Gaswerk-Planung nimmt Gestalt an

Stadt Bern

Beim Berner Gaswerkareal stehen nun auch entlang der Sandrainstrasse höhere Häuser zur Debatte. Der Freiraum soll gestärkt werden, der Gaskessel unter die Monbijoubrücke verlegt.

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Christoph Hämmann

Stück für Stück erhält das Bild des künftigen Berner Gaswerkareals mehr Kontur. Neuster Beitrag ist eine Ausstellung im Hof der alten Ryff-Fabrik am Rand des Geländes. Sie zeigt, was drei Teams in einer Testplanung an Erkenntnissen gewonnen haben.

Weil die Berner Stadtregierung dieser Testplanung vor einem Jahr Vorgaben mit auf den Weg gab, die sich unter anderem auf einen einjährigen partizipativen Prozess stützten, kommen die neusten Erkenntnisse nicht aus heiterem Himmel. So legte der Gemeinderat im letzten September drei wegweisende Grundsätze fest: Erstens sollen neue Nutzungen mehrheitlich dem Wohnen zugutekommen, zweitens soll «ein hochstehender und identitätsstiftender Freiraum» entstehen. Drittens sei der Brückenkopf West der Monbijoubrücke in die Planung zu integrieren.

Historische Häuser öffnen

Eine vierte Auflage ist seit Juli vom Tisch, als sich der Gemeinderat von der Idee verabschiedete, auf dem Areal eine Schwimmhalle zu bauen. Alle drei Teams seien zum Ergebnis gelangt, dass die Ansprüche an Wohn- und Grünraum «kaum befriedigend» mit einer Schwimmhalle zu vereinbaren seien.

An der öffentlichen Präsentation der Ausstellung am Montagabend machte Alec von Graffenried am Beispiel des Basler Teams Harry Gugger Studio deutlich, wie stark die Schwimmhalle die Planer belastet hatte. Laut dem Direktor Arealentwicklung bei Losinger Marazzi, die das Areal im Auftrag der Stadt entwickelt, wählten die Basler eine Strategie der «konsequenten Verweigerung»: Ihr erster Entwurf sah keine Schwimmhalle vor, auf dem zweiten war sie ausserhalb des Perimeters platziert, in der dritten Variante unterirdisch angelegt.

Für die Wohnhäuser liess sich das Team von Altstadt und Matte inspirieren und entwarf entlang der Sandrainstrasse maximal 7-stöckige «Zähringerblöcke». Diese Höhe ist für von Graffenried eine mögliche Erkenntnis aus der Testplanung: Vor einem Jahr sei man von 4- bis 5-geschossigen Bauten ausgegangen, nun stehe die Idee im Raum, mit höheren Häusern mehr Urbanität und gleichzeitig mehr Grünraum zu schaffen.

Schliesslich lässt sich aus den Arbeiten der drei Teams ableiten, dass das Gaswerk vielfältige Freiräume bietet, die gestärkt werden sollen. Dazu gehören Naturräume ebenso wie urbane Freiräume, bei denen vor allem unter der Monbijoubrücke noch grosses Potenzial bestehe. Zudem werden Erholungsräume wie der historische Von-Gunten-Bau markiert, der künftig publikumsorientiert genutzt werden soll.

«Riesige Chance» Brückenkopf

Was den Gaskessel anbelangt, scheinen die Planer nicht daran zu glauben, dass das Jugend- und Kulturzentrum mit der geplanten Wohnnutzung vereinbar ist. «Beim Gaskessel sind wir noch nicht am Ziel», sagte von Graffenried. Klar sei, dass der Gaskessel «eine gleichwertige oder bessere Lösung» erhalten müsse. Auf Nachfrage lässt er durchblicken, wie er sich dies vorstellt: Weil die Fortsetzung des heutigen Betriebs konfliktträchtig und eine Versetzung zu teuer wäre, wird der Gaskessel anders genutzt. Im Gegenzug formulieren die Betreiber ein Raumprogramm, das unterhalb der Monbijoubrücke realisiert wird. Gestärkt würden so die Aufwertung des Brückenunterraums und die Verlängerung des «Kreativclusters» bei der Ryff-Fabrik. Ob sie diese Perspektive als Chance sehen wollen, haben die «Chessu»-Leute offenbar noch nicht entschieden.

Als «riesige Chance» sehen dafür die Planer den Brückenkopf, um den herum verdichtet werden soll. Der Gemeinderat entscheidet voraussichtlich noch 2014 über das weitere Vorgehen. Nach Vorliegen einer Planungsvorlage stünde eine Volksabstimmung an, danach Architekturwettbewerbe.

Die Ausstellung dauert bis 7. September. www.gaswerkareal.ch

Berner Zeitung

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