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Ganz das alte Schulhaus – neu gemacht

Auch nach der Totalsanierung gibt es im Munzinger wie früher grüne Wände und rote Türen. Ganz neu sind jedoch die Wandtafeln: überdimensionierte Computerbildschirme, die auf Berührung reagieren.

Wandtafeln der neusten Generation: Schuldirektorin Franziska Teuscher (GB) und Schulleiter Giuliano Picciati in der sanierten Schule Munzinger.
Wandtafeln der neusten Generation: Schuldirektorin Franziska Teuscher (GB) und Schulleiter Giuliano Picciati in der sanierten Schule Munzinger.
Beat Mathys

Fast alles im 90-jährigen Munzinger-Schulhaus hat der städtische Denkmalpfleger für die nächsten Schülergenerationen gerettet: die alten Fischgrat-Parkettböden in den Schulzimmern, den schwarzen Gussasphalt in den Korridoren, die roten Türen und die Glasvitrine mit dem Relief der Berner Alpen.

Am auffälligsten sind die Farben, mit denen 1917 die einstige Knabensekundarschule ursprünglich gestaltet worden ist: Je nach Stockwerk hatten die Klassenzimmer Wände in kräftigem Grün, Ocker oder Grau. Und diese sind nun in alter Frische wieder zu sehen.

Sanierung für 15 Millionen

Das meiste, was nach der 15 Millionen Franken teuren Totalsanierung des Schulhauses tatsächlich neu ist, ist kaum zu sehen oder sogar gut versteckt. Nach dem Umbau erfüllt das alte Schulhaus den Minergiestandard. Doch die Erdsonden liegen unter dem Boden, und das Lüftungssystem ist völlig unauffällig in den Wandschränken versteckt, die in jedem Schulzimmer stehen. Nur wer ganz genau hinschaut, sieht die Lüftungsgitter und -schlitze ober- und unterhalb der Schränke.

Neu, aber auch unauffällig ist die Beleuchtung. In den Zimmern hängen quadratische Leuchtplatten an der Decke. In den einst düsteren Gängen sorgen würfelförmige Lampen für Licht. Ausserdem sind die Gänge nicht mehr wie früher vom Tageslicht abgeschottet. Die meisten Klassenzimmertüren haben zwei Glasfenster erhalten. Bei den Wandtafeln haben die Stadtbehörden darauf verzichtet, den alten Charme des Schulhauses zu erhalten. Das Munzinger-Schulhaus hat Wandtafeln der neusten Generation, die es noch in keinem anderen Schulhaus in der Stadt gibt: grosse Computerbildschirme, die auf Berührung reagieren (siehe auch Kasten).

«Tolerante Lehrkräfte»

Auch modern, aber im Grunde genommen alt, ist die Skulptur des Künstlers Reto Steiner vor dem Haupteingang. Die Geschichte dahinter: Der Reliefbauer Simon Simon hatte im Dachstock des Munzingers sein Atelier. Er lagerte dort auch zwei Kopien des Berner Alpenreliefs, das er für die grosse Vitrine des Schulhauses gebaut hatte. Man fand sie, als zu Beginn der Schulhaus-Totalsanierung der Dachstock geräumt wurde. Reto Steiner nutzte die alten Reliefformen für sein neues Kunstwerk.

Saniert wurde das Schulhaus in anderthalbjähriger Bauzeit und bei laufendem Schulbetrieb. Im Gegensatz zum Rossfeld-Schulhaus bot das Munzinger den Architekten keine Überraschungen, welche die Sanierung in die Länge gezogen und die Geduld der Lehrer und Schüler über Gebühr auf die Probe gestellt hätten. Allerdings räumte Michael Althaus, Abteilungsleiter der Stadtbauten Bern ein, dass er es im Munzinger-Schulhaus mit «ausserordentlich toleranten und verständnisvollen Lehrkräften und Schülern» zu tun gehabt habe. Weil diese immer wieder Lärm, Staub und Gestank ertragen hätten, habe sich die Stadt teure Provisorien sparen können.

Im Gegenzug lobte Schulleiter Giuliano Picciati: «Wir haben fast alles bekommen, was wir uns gewünscht haben: helle Gänge, neue Schliessfächer, einen schöneren Pausenplatz und eine neue Aula in der ehemaligen Turnhalle.» Nur eines hätte er sich noch gewünscht: mehr Entlastung bei der vielen zusätzlichen Arbeit, welche die Sanierung verursacht hat.

Eröffnungsfest: Heute Freitag von 17–19 Uhr können alle Interessierten das Schulhaus besichtigen.

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