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Funiciello hielt Köppel locker die Stange

Zwei grosse Klappen trafen sich in Bern zum heiteren politischen Livegefecht: Juso-Leaderin Tamara Funiciello und«Weltwoche»-Chef Roger Köppel.

Ein Wagnis: Roger Köppel legt sich mit Tamara Funiciello an.
Ein Wagnis: Roger Köppel legt sich mit Tamara Funiciello an.
Nicole Philipp

Einen Augenblick lang tönte Roger Köppel (53), als SVP-Nationalrat sowie Besitzer und Chefredaktor der «Weltwoche» im Dauerangriff, wie ein vor Stolz platzender Nachwuchstrainer. «Sie sind wirklich smart. Sie werden es weit bringen», entfuhr es ihm.

Die Feministin Tamara Funiciello (28), Präsidentin der Jungsozialisten Schweiz und Berner Stadträtin, hatte eben eine seiner rhetorischen Spitzen als hilflosen Paternalismus abgetan. Köppel, die Backen gerötet, genoss den Konter. Ihre politischen Planeten liegen weit auseinander, aber in der Giftklasse ihrer Wortwahl sind sich Köppel und Funiciello sehr nah. Mamma mia!

«Weltwoche on the road – die andere Sicht», heisst das Liveformat, mit dem Köppel gestern Abend im Berner Restaurant Zum Äusseren Stand vor fast ausverkauftem Saal gegen Funiciello antrat. Boxkenner Köppel heizte das Publikum vor Beginn an wie bei einem Schwergewichts-Fight. Als die Juso-Chefin in die Höhle des Löwen trat, brandete eingeübter Applaus auf.

Doch Tamara Funiciello, in Bern geboren und in Sardinien auf­gewachsen, blieb cool und geschmeidig. Als ihr Köppel unter die Nase rieb, eine Marx-Biografie gelesen zu haben, zitierte sie aus dem Kopf einen Schlüsselsatz auf Seite 40. Als Köppel sie fragte, warum um Gottes Willen sie eine Linke geworden sei, entgegnete sie, in ihrer Familie politisiere sie am rechten Flügel.

Als ihr Köppel vorwarf, es sei unglaubwürdig, dass sie als intelligente Aufsteigerin an den leistungsfeindlichen Sozialismus glaube, konterte sie: Der Kapitalismus mit der Diktatur von Geld und Reichtum könne doch nicht die beste aller Welten sein. Herr Köppel! Das Publikum, das ihre Voten zuerst hörbar belächelte, wurde stiller. Köppel blieb laut. Und beeindruckt. Mamma mia, Tamara Funiciello!

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