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Gaswerkareal: Ja zu vergünstigten Wohnungen, Nein zu Stockwerkeigentum

Eine grosse Mehrheit des Parlaments will, dass auf dem Gaswerkareal ein Quartier entsteht, das sich durch ein Miteinander aller Nutzungen auszeichnet.

Knapp angenommen wurden am Donnerstagabend im Stadtrat vergünstigte Wohnungen auf dem Gaswerkareal, knapp abgelehnt Wohneigentum.
Knapp angenommen wurden am Donnerstagabend im Stadtrat vergünstigte Wohnungen auf dem Gaswerkareal, knapp abgelehnt Wohneigentum.
Andreas Blatter

Auf dem Berner Gaswerkareal, soll gebaut werden, darüber herrschte am Donnerstag im Stadtparlament Einigkeit. Trotzdem galt es zahlreiche Planungserklärungen zu verhandeln, Vorgaben, die der Stadtrat dem Gemeinderat für die weitere Planung machen kann. Umstritten war etwa, wie rasch nun ein gemischtes Quartier für rund 1000 neue Bewohnerinnen und Bewohner oberhalb des ­Marzilibads, zwischen Aare und Sandrainstrasse entstehen soll.

Möglichst rasch, fanden BDP/CVP und Freisinn, und vor allem «möglichst unideologisch». FDP/JF kritisierte den Bericht des Gemeinderats als über und über mit Vorschriften gespickt. «Die Partizipation soll nun nicht wieder bei Adam und Eva beginnen», sagte die FDP/JF-Sprecherin weiter und unterstützte damit den BDP/CVP-Antrag, auf die Vorarbeiten abzustützen und den partizipativen Prozess auf sechs Monate zu beschränken – ein Antrag, der deutlich abgelehnt wurde.

«Die Partizipation soll nicht wieder bei Adam und Evabeginnen.»

Barbara Freiburghaus, FDP/JF

1,8 Millionen für Losinger

Für die Ratslinke und die -mitte war dagegen am Donnerstag der Moment gekommen, für den sie seit fünf Jahren gekämpft hätten. Damals war bekannt geworden, dass Energie Wasser Bern (EWB) das mit Altlasten belastete Areal mit Losinger Marazzi entwickeln und vom Bauunternehmen überbauen lassen wollte. Darauf folgte ein schier endloser Strom von Vorstössen, mit denen das Parlament das Geschäft an sich zu reissen versuchte. Endlich habe der Gemeinderat begriffen, dass an den Anfang einer Planung eine politische Diskussion gehöre, hiess es am Donnerstag von Mitte-links. Ende 2016 entschied der Gemeinderat, das EWB-Land zu kaufen und das Areal selber zu entwickeln.

Wie Losinger Marazzi für die Vorarbeiten zu entschädigen sei – ob finanziell oder mit einem Baufeld der Überbauung – war Gegenstand der Debatte. Dabei nannte Finanzdirektor Michael Aebersold (SP) erstmals den Preis für Losinger Marazzis Arbeiten: Das Unternehmen halte 1,8 Millionen Franken für «angemessen und begründet». Losinger Marazzi solle bar entlöhnt werden, entschied der Stadtrat.

Beim Preis für das EWB-Land rechne seine Direktion derzeit mit einer Spanne von 17 bis 30 Millionen, so Aebersold. Dabei sei berücksichtigt, dass der Planungsmehrwert der Stadt zu­gutekommen solle.

Stichentscheid zum Eigentum

Kontrovers diskutiert wurde der Vorschlag des Gemeinderats, 50 Prozent des Wohnanteils gemeinnützigen Wohnbauträgern zu überlassen, auf 25 Prozent selber vergünstigte Wohnungen mit Vermietungskriterien (GüWR) zu bauen sowie die letzten 25 Prozent Privaten abzugeben und auf diesem Teil auch Stockwerkeigentum zuzulassen. Dort, wo die Stadt den Wohnungsmarkt beeinflussen könne, solle sie dies tun, fand der SP/Juso-Sprecher, und sagte gegen die Schaffung von Wohneigentum gerichtet: «Wir wollen kein Bonzenghetto auf städtischem Boden.» Das sei polemisch, antwortete die FDP/JF-Sprecherin, zumal es sich bei Stockwerkeigentum um ein Instrument handle, das auch Mittelstandsfamilien den Erwerb von Eigentum ermögliche.

«Wir wollen kein Bonzenghetto auf städtischem Boden.»

Michael Sutter, SP/Juso

Die GLP sprach sich gegen städtischen Wohnungsbau auf dem Gaswerkareal aus und dagegen, GüWR-Wohnungen in Neubauten zu realisieren. Obwohl sich neben den Bürgerlichen auch die Rot-Grün-Mitte-Fraktion GFL/EVP dieser Forderung anschloss, wurde der GLP-Antrag knapp abgelehnt.

Gar zum Patt kam es bei der Frage, ob Stockwerkeigentum erlaubt sein soll. Ratspräsidentin Regula Bühlmann (GB) versetzte mit ihrer Stimme der Möglichkeit von Stockwerkeigentum den Todesstoss.

Urbane Wohnzone

Fast einstimmige Unterstützung erhielt vom Parlament der Gaskessel. Von links bis rechts wurde der Vorrang der ergebnisoffenen Suche nach einem alternativen Standort auf dem Areal für das Jugend- und Kulturzentrum bekräftigt, welche die «Chessu»-Betreiber und die Stadt­behörden vereinbart haben. Der Standortentscheid zum Gaskessel werde die Dichte der Überbauung beeinflussen, sagte Stadtpräsident Alec von Graffenried (GFL) zum Parlament, das dennoch für eine hohe Dichte stimmte.

Dazu passte, dass ebenfalls fast alle Ratsmitglieder dafür votierten, dass bewusst auf eine «urbane Wohnzone» hin geplant werden soll. Damit ist ein «Miteinander aller Nutzungen (Wohnen, Arbeit, Sport, Freizeit, Vergnügen und Nachtleben)» gemeint, heisst es im Antrag von GFL/EVP sowie FDP/JF.

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