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Anwalt zeigte seine Praktikantin an

Kurioser Fall: Ein Anwalt zeigt eine Praktikantin an, weil sie zu einem Bewerbungsgespräch statt in die Vorlesung ging.

Weil eine Praktikantin in einem Anwaltsbüro während der Arbeitszeit an ein Bewerbungsgepräch ging und dieses nicht als solches deklariert hatte, zerrte sie ihr Chef vor Gericht.
Weil eine Praktikantin in einem Anwaltsbüro während der Arbeitszeit an ein Bewerbungsgepräch ging und dieses nicht als solches deklariert hatte, zerrte sie ihr Chef vor Gericht.
Keystone

Es passierte kurz vor Ostern: Die Praktikantin unterbrach ihre Arbeit im Büro des Berner Anwalts, wo sie angestellt war, für eine Stunde, um zu einem externen Bewerbungsgespräch zu gehen. In der internen Zeiterfassung gab sie an, eine Vorlesung besucht zu haben. Der Anwalt bekam Wind von der Sache, als sie schon gekündigt hatte. Er stellte sie frei und reichte Strafanzeige ein.

Aus 12 Franken 50 Rappen . . .

Die Anzeige landete bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland. Und die schloss eine Verurteilung von vornherein aus: Es fehle die strafbare Handlung; der finanzielle Schaden sei zu gering. Das Monatsgehalt der Praktikantin betrug 2000 Franken.

Bei wöchentlich 40 Arbeitsstunden ergibt das einen Stundenlohn von: 12.50 Franken. Ob man von Betrug sprechen kann, liess die Staatsanwaltschaft offen. Wenn, dann habe die Frau «höchstens» einen «geringfügigen» Betrug «versucht». Dieser bleibt laut Gesetz straffrei.

Der Anwalt erhob Beschwerde am Obergericht. Sein Schaden sei höher: weil er der Frau auch nach der geschwänzten Stunde noch Lohn bezahlt und Zeit «in Erwartung einer längerfristigen Zusammenarbeit» investiert habe. Weil er eine Nachfolgerin einarbeiten musste. Er verlangte eine Strafuntersuchung und eine angemessene Sanktion. Nur: Davon wollte auch das Obergericht nichts wissen.

. . . werden 1629.20 Franken

Das Gericht folgte der Vorinstanz. Und führte aus: Die Falschbuchung begründe weder eine für den Betrug vorausgesetzte Bereicherungsabsicht, noch sei eine arglistige Täuschung im strafrechtlichen Sinn erkennbar.

«Es ist das Recht der Beschuldigten, ihr Arbeitsverhältnis ordentlich zu kündigen.» Die Praktikantin habe einzig mit einer fristlosen Kündigung rechnen müssen. Dass ihr früherer Arbeitgeber jemand Neues hatte einarbeiten müssen, erachtete das Gericht übersetzt als: stinknormal.

Strafverfahren ordnete es keines an. Und brummte dem Anwalt die Prozesskosten auf: 1000 Franken für das Verfahren, 629.20 Franken als Entschädigung an die Praktikantin.

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