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Gelateria di Berna: Die Kehrseite des Erfolgs

Die Betreiber der Gelateria und der Sattler-Bar bekommen die Kehrseite ihres unerwarteten Erfolgs zu spüren. Velos und Müll sorgen für Unmut bei der gegenüberliegenden Tankstelle und einigen Anwohnern.

Die berühmten Glacé-Kreationen der «Gelateria di Berna» gibts seit Donnerstag auch im Marzili.
Die berühmten Glacé-Kreationen der «Gelateria di Berna» gibts seit Donnerstag auch im Marzili.
Sibylle Hartmann
Mit vollen Vitrinen lockte die neue Filiale bereits am Mittag die ersten Gelato-Fans an.
Mit vollen Vitrinen lockte die neue Filiale bereits am Mittag die ersten Gelato-Fans an.
Sibylle Hartmann
Gelatti wie in Italien: Dafür stehen die Kunden lange an.
Gelatti wie in Italien: Dafür stehen die Kunden lange an.
zvg
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Eine Kindheitserinnerung sei das erste italienische Gelato, schreiben die Betreiber der Gelateria di Berna in der Länggasse auf ihrer Internetseite und helfen denen nach, die sich nicht erinnern können: «Vor der Vitrine stehen. Unendlich viele Sorten. Jede eine Verheissung.»

Dass aber an einem sonnigen Sonntagnachmittag innerhalb von sechs Stunden über 400 Leute vor der Vitrine an der Mittelstrasse 15 anstehen würden, um sich die Sinne mit der Erinnerung ans erste italienische Gelato betören zu lassen, hätte vor drei Jahren keiner der Berner Gelatieri nur zu träumen gewagt.

400 Leute stehen Schlange

Als Einmannbetrieb war das wenige Quadratmeter grosse Lokal im Hinterhof der Holzhäuserzeile an der Mittelstrasse geplant. Mit der dort produzierten Glace wollte das Besitzerteam – Susanna Moor und die drei Brüder David, Michael und Hansmartin Amrein – ursprünglich vor allem Restaurants beliefern. Nebenbei – so war es vorgesehen – sollte der Gelatiero zwischen Mischen, Rühren und Abfüllen ab und zu auch einem Passanten oder einer Passantin ein Gelato herausgeben.

Nun ist alles ganz anders: Vier Personen sind nur damit beschäftigt, Glace zu produzieren. 20 weitere Personen sind schichtweise angestellt und machen nichts anderes, als Cornets und Becher mit Gelati-Sorten zu füllen und über die Vitrine zu reichen. 25 Fünfliterkübel gehen an einem Rekordtag weg. Hunderte von Plastiklöffeli, leeren Becherli und zerknüllten Servietten entsorgen die Gelateria-Kunden an solchen Tagen. Die Gäste der Sattler-Bar neben der Gelateria nehmen jedes Mäuerchen, alle Bänke und manchmal auch die Vorgärten entlang der Mittelstrasse in Beschlag. Und oft versperrt eine lange Reihe von abgestellten Velos den Zugang zu Hauseingängen und zur Migrol-Tankstelle.

Belastung für die Anwohner

«Mit so einem Auflauf hat nie jemand gerechnet», sagt Jan de Wurstemberger von der Gelateria. «Wir sind uns bewusst, dass es eine Belastung für die Anwohner ist, wenn bis zehn Uhr abends noch 80 Leute anstehen und die Gäste vor der Sattler-Bar plaudern.» Sowohl die Gelateria- wie auch die Sattler-Betreiber seien allerdings darauf bedacht, es sich mit der Nachbarschaft nicht zu verscherzen, betont er. Den Abfall und den Lärm glauben die Gelateria- und die Sattler-Betreiber unter Kontrolle zu haben. Jeden Abend sammelt jemand herumliegendes Papier und Plastik auf. Laute Gäste werden ermahnt.

Doch die Velos der Sattler- und Gelateria-Gäste sorgen für Unmut. Die Angestellten der Migrol-Tankstelle nerven sich, denn: «Ein Velo wird ans nächste gestellt, bis die Zufahrt völlig blockiert ist.» Am schlimmsten ist es an schönen Wochenenden. Dann läuft es in der Gelateria besonders gut. Und an der Tankstelle würde es ebenfalls besonders gut laufen – wenn die Kunden zur Zapfsäule fahren könnten. Das ist erst möglich, wenn jemand die Velos weggeräumt hat.

Neue Veloparkplätze signalisiert

Das hätten die Gelateria-Angestellten am Anfang alle 30 Minuten gemacht, betont der Gelateria-Mitbesitzer Hansmartin Amrein. Später habe die Gelateria der Tankstelle eine Absperrung mit einem Signal geschenkt. Mittlerweile hat sogar die Stadt Bern gehandelt und rund zehn Meter Veloparkfläche auf dem Trottoir neben der Tankstelle aufgemalt. Die Gelatieri auf der einen Seite der Strasse finden, dass der neue Abstellplatz etwas nützt.

In der Tankstelle gegenüber sind die Angestellten anderer Meinung. Ein Augenschein zeigt: Viele heranrollende Kunden übersehen das neue Parkplatzangebot und stellen ihr Velo nach wie vor an einem beliebigen Ort ab – wohl in Gedanken schon bei der Kindheitserinnerung, vor der Vitrine zwischen 30 Gelati-Sorten zu wählen.

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