«Gefühlt mehr Verkehr, gemessen aber nicht»

Ostermundigen

Auf der Bernstrasse stecken die Autofahrer regelmässig im Stau. Doch nun zeigen Messungen überraschend: In Ostermundigen sind heute nicht mehr, sondern weniger Autos unterwegs als früher.

Die Bernstrasse in Ostermundigen ist vor allem in den Stosszeiten dicht befahren. Foto: Adrian Moser

Die Bernstrasse in Ostermundigen ist vor allem in den Stosszeiten dicht befahren. Foto: Adrian Moser

Annic Berset

Es ist 17.30 Uhr an einem ganz normalen Wochentag. Langsam verdichtet sich der Verkehr in der Stadt Bern und der Agglo. Auch Ostermundigen bleibt vom Feierabendverkehr nicht verschont. Gefühlt kriechen Autos und Busse auf der Bernstrasse vom Rosengarten aus wie ein Tatzelwurm Richtung Ortszentrum – flüssig fahren sieht anders aus.

Aber hat dieser Verkehr in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen? Und verkraftet das Verkehrsnetz von Ostermundigen neue Siedlungen, mehr Einwohner und damit – vielleicht – auch noch mehr Verkehr? Mit dieser Frage setzt sich die Gemeinde nicht erst seit heute auseinander. Zwischen 2007 und 2019 ist die Zahl der Einwohner von gut 15000 auf über 18000 gestiegen, und es gibt viele Projekte, die noch mehr Leute anziehen sollen – allen voran das über 100 Meter hohe Bärenhochhaus.

Der Verkehr nimmt ab

Um die Entwicklung des Verkehrs zu prüfen, hat der Gemeinderat eine Verkehrserhebung in Auftrag gegeben, so wie bereits 2007 und 1996. Im März und April führte die Firma B + S AG an 22 Standorten in der Gemeinde Messungen durch: So wurden zum Beispiel die Anzahl Fahrzeuge pro Tag, die Anzahl Autos in den Stosszeiten morgens und abends oder die Anzahl Zweiräder gemessen. Ausserdem gab es in dieser Zeit Videomessungen, die zeigten, wie viele Autos an einem Punkt in Ostermundigen rein- und an einem anderen wieder rausfuhren. So konnte der Verkehr benannt werden, der nicht in der Gemeinde bleibt, sondern hindurchfährt.

«Gefühlt hat es mehr Verkehr, gemessen aber nicht.» Das sagte der zuständige Gemeinderat Andreas Thomann (SP) am Dienstag bei der Präsentation der Resultate. Die Messungen haben nicht etwa ergeben, dass der Verkehr in Ostermundigen zugenommen hat – im Gegenteil.

Dieses Jahr fuhren an der Messstelle auf der Bernstrasse nahe des Bahnhofs über 2000 Autos weniger pro Tag in die eine oder andere Richtung als noch 1996. «Der Verkehr ist erträglich, er verteilt sich gut auf das ganze Strassennetz der Gemeinde», sagt auch Yves Gaudens, Abteilungsleiter Tiefbau und Betriebe. Das Netz sei auch nicht überlastet, deshalb ergebe es auch keinen Sinn, dieses in irgendeiner Form auszubauen.

Vom Auto aufs Velo

Grund dafür ist gemäss Andreas Thomann, dass die Leute in den letzten Jahren von selber vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen seien – oder immer häufiger auf den öffentlichen Verkehr als Transportmittel zurückgreifen. Diese Entwicklung zeigt steil bergauf, allein auf der Buslinie 10 fahren aktuell über 13000 Personen täglich, die Zahlen der Buslinie 28 sind gar über 80 Prozent höher als 2007.

Kein Ausbau, aber gewisse Umgestaltungen schweben dem Gemeinderat mit dem Strassennetz vor. Denn die neuste Verkehrserhebung fördert auch zutage, wo am meisten Velos in Ostermundigen unterwegs sind. Denen wolle man möglichst gute Velowege zur Verfügung stellen.

Geht es also nach dem Gemeinderat von Ostermundigen, kann die Agglogemeinde in den nächsten Jahren munter weiterwachsen und sich entwickeln.

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