Gefahr bei «Tanz dich frei» – müssen Baugruben weg?

Bern

Fast 11 000 Personen haben sich auf Facebook für die Strassenparty «Tanz dich frei» angemeldet. Die Behörden fürchten sich vor Unfällen auf den zahlreichen Baustellen in der Stadt. Nun wird darüber nachgedacht, die Baugruben zuzuschütten.

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Tobias Habegger@TobiasHabegger

Es war bei weitem nicht die erste Drohung, die auf dem Schreibtisch von Gemeinderat Reto Nause (CVP) lag. Doch die Karte, die der Postbote gestern bei der Stadtberner Sicherheitsdirektion vorbeibrachte, gibt Nause zu denken. «Bern wird brennen – Tanz dich frei, du Arschloch», stand da geschrieben. «Wir sollten uns dringend mit den Organisatoren absprechen und versuchen, die Situation zu beruhigen», kommentiert Reto Nause die Post.

Angst vor Massenpanik

Bisher haben die Organisatoren der Strassenparty «Tanz dich frei» die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden konsequent verweigert. Auf Facebook rufen sie zur Teilnahme des Events am 25.Mai auf. Fast 11000 Personen haben sich bereits angemeldet.

Die Nervosität der Sicherheitsbehörden wächst von Tag zu Tag. Das grosse Problem sind die vielen Baustellen in der Innenstadt. Bei einer Massenpanik könnte es da zu schweren Unfällen kommen. «Die versperrte Achse zwischen dem Waisenhausplatz und dem Bärenplatz stellt uns vor ernsthafte Sicherheitsprobleme», sagt Reto Nause. Bei einer Massenpanik wäre die Gefahr gross, dass die Menschen in eine Sackgasse rennen und die Abschrankungen niederreissen.

Baustellen sollen weg

Offenbar planen die Stadtbehörden, Teile der Baustellen in der Innenstadt fürs «Tanz-dich-frei»-Wochenende zuzuschütten. Mehrere Personen aus der Baubranche haben solche Pläne bestätigt.

Die Gräben beim Bollwerk müssen bis zum 25.Mai weg sein. «Wir optimieren den Bauablauf, damit die Gräben an diesem Wochenende sowieso zu sind», sagt Matthias Vogel von der Frutiger AG. Problematischer ist die Situation bei der Verbindung zwischen dem Bärenplatz und dem Waisenhausplatz, wo bis im September die Tramgleise ersetzt werden. Zur Debatte steht, die dortige Fussgängerüberführung temporär abzubauen, die Grube aufzuschütten und den Boden zu ebnen. Dieses Intermezzo könnte Bauverzögerungen mit sich bringen und Konventionalstrafen auslösen.

Sicherheitsdirektor Reto Nause will diese Pläne nicht bestätigen. Der Gemeinderat werde die Öffentlichkeit bald über allfällige Massnahmen orientieren, sagt er. «Unsere Strategie ist es, alle möglichen Gefahrensituationen durchzudenken und zu eliminieren.» Zwei Probleme stünden für ihn im Vordergrund: «Wenn plötzlich 300 bis 400 Leute tanzend auf dieser Überführung rumhüpfen, besteht Einsturzgefahr. Wenn aber die Brücke weg kommt und der Graben bleibt, gibt es keine Fluchtwege beim Waisenhausplatz.»

Die Rettungsachse fehlt

Ob das Bundeshaus mit einem Zaun abgesperrt wird, will Nause ebenfalls nicht sagen. Stattdessen appelliert er zum x-ten Mal an die Veranstalter: «Es gibt zurzeit keine Route durch die Innenstadt, die gefahrlos wäre. Egal, welche Massnahmen wir ergreifen.» Wegen der Baustellen in der Innenstadt fehlten wichtige Rettungsachsen für Sanität und Feuerwehr.

Berner Zeitung

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