Für Lärm sorgen die parkierten S-Bahn-Züge

Nicht der Lärm der Arbeiter stört: Wer an der Werkstätte in der ­Aebimatt in Bern wohnt, hört vielmehr die Geräusche der abgestellten S-Bahn-Züge.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Und immer dieses elektronische Sirren! Zäh liegt der Ton, der zwar nicht laut, aber hoch und durchdringend ist, über dem Quartier. Seit der Pendelzug auf dem Gleis gleich unter den ersten Häusern steht, ist das störende Geräusch nicht mehr zu überhören.

In den nächsten Stunden wird seine Intensität noch zunehmen – denn wenn irgendwann nach Mitternacht im nahen Bahnhof Bern der S-Bahn-Verkehr ruht, wird das Gleisfeld vor der Werkstätte Aebimatt voll sein. Mit älteren Jumbos und neueren Ninas, wie die Züge der BLS im Volksmund genannt werden, dazu reiht sich hin und wieder ein moderner doppelstöckiger Mutz in die parkierten S-Bahn-Fahrzeuge ein.

Laute Windgeräusche

Depotstrasse heisst sinnigerweise die Strasse, die leicht erhöht über Gleisfeld und Depot liegt, und Beat Wermuth heisst der Anwohner, der hier seit Jahr und Tag direkt zum Bahngelände mit seinem andauernden Betrieb sieht. «Bei offenem Fenster schlafen? Das ist nicht möglich», sagt er, der auch im Vorstand von Länggassleist und Quartierkommission tätig ist, diesmal aber als betroffener Privatmann redet.

Wobei eben der Lärm nicht aus den alten Hallen stammt, wo unübersehbar auch abends gearbeitet wird (siehe Haupttext). Nein, wiederholt Wermuth, Schuld trügen die Pendelzüge im Freien. Das elektronische Sirren, an dessen Quelle er die betriebsbereiten Wechselrichter sieht, sei nur ein Problem. «In den heissen Sommernächten werden die Pendelzüge ununterbrochen gekühlt.» Je höher die Temperaturen kletterten, umso stärker arbeiteten Klimaanlage und Ventilation. Und umso lauter seien die Windgeräusche, «gerade die Ninas erster Generation sind schlimm».

Dass sich der Pegel an diesem Abend noch in Grenzen hält, hat mit den vergleichsweise niedrigen Temperaturen zu tun, die Kühlung und Windgeräusche von vornherein überflüssig machen. Dazu regnet es leicht, und «dieses dauernde Rieseln überdeckt den übrigen Lärm ein Stück», so Wermuth. Ganz der Fachmann fährt er fort: Generell sei der Bahnlärm bei Trockenheit grösser. Das gelte gerade für das Quietschen – eben biegt ein älterer Jumbo auf das Gleisfeld ein und bremst unüberhörbar ab.

Früher war alles anders. Wermuth blickt jetzt in die 1990er-Jahre zurück, als er an die Depotstrasse zog. In der Werkstätte ­waren damals noch die SBB am Werk, und die nutzten die alten Hallen weniger für den täglichen Kleinunterhalt als vielmehr für grössere Arbeiten.

So hat es Wermuth in Erinnerung: «Eine Maschine blieb oft länger im Depot.» Wenn der Lokführer den Stromabnehmer eingezogen habe, sei das dafür so typische Zischen für Monate das letzte Geräusch geblieben. Dafür hätten die SBB direkt vor der Wohnung ihre Rangierloks mit Diesel betankt. Das habe neben Lärm auch Gestank gegeben, doch die Sache sei nach vielleicht einer halben Stunde jeweils vorbei gewesen.

BLS muss wegziehen

Wermuth hat seinen eigenen Weg gefunden, mit dem Rundum­betrieb der BLS zurechtzukommen. «Ich blende den Lärm aus», sagt er. Dennoch freut er sich auf die Zeiten, die ab Ende 2019 anbrechen sollen. Dann wird sich die BLS aus der Aebimatt verabschieden und nach einer Übergangszeit in ihre geplante neue Werkstätte ziehen, um deren Standort zurzeit so heftig gestritten wird. Die SBB als Eigentümer haben mit ihrem alten Depot nämlich andere Pläne. Wie genau diese aussehen, liess die Medienstelle gestern offen.

Draussen ist es mittlerweile ganz dunkel geworden. Über dem Gleisfeld sind die Scheinwerfer angegangen. Wenigstens sie fallen in all dem Licht, das die Stadt rundherum prägt, nicht weiter auf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 17.08.2016, 09:32 Uhr

Artikel zum Thema

Zu Besuch beim Nachbarn, den keiner haben will

Bern Die Standortsuche für eine neue BLS-Werkstätte ist in aller Munde. Aber was wird in so einer Werkstätte eigentlich genau gemacht? Wir besuchten die Aebimatt, mitten in der Stadt Bern, zu später Stunde. Mehr...

BLS-Werkstätte: Allmendingen kommt doch in die Kränze

Allmendingen Die Begleitgruppe lässt nun doch abklären, ob sich nicht auch Allmendingen für das umstrittene Projekt eignen würde. Mehr...

BLS-Werkstätte in Allmendingen kommt nicht in Frage

Allmendingen Die Landschaft ist zu schön für die BLS-Werkstätte: Mit dieser Be­gründung hat die Begleitgruppe Allmendingen als Standort verworfen. Trotzdem geht sie nun über die Bücher – auf Betreiben der Stadt Bern. Mehr...

Marktplatz

Immobilien

Kommentare

Blogs

Foodblog Uneingelöste Versprechen

Ich Tarzan, du Jane

Die Welt in Bildern

Bis die letzte Strähne sitzt: Eine Assistentin toupiert die Haare Donald Trumps in Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in Berlin. (17. Oktober 2017)
(Bild: Fabrizio Bensch) Mehr...