Jugendheim wird Ausschaffungsknast

Prêles

Ende 2016 schliesst das Jugendheim in Prêles seine Tore. Danach soll es als Asylzentrum und Ausschaffungsgefängnis genutzt werden. Ein Teil der Mitarbeitenden kann laut Polizeidirektor Hans-Jürg Käser dort weiter beschäftigt werden.

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Das Jugendheim auf dem bernjurassischen Tessenberg sorgte vor allem letztes Jahr wegen Personalproblemen und schlechter Auslastung für Schlagzeilen. Letzten Juni mussten gar die Heimleiterin und ihr Vize ihre Posten räumen. Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) gab damals eine externe Betriebs- und Umfeldanalyse des Heimes in Auftrag.

Am Donnerstag präsentierte er die Schlussfolgerung daraus: Das Jugendheim wird Ende Jahr geschlossen. Damit muss der Kanton dem Bund Geld zurückerstatten, das er für die Erweiterung des Jugendheimes erhalten hatte. Zusätzlich werden wohl auch Abgangsregelungen für Mitarbeitende anfallen. Insgesamt schätzen die externen Experten die Schliessungskosten auf 10 Millionen Franken.

Von der Schliessung sind rund 90 Mitarbeitende betroffen. Den Betroffenen seien zumutbare Alternativen im Kanton Bern anzubieten, sagte Käser vor den Medien. Wenn möglich sollten die Mitarbeitenden in der Kantonsverwaltung weiterbeschäftigt werden. Für ihn sei es wichtig, dass alle Betroffenen gute Nachfolgelösungen fänden, betonte Käser – denn schliesslich trage das engagierte Personal des Jugendheims keine Verantwortung für den Nachfragerückgang der Plätze.

Daniel Wyrsch vom bernischen Staatspersonalverband bedauert den Entscheid. Dieser sei für die betroffenen Mitarbeitenden und für die Region sehr hart. «Anstelle eines Sozialplans regelt die kantonale Personalgesetzgebung solche unverschuldeten Kündigungen vollumfänglich», schreibt der Verband in einer Mitteilung. Er zeigt sich zudem zuversichtlich, dass das Personalamt den Betroffenen andere Stellen beim Kanton anbietet oder andere individuelle Lösungen anstrebt. «Entsprechende Bemühungen sind bereits spürbar.» Ferner bestehe die Hoffnung, dass es in Prêles Nachfolgenutzungen geben könnte.

Plätze für Ausschaffungshaft

Tatsächlich will Käser die Infrastruktur «nachhaltig nutzen», wie er gestern ausführte. Im Vordergrund stehe die Einrichtung eines Gefängnisses für die Ausschaffungshaft im heutigen Heimteil Châtillon. Damit könnte der Kanton Bern die dringend benötigten Spezialplätze für die Ausschaffungshaft schaffen. Im Durchschnitt hat der Kanton Bern rund 90 abgewiesene Asylbewerber in dieser sogenannten Administrativhaft. Diese sind aktuell auch in den Regionalgefängnissen des Kantons untergebracht.

Mit einem speziellen Ausschaffungsgefängnis könnte der Kanton die Regionalgefängnisse entlasten. Er könnte zudem einem Urteil des Bundesgerichts nachkommen, wonach Ausschaffungs- und Untersuchungsgefangene getrennt unterzubringen sind. Die genaue Anzahl der neuen Haftplätze in Prêles steht noch nicht fest. Laut Käser sollen es bis zu 250 werden. Dies sei allein durch die Umnutzung der bestehenden Räume möglich. Um die Finanzierung der Haftplätze muss sich der Kanton offenbar keine Sorgen machen. «Der Bund subventioniert Ausschaffungsanstalten ab 100 Plätzen bis zu 100 Prozent», so Käser.

Die Wohnstrukturen im Heimteil La Praye sollen künftig als Kollektivunterkunft für Asylsuchende genutzt werden. Auch hier steht die konkrete Anzahl der Plätze noch nicht fest. «Die bestehenden Mitarbeitenden des Jugendheims könnten hier oder im Ausschaffungsgefängnis eingesetzt werden», sagte Käser.

Mit der Nutzung des Jugendheims für den Asylbereich werde zudem dem vom Grossen Rat überwiesene Postulat von GLP-Grossrätin Barbara Mühlheim (Bern) nachgelebt. Dieses verlangte, dass die Regierung die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden in Prêles prüfen muss. Für den Landwirtschaftsbetrieb, die Gärtnerei und den Garagenbetrieb sollen kostendeckende private Nutzungen angestrebt werden.

Weniger Jugendurteile

Für die rund 25 zurzeit im Heim lebenden Jugendlichen werden Plätze in einer anderen Institutionen gesucht. Das Jugendheim Prêles ist eine Erziehungsinstitution für verhaltensauffällige, normalbegabte Männer bis zu 22 Jahren. In den letzten fünf Jahren sei die Anzahl der Urteile mit einer stationären Massnahme gesamtschweizerisch um 70 Prozent gesunken, stellte Käser fest. «Dieser – für die Gesellschaft erfreuliche – Trend hat zur Folge, dass die 70 Plätze im Heim bei weitem nicht genutzt werden.»

Eine Übersicht über die Asylzentren im Kanton Bern:

as/sda

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