Gaswerkareal: Die Stadt übernimmt

Bern

Der Gemeinderat will das Gaswerkareal von EWB kaufen und selber entwickeln. Nur so sei das Vertrauen zurückzugewinnen, das durch das bisherige exklusive Planen von Losinger Marazzi kaputt gegangen sei.

Die Brache lebt: Der Gemeinderat hat entschieden, wie die Gaswerkareal-Planung weitergehen soll.

Die Brache lebt: Der Gemeinderat hat entschieden, wie die Gaswerkareal-Planung weitergehen soll.

(Bild: Andreas Blatter)

Christoph Hämmann

In seiner zweitletzten Sitzung der Legislatur hat der Gemeinderat einen lang erwarteten und wegweisenden Entscheid gefällt: Er will das Gaswerkareal möglichst rasch von Energie Wasser Bern (EWB) kaufen und den begonnenen Entwicklungsprozess selber zu Ende führen.

Nur so ­lasse sich das Primat der Politik bei der Planung eines wichtigen städtischen Areals sicherstellen, schrieb der Gemeinderat am Donnerstag in einer Mitteilung. «Die exklusive Zusammenarbeit mit einer externen Partnerin im Entwicklungsprozess beinhaltet zu hohe politische Risiken.»

Die externe Partnerin ist Losinger Marazzi. Vor fünf Jahren engagierte die Stadttochter EWB das Bauunternehmen, unter dessen Führung danach Workshops und eine Testplanung für das Areal stattfanden. Was von der Stadtpolitik von Anfang an argwöhnisch beäugt wurde und bald eine mittlere Vorstossflut auslöste, eskalierte im Sommer 2015, als diese Zeitung publik machte, dass EWB in einer Vereinbarung Losinger Marazzi die exklusive Entwicklung und Realisierung des Areals zugesichert hatte.

Wettbewerbsgedanke

Der Gemeinderat habe sich intensiv damit auseinandergesetzt, welches Vorgehen geeignet sei, «das verfahrene Dossier» wieder auf Kurs zu bringen, sagt Gemeinderätin Ursula Wyss (SP). Weil Alexandre Schmidt (FDP) kurz vor seinem Abgang kei­ne weitreichenden Entscheide mehr vertreten will, erläuterte sie als seine Stellvertreterin den Entscheid des Gemeinderats. Schmidt habe den Kauf des Areals in der Stadtregierung beantragt und unterstütze ihn, teilte die Stadt mit.

«Am Ende sind wir klar zum Schluss gekommen, dass die Stadt die Verantwortung für das Areal übernehmen muss», sagt Wyss. «Der Gemeinderat ist insbesondere überzeugt, dass sich damit der Prozess beschleunigen lässt.» Das Vertrauen in dieses wichtige Planungsgeschäft habe durch die ungewohnte Rollenverteilung im bisherigen Prozess gelitten, so der Gemeinderat.

«Dies hat weder mit Losinger Marazzi an sich noch mit deren Reputation zu tun», sagt Wyss, «sondern allein mit der Exklusivität, mit der das Unternehmen bisher in die Planung involviert war». Dem Gemeinderat sei wichtig, dass in diesem zentralen Entwicklungsprojekt wieder der Wettbewerbsgedanke spiele.

Pikantes Detail: Bis vor einem Jahr betreute bei Losinger Marazzi Neo-Gemeinderat Alec von Graffenried (GFL) das Dossier. Er tritt Mitte Januar gegen Wyss um das Stadtpräsidium an. Wer gewinnt, wird über das Stadtplanungsamt und Hochbau Stadt Bern massgeblich an der wei­teren Gaswerkareal-Planung beteiligt sein.

Die Stadt könne auf den bisher geleisteten Arbeiten von Losinger Marazzi aufbauen, schreibt der Gemeinderat. Das Unternehmen werde adäquat entschädigt, der Gemeinderat verdanke «die wertvollen Vorarbeiten». Das Unternehmen selber wollte den Entscheid des Gemeinderats am Donnerstag nicht kommentieren.

Preis noch offen

Auf städtischer Ebene liegt der Lead für das Geschäft nun bei ­Immobilien Stadt Bern (ISB) und dessen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik. Wie bei der ­alten Kehrichtverbrennungs­anlage Warmbächli soll der Fonds mit EWB einen Kauf­vertrag abschliessen. Wenn dieser vom Volk genehmigt wird, geht das Areal an die Stadt über.

Die Höhe des dafür nötigen Kredits ist offen und hängt von der Nutzfläche ab, die im weiteren Planungsverfahren erst noch definiert werden muss. «In den Verhandlungen mit EWB werden wir den Preis für die verschiedenen Nutzungen festlegen», sagt ISB-Chef Fernand Raval.

ISB und das Stadtplanungsamt fassten vom Gemeinderat den Auftrag, bis Mitte 2017 einen Bericht zu den bisherigen Arbeiten, zum nötigen Planänderungsverfahren sowie zur Immobilien- und Entwicklungsstrategie vorzulegen. Danach soll sich das Parlament dazu äussern können.

Die GLP, die allein sieben Vorstösse zum Gaswerkareal eingereicht hat, ist erfreut über den Entscheid des Gemeinderats. Endlich nehme dieser seine Führungsrolle wahr und schaffe klare Verhältnisse.

Berner Zeitung

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