Gäbelbach: Lieber leere Läden als den falschen Mieter-Mix

Bern

Im Ladenzentrum Gäbelbach stehen Räume leer. Sie hätten vermietet werden können – doch nicht an die Wunschmieter. Die Verantwortlichen hoffen auf eine Apotheke sowie ein Schuh- oder Modegeschäft.

Im Zentrum Gäbelbach gibt es freie Ladenflächen.

Im Zentrum Gäbelbach gibt es freie Ladenflächen.

(Bild: Urs Baumann)

Sandra Rutschi

Die Hochhaussiedlungen im Westen Berns sind wie Dörfer aufgebaut. In ihrer Mitte stehen Ladenzentren, die von aussen kaum zu sehen sind. Dort findet sich oft fast alles für den Grundbedarf: Lebensmittel, Coiffeur, Restaurant, eine Apotheke. In diesen Zentren kauft vorwiegend die Quartierbevölkerung ein – und zumindest die Betriebe wie Lebensmittelhändler oder Restaurants laufen in der Regel gut. Mit der Eröffnung des Westside hat sich daran nicht viel geändert, denn die Detailhändler haben bei ihren Standorten das Westside mit einbezogen (siehe Kasten).

«Das Westside ist kein Konkurrent, sondern eine Bereicherung für die Ladenzentren. Im Westside macht man Wochenendshoppingtouren, in den Ladenzentren eher kleinere Einkäufe», sagt Walter Straub. Er ist als Verwaltungsratspräsident diverser Organisationen darum bemüht, in den Ladenzentren der Hochhaussiedlungen einen attraktiven Mix anbieten zu können.

Leere Flächen im Souterrain zu vermieten

«Das Westside bringt Leute in dieses Gebiet. Dieses wird anders wahrgenommen als zuvor», ist Straub überzeugt. Da neben dem Westside und gleich gegenüber dem Gäbelbach die Überbauung Brünnen am Entstehen ist, hat die Gäbelbach Immobilien AG das Ladenzentrum im Gäbelbach aufgerüstet. Früher war das Ladenzentrum in dieser Hochhaussiedlung im Souterrain angelegt und vom Strassenniveau aus gar nicht zu sehen – wie jenes im Fellergut. Doch gegenüber der neuen Siedlung sollte das Gäbelbachzentrum wahrgenommen werden. Straub: «Wir wollten eine Öffnung nach oben, um dem Gäbelbach eine Chance zu geben.» Obschon das Gebäude nun von der Strasse aus sichtbar ist, ist das Gäbelbachzentrum das einzige Ladenzentrum in den Hochhaussiedlungen im Westen, in dem zurzeit Räume leer stehen. «Mit der Sanierung steht auch mehr Fläche zur Verfügung», erklärt Straub. «Die Fläche, die das Zentrum zuvor hatte, ist vermietet.» Dazu gehören der Coop und das Restaurant im oberen Stockwerk. Die leer stehenden Flächen befinden sich ausschliesslich im unteren Geschoss – dort, wo die Geschäfte weiterhin nicht sichtbar sind.

Sorgenkind Gäbelbach: Bald besser signalisiert

«Wir wären froh, wenn alle Ladenflächen vermietet wären», sagt Thomas Gerber, Präsident des Gäbelbachvereins. Doch das sei nicht so einfach, denn das untere Stockwerk liegt nicht am Durchgang von Passanten. Sogar Quartierbewohner müssen nicht zwingend dort durchgehen, um zu ihren Häusern zu gelangen.

Kürzlich hat der Gäbelbachverein eine Befragung von Auswärtigen durchführen lassen. Dabei zeigte sich, dass die Orientierung im Quartier von aussen her schwierig ist. So wünschten sich die Befragten zum Beispiel Wegweiser bereits bei der Tramstation. «Wir sind seit einem Jahr dran, für den Gäbelbach ein Beschriftungskonzept zu erarbeiten», sagt Straub. Die neuen Schilder sollen im Verlauf des Frühlings montiert werden. Sie markieren die Eingänge zum Zentrum und zeigen auf, wo was zu finden ist. Die gleiche Signaletik soll später im Holenacker eingesetzt werden.

Nicht jeder ist willkommen: Der Mix muss stimmen

Doch mit einer besseren Signalisation ist das Problem im Gäbelbach nicht gelöst. Denn die Gäbelbach Immobilien AG will nicht einfach irgendjemanden als Mieter. «Uns ist ein gewisser Standard wichtig, und das Angebot soll dem Quartier dienen», betont Straub. Deshalb habe man Angebote verschiedener Interessenten abgelehnt. «Büros, Lager oder Kebabstände würden den Gäbelbach nicht weiterbringen», ist Straub überzeugt.

Philipp Aeberhard, Geschäftsführer der Gäbelbach Immobilien AG und Tscharnergut Immobilien AG, sagt: «Wenn eine Käserei auszieht, sollte dort wieder eine ähnliche Nachfolge gefunden werden. Der Mix muss stimmen.»

Eine Umfrage im Quartier zeige, dass sich die Bewohner vor allem eine Apotheke oder Drogerie wünschen. «Leider ist die Apothekendichte hier bereits sehr gross», meint Straub, «deshalb hält sich das Interesse in Grenzen.» Einen Kleider- oder Schuhladen würden sich die Verantwortlichen auch wünschen. Zwar gibt es Kleider im einen Schaufenster – doch diese Boutique ist schon seit längerem geschlossen. Das Mode- oder Schuhgeschäft müsste sich in einem Segment bewegen, das die Gäbelbach-Bewohner anspreche, räumt Straub ein. Die Jeans Factory im Tscharnergut zum Beispiel laufe gut, sagt Straub. «Doch eben – auch hier wären die Filialen dann zu nahe beieinander.» Und die aktuelle Wirtschaftslage trage auch nicht zu einer Lösung des Problems bei.

Berner Zeitung

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