Für Bern gibts keine Evakuierungspläne

Bern

Der Kanton Bern sei für einen Notfall im Atomkraftwerk Mühleberg gut vorbereitet, sagt die Regierung. Evakuierungspläne für die Stadt Bern existieren aber noch immer nicht.

Im Falle eines Reaktorunfalles beim AKW-Mühleberg gibt es nach wie vor keinen Evakuierungsplan für die Stadt Bern.

Im Falle eines Reaktorunfalles beim AKW-Mühleberg gibt es nach wie vor keinen Evakuierungsplan für die Stadt Bern.

(Bild: Andreas Blatter)

Noch immer existiert im Kanton Bern kein Evakuierungsplan für die sogenannte Zone 2 rund um das Atomkraftwerk Mühleberg. Sie umfasst etwa die Städte Bern, Biel und Freiburg und liegt in einem Umkreis von 20 Kilometern. Nach der AKW-Katastrophe in Fukushima im Jahr 2011 wurden auch in der Schweiz Forderungen nach weitergehenden Evakuierungsplänen laut. Die Umsetzung erfolgt seither aber nur harzig.

Das soll nun im Kanton Bern – drei Jahre vor der Abschaltung des Kraftwerks Mühleberg – noch nachgeholt werden. Der Regierungsrat gab dem kantonalen Führungsorgan den Auftrag, bis Ende des nächsten Jahres ein Konzept zur vorsorglichen Evakuierung von Teilen dieser Zone 2 im Falle eines AKW-Unfalls zu erarbeiten. Als Planungsgrösse soll das Führungsorgan von 30'000 betroffenen Einwohnern ausgehen.

Bern wird nicht evakuiert

In der gesamten Zone 2 leben aber eine halbe Million Menschen. Trotzdem findet Polizeidirektor Hans-Jürg Käser (FDP) nicht, dass das in Auftrag gegebene Konzept zu kleinräumig sei. «Wir verfolgen eine Politik der kleinen, aber realistischen Schritte», sagt Käser. Eine Evakuierung der Grossregion Bern Ende zwangsläufig in einem Chaos. Deshalb sei das momentan nicht vorgesehen. Existiere aber wenigstens ein Plan, um 30'000 Personen wegzubringen, sei man schon einen bedeutenden Schritt weiter als heute.

Im Falle eines Unfalls ist auch nicht zwingend die gesamte Zone betroffen. Die Strahlung hängt von der Windrichtung und dem Regen ab. Zudem wird eine Evakuierung der gesamten Zone 2 gemäss Käser vom Bund gar nicht verlangt. Nichtsdestotrotz beteiligt sich der Kanton an einem Projekt des Bundes, das sich genau damit befasst. Bis Mitte 2017 sollen Fragen geklärt werden im Zusammenhang mit einer kompletten Evakuierung der Zone 2.

Es geht etwa darum, wie Spitäler und Heime evakuiert oder wie der öffentliche Verkehr gewährleistet werden kann. Sobald diese Fragen geklärt seien und «eine praktikable Umsetzung» möglich erscheine, werde der Kanton die konkrete Evakuierungsplanung der gesamten Zone 2 angehen, so Käser.

Gesamtübung im 2017

Wichtige Erkenntnisse erhofft sich Käser auch von einer Notfallübung im September 2017. Ziel ist es, die Warnungs- und Alarmierungsabläufe der Behörden, die Information der Bevölkerung und die Evakuierung der Zone 1 rund um das AKW Mühleberg zu testen. Diese engere Zone umfasst das Gebiet in einem Umkreis von rund drei Kilometern.

Im Rahmen der Vorbereitung finden Schulungen für die Gemeinden, Führungsorgane und Einsatzkräfte statt. Zudem würden erstmals einzelne Spitäler in die Übung einbezogen. «Die Erkenntnisse werden anschliessend in die Planung der vorsorglichen Evakuierung der Zone 2 einfliessen», sagt Käser.

Gesamthaft ist der Regierungsrat der Meinung, dass der Kanton Bern alle Bundesvorgaben erfülle und einen «sehr guten Stand» der Vorbereitungen im Falle eines AKW-Unfalls aufweise.

mab

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