Gemeinde übt harsche Kritik an den SBB

Ostermundigen

Die SBB möchten auf dem Bahnhofareal in Ostermundigen ein Unterhalts- und Interventionszentrum bauen – sehr zum Missfallen der Behörden.

Wo heute Lastwagen und Glasmulden stehen, wollen die SBB neu bauen.

Wo heute Lastwagen und Glasmulden stehen, wollen die SBB neu bauen.

(Bild: Stefan Anderegg)

Stephan Künzi

«Die Situation ist heute ganz anders als 2007.» Der Ostermundiger Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) wird den Satz noch mehrfach wiederholen. Sieben Jahre ist es her, seit der Bund Ja zu einem Unterhalts- und Interventionszentrum auf dem Bahnhofareal sagte – den SBB also erlaubte, hier einen Werkhof für die Region Bern zu bauen und auch den Lösch- und Rettungszug hier zu stationieren.

Gegen das Projekt brachte der damalige Gemeinderat keine grundsätzlichen Einwände ein. Anders heute: Gestern verschickten die Behörden eine Mitteilung, in der sie harsche Kritik am Vorhaben übten.

Die SBB sind in der Zwischenzeit nicht untätig geblieben. Vom geplanten Gebäudekomplex direkt am Gleis nach Thun und Langnau ist zwar nach wie vor nichts zu sehen. Dafür wartet die Bahn mit neuen Plänen auf: Statt für 80 will sie nun für 210 Mitarbeiter bauen – und damit zusammenhängend nicht 34, sondern 60 Parkplätze schaffen. Bis Ende 2016 soll die 23 Millionen Franken teure Anlage stehen.

Breit abgestützt

Es könne doch nicht sein, dass das derart vergrösserte Projekt nicht noch einmal aufgelegt werde, ereifert sich Iten. In der Tat hatte der Bund für die Änderung zuerst nur ein vereinfachtes Verfahren ohne öffentliche Mitsprache vorgesehen – der Gemeindepräsident wird grundsätzlich: An bester Lage ein Zentrum in dieser Art zu planen, sei überhaupt nicht mehr zeitgemäss. «Der Bahnhof Ostermundigen ist ein Premiumstandort, der besser genutzt werden sollte, besser als nur mit einem grossen Parkplatz und einem ein- bis dreistöckigen Gebäudekomplex.»

Iten kommt auf seinen ersten Satz zurück und erläutert: Dass diese Haltung heute breit abgestützt sei, zeige die letztjährige Aktion «Boden gutmachen» der Regionalkonferenz. Auch in Ostermundigen stünden viele hinter dem haushälterischen Umgang mit dem Boden: «Über 70 Prozent haben letztes Jahr dem neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetz zugestimmt.»

«Ohne zentrale Flächen geht es im Alltag einer Bahn nicht», hält SBB-Sprecherin Lea Meyer solchen Argumenten entgegen. Sie erinnert daran, dass Ostermundigen in Zukunft gerade bei Störungen und Unfällen eine wichtige Rolle spielen wird, weil die Mitarbeiter von hier aus ausrücken. Für diese Einsätze, bei denen es um Sekunden gehen könne, liege der Standort ideal.

Heute sind die Unterhalts- und Interventionsdienste auf fünf verschiedene Orte rund um Bern verteilt. Meyer sagt offen, dass sich die SBB von der Konzentration auf Ostermundigen auch Synergiegewinne versprechen. Dazu kommt, dass einige Standorte künftig anders genutzt werden. Auf dem Wylerfeld etwa braucht die geplante Entflechtung der Gleise Platz.

Meyer präzisiert noch, dass der geplante Gebäudekomplex bis zu vier Etagen umfasst. Und sie betont, dass im nahen Schosshaldenwald weniger gerodet wird als von der Gemeinde angenommen. Denn auch das gehört zum Projekt: Die SBB schaffen hier, parallel zum Güteranschluss ins Zentareal, Platz für mehrere Abstellgleise für die Bau- und Unterhaltsfahrzeuge.

Ein erster Erfolg

Ob diese Maschinen nicht grossen Lärm machen? Iten befürchtet es und redet davon, dass in den nahen Quartieren die Wohnqualität leiden werde. In einem Punkt hat er bereits einen Erfolg erzielt: Der Bund will das geänderte Projekt nun doch öffentlich auflegen.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt