Für YB 1270 Kilometer gestrampelt

Bern

Der YB-Fan Florian Kammermann hatte wohl die beschwerlichste Anfahrt, um die Partie der Young Boys in Napoli zu verfolgen. Im Interview lässt der 37-Jährige die 1270 Kilometer lange Reise Revue passieren.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Velo fahren, essen, weiterfahren, essen, duschen, schlafen, essen und wieder aufs Rad: So sahen acht Tage von Florian Kammermann aus. Der Berner legte vergangene Woche 1270 Kilometer zurück, um den BSC Young Boys live in Napoli vor Ort zu sehen. «Es war die krasseste Tour, die ich je in meinem Leben gemacht habe», erklärt der 37-jährige YB-Fan.

Seit fünf Jahren fährt er intensiv Rennvelo, da sein Knie das Fussballspiel und Joggen nicht mehr erlaubt. Die Idee zur Fahrradtour von Bern nach Napoli kam ihm nach der Auslosung der Europa League. «Eigentlich war ich nicht fit, da ich wegen meiner Heirat wenig trainiert habe», erinnert er sich.

Pannenlos ans Ziel

Doch beim Alpenbrevet im August überquerte er vier Pässe und machte eine weitere Hauptprobe von Kloten nach Bern. Danach war der Fall klar, dass er die Strecke auf sich nehmen wollte.

Auf seiner Fahrradtour übernachtete er bei Privaten zu Hause, damit er möglichst wenig Gepäck auf seinem Rennrad mitnehmen musste. Bis Rom seien die Strassen gut beschildert und in gutem Zustand gewesen, doch danach war er froh um sein GPS und kämpfte mit Schlaglöchern. «Ein Wunder, dass ich keine einzige Panne hatte», erklärt er weiter.

Deprimierender Gegenwind

Spannend für ihn war die Veränderung von Landschaft und Leuten mitzuverfolgen. Und das Schönste des Tages sei jeweils die Dusche und das Bier am Abend gewesen. «Nach so einer Fahrt fühlt man sich sehr dreckig», sagt Kammermann. Im Schnitt legte er 160 Kilometer täglich zurück und Tag 3 war mit 200 Kilometern die längste Etappe.

Ans Aufgeben dachte er nur einmal, als er bei Civitavecchia am Meer entlang radelte und mit einem Gegenwind von 40 Stundenkilometern kämpfte. «Dort wäre ich fast auf den Zug umgestiegen, weil es so deprimierend war, wenn man nicht vorwärtskommt», sagt der ambitionierte Radfahrer.

Nächstes Projekt

Ein schönes Erlebnis hatte er kurz vor Napoli, als er mit einheimischen Radfahrern in einer Gruppe fuhr. Als diese erfuhren, dass er von der Schweiz her komme, zahlten sie ihm Kaffee und verabschiedeten sich typisch italienisch mit Küsschen auf die Wange.

Dass YB in Napoli nicht siegte, darauf meinte der YB-Abo-Besitzer nur: «Ich erwarte nichts mehr. Manchmal gewinnen sie, wenn man es nicht denkt. Und manchmal verlieren sie. Immerhin war es Napoli.» Zurück nach Bern reiste er im Zug und sein nächstes Projekt hat er auch schon vor Augen: «Kinder», sagt der frisch verheiratete Ehemann lachend.

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