese an der Autobahn abkaufen.

Auf das lautstarke Nein folgt die Arbeit hinter den Kulissen: Wileroltigen möchte dem Bund die Wiese an der Autobahn abkaufen.

(Bild: Nicole Philipp)

Stephan Künzi

Noch schweigen alle beharrlich. Die Geschichte macht trotzdem schon die Runde: Eine Delegation aus Wileroltigen ist beim Bundesamt für Strassen (Astra) vorstellig geworden mit der Idee, dem Bund die viel diskutierte Wiese an der Autobahn abzukaufen. Die Gemeinde könnte dann das Land für eine begrenzte Zeit dem Kanton als Transitplatz für ausländische Fahrende zur Verfügung stellen. Die Rede ist von zwei, drei Jahren – danach wäre das Dorf die ungeliebte Last, die ihm der Kanton mit seinen Plänen für einen fix eingerichteten Platz dauerhaft aufbürden will, auf elegante Art los.

Der Kanton müsste in einer anderen Gemeinde nach einer neuen Lösung suchen.

Kein Dementi

Das Hin und Her um die für die Fahrenden so attraktive Parzelle geht in eine neue Runde. Bis zu 500 Roma französischer und spanischer Herkunft machten letztes Jahr hier für gut zwei Monate Rast. Die allgemeine Verunsicherung über die fremden Gäste war gross, ebenso die Aufregung über herumliegende Abfälle und Fäkalien. In die ohnehin aufgeheizte Stimmung platzte der Kan­ton mit der Nachricht, er wolle die Parzelle zum definitiven Transitplatz machen.

Prompt bildete sich zur Abwehr ein Bürgerkomitee. Es wurde auf kantonaler wie kommunaler Ebene politisch aktiv. Aktuelles Beispiel dafür: Am Dienstag wird die Gemeindeversammlung in einer Konsultativabstimmung zu den kantonalen Plänen Stellung beziehen – und nach all dem Ärger wohl Nein sagen.

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Wie konkret der Landkauf mit dem Astra diskutiert worden ist und ob tatsächlich die Gemeinde Besitzerin werden sollte, bleibt angesichts des Schweigens offen. Armin Mürner als Vertreter des Komitees sagt gar nichts, und Gemeindepräsident Hinnerk Semke lässt sich immerhin entlocken: Gespräche mit dem Astra könne er «weder bestätigen noch dementieren». Einen Fingerzeig gibt höchstens die Absicht, die erworbene Wiese trotz allem vorübergehend als Transitplatz anzubieten. Das Bodenrecht schränkt den Erwerb von Landwirtschaftsland nämlich stark ein: Wer wie eine Gemeinde keinen Bauernhof führt, bleibt als Käufer aussen vor. Es sei denn, er erfülle auf dem Land eine öffentliche Aufgabe.

Offerte bleibt

Und das Astra? Es übt sich ebenfalls in Zurückhaltung. Sprecher Thomas Rohrbach sagt lediglich, sein Amt habe vom Kaufinteresse aus Wileroltigen «auch schon gehört». Umso offener gibt er zu erkennen, dass ihn solche Aktivi­täten nicht erstaunen. Immerhin hat das Astra Ähnliches bereits in der Debatte um einen Transitplatz in Meinisberg erlebt. Auch dort ging es um ein Areal, das direkt an die Autobahn grenzt und dem Bund gehört. Und auch dort meldeten sich plötzlich aus dem Nichts Leute, die das Grundstück erwerben wollten.

«Wir haben dem Kanton Bern die Wiese für einen Transitplatz angeboten, und an dieser Offerte halten wir weiterhin fest.»Thomas Rohrbach, Astra

Dabei ist die Sache für das Astra klar. Stehen sogenannte Restparzellen aus der Zeit des Autobahnbaus zum Verkauf, kommt zuerst der Bund, dann der Kanton und erst an dritter Stelle die betroffene Gemeinde zum Zug. In Wileroltigen kommt dazu: «Wir haben dem Kanton Bern die Wiese für einen Transitplatz angeboten, und an dieser Offerte halten wir weiterhin fest.»

Wileroltigen steht also von vornherein auf verlorenem Posten. Daran könnte nicht einmal ein tiefer Griff ins Portemonnaie etwas ändern: Für den Bund stehe bei einem Verkauf nicht das Geld im Vordergrund, so Rohrbach. Sondern das öffentliche Interesse.

Berner Zeitung

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