Frust in der BLS-Begleitgruppe

Grossrat Ulrich Stähli nimmt kein Blatt mehr vor den Mund: Er bezeichnet die Begleitgruppe, in deren Rahmen er mithalf, das Werkstättenprojekt kritisch zu überprüfen, ungeschminkt als Feigenblatt.

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Er sieht sich hinters Licht geführt. Sagt, dass sein Engagement und das seiner Mitstreiter in Tat und Wahrheit nur «ein Feigenblatt» gewesen sei: Ulrich Stähli, BDP-Grossrat, Bauer und Kulturlandschützer aus Köniz, ist hörbar verärgert über die Wende, die der Streit um die neue Werk­stätte der BLS genommen hat.

Zur Erinnerung: Ursprünglich wollte die BLS die Anlage, die ­in erster Linie den laufenden Un­ter­halt der Berner S-Bahn-Züge sicherstellen soll, auf der grünen Wiese zwischen Buech und Riedbach im Westen Berns bauen. Als die Kritik immer heftiger wurde, setzte die Bahn eine Begleitgruppe ein, in der Anwohner, Politiker und Naturschützer das Projekt unter die Lupe nehmen sollten.

Doch auch sie konnten nicht viel bewegen: Als die Arbeit nach gut einem Jahr zu Ende war, rutschte die Werkstätte einfach ein Stück weiter nach Westen – ins noch ländlichere Gebiet Chliforst. Weil es keine Alternative gebe.

Brüskiert, verraten

Das jedenfalls glaubten bis vor Wochenfrist alle. Dann liessen die SBB die Bombe platzen: Wenn sich die BLS zur Zusammenarbeit im Fernverkehr bewegen lasse, sei auch im Unterhalt eine elegante Lösung möglich. In einer Kooperation stünden bestehende SBB-Anlagen zur Verfügung, der Neubau der BLS werde damit überflüssig.

Wie bitte? Ulrich Stähli macht mit einem Blick zurück auf seine Zeit in der Begleitgruppe seinem Missmut nochmals Luft, und er ist überzeugt, dass es ihm nicht allein so ergeht. Während Tagen seien 50 Leute zusammengesessen, erinnert er sich. Man habe hin und her diskutiert und mehrfach gefragt, ob eine Annäherung der BLS an die SBB wirklich nicht die Alternative zur Werkstätte sein könne. Und immer habe es geheissen: Nein, eine solche Partnerschaft sei nicht möglich und bringe letztlich auch nichts.

Wie anders tönte diese Woche SBB-Sprecher Reto Schärli, als er den plötzlichen Wandel begründen musste: Die vorgeschlagene Kooperation spiele Kapazitäten auf den Gleisen frei, die der BLS den Zugang zu den SBB-Anlagen ermöglichten.

«Genau das», erwidert Stähli, «hätte man uns doch schon damals sagen können». Aber eben, «wir waren nur ein Spielball im Machtgerangel zweier Bahnen». Als Teil der Begleitgruppe fühle er sich verraten, gerade auch als Kulturlandschützer: Er habe seinen Leuten stets nur schwer erklären können, wieso das Projekt trotz allem auf die grüne Wiese zu stehen kommen solle. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.08.2017, 09:53 Uhr

Enttäuscht: Ulrich Stähli fühlt sich verschaukelt. (Bild: Urs Baumann)

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