Für Frauen dauert das Arbeitsjahr 14 Monate

Bern

Obwohl die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau in der Bundesverfassung gesetzlich verordnet ist, sieht es damit in der Praxis schlecht aus. Deswegen finden am 7.März auch in der Stadt Bern Protestaktionen gegen die Lohndiskriminierung bei Frauen statt.

Das macht Frauen unglücklich: Erst ab dem 7. März 2013 erhalten sie denselben Lohn für gleichwertige Arbeit, den Männer schon am 31. Dezember 2012 in der Tasche hatten.

Das macht Frauen unglücklich: Erst ab dem 7. März 2013 erhalten sie denselben Lohn für gleichwertige Arbeit, den Männer schon am 31. Dezember 2012 in der Tasche hatten.

(Bild: Keystone)

Männer verdienen durchschnittlich 18,4 Prozent mehr als Frauen. Somit müssen Frauen bis am 7.März arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den Männer schon am 31.Dezember ausbezahlt bekommen. Die 16-jährige Rea Urech nahm letzte Woche zum Thema Lohndiskriminierung an einer Podiumsdiskussion in der Leichtsinn-Bar beim Kornhaus teil. «Ich schreibe eine Reportage zum Thema Lohngleichheit, damit ich mehr darüber erfahre», erzählt die Gymnasiastin.

Unerklärbar ist illegal

Barbara Ruf, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Bern, erläutert den Podiumsteilnehmenden die Situation betreffend Lohngleichheit im Kanton Bern. Am grössten sei die Lohndiskriminierung in der Finanz- und Versicherungsbranche, was Gymnasiastin Rea Urech nicht erfreut, da ihre beruflichen Ziele nach der Matur eben in dieser Branche liegen. Generell sei die Lohndifferenz zwischen Mann und Frau bei Arbeitsplätzen mit hohen Anforderungen am grössten. Erklärbare Differenzen gebe es zum Beispiel, weil Frauen aufgrund von Erwerbsunterbrüchen weniger Berufserfahrung hätten oder in höheren Positionen untervertreten seien. «Unterschiede, für die es keine objektiven Erklärungen gibt, gelten laut Gleichstellungsgesetz als Diskriminierung und sind verboten», erklärt Barbara Ruf. Markus Jordi, Mitglied der Geschäftsleitung der SBB: «Wir haben in den letzten Jahren leider auch bei uns unerklärbare Differenzen festgestellt und dagegen ganzheitliche Lösungen gesucht.» Eine Barriere seien zum Beispiel die flexiblen Arbeitszeiten bei Lokomotivführerinnen gewesen. Erfreulich sei, dass sie nun viermal so viele Lokomotivführerinnen angestellt hätten als vor gut fünf Jahren. «Ein Hauptgrund dafür ist, dass wir mehr Teilzeitstellen anbieten», erklärt Markus Jordi.

Stereotypen abbauen

Nationalrätin Regula Rytz findet, dass schon bei der Berufswahl geschlechtsspezifische Stereotypen abgebaut werden sollten. «Dazu kann die Förderung der Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern beitragen», sagt sie. Corinne Schärer, Mitglied der Geschäftsleitung Unia kritisiert, dass «viele Frauen, welche Familie haben und Teilzeit arbeiten wollen, ihre Weiterbildung selber bezahlen müssen». Umgekehrt komme bei vielen Betrieben nach wie vor nicht gut an, wenn der Mann bereit sei, Teilzeit zu arbeiten. «In kleineren Betrieben ist es eben viel schwieriger, flexible Arbeitszeiten einzuführen», sagt KMU-Direktor Christoph Erb. Regula Rytz findet es wichtig, dass die Öffentlichkeit von den guten Beispielen erfahre, aber auch von den schlechten, und nennt ein schlechtes: «Es darf nicht sein, dass in Spitälern wegen des grossen Stresses immer mehr Frauen aussteigen, die dann durch günstiger arbeitende Rumäninnen ersetzt werden», sagt Rytz.

Berner Zeitung

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