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Frischer Saft für die Publibikes

Seit 23 Tagen stehen rund 700 Publibikes an 70 Stationen ­zur Ausleihe bereit – Tendenz steigend. Zur Hälfte besteht die Flotte aus E-Bikes. Wie kommen diese Velos zu neuen Akkus?

Stefan Hänni sorgt bei Publibike für volle Akkus in den E-Bikes.
Stefan Hänni sorgt bei Publibike für volle Akkus in den E-Bikes.
Nicole Philipp
'Pro Tag müssen wir bei rund 30 E-Bikes die Akkus austauschen', meint Betriebsleiter Tim Basler.
'Pro Tag müssen wir bei rund 30 E-Bikes die Akkus austauschen', meint Betriebsleiter Tim Basler.
Nicole Philipp
Schwachstelle entdeckt: Bei sechs Publibike-Fahrrädern gab es einen Defekt mit dem Kettenschutz aus Kunststoff.
Schwachstelle entdeckt: Bei sechs Publibike-Fahrrädern gab es einen Defekt mit dem Kettenschutz aus Kunststoff.
Jürg Spori
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Man könnte meinen, dass in Bern die grosse Mehrheit ein eigenes Velo hat. Und man könnte ­deshalb meinen, dass die neuen Publibikes überflüssig sind. Willkommen beim Konjunktiv. Zwar stimmt es, dass Bern eine Velo­stadt ist.

Das scheint die vornehmlich Einheimischen nicht davon abzuhalten, regelmässig mit den kleinrädrigen Velos durch Bern zu pedalen – selbst wenn der eigene Drahtesel vor dem Haus stehen würde.

Dass ein Bedürfnis vorhanden ist, zeigen die Zahlen: An Spitzentagen wurden 1000 Ausleihungen registriert. Ende Juni startete man mit rund 700 Bikes an 70 Stationen. Die Standorte werden laufend ausgebaut. Das Ziel: 200 Stationen mit rund 2400 Velos bis in zwei Jahren. Schon heute besteht die Hälfte der Flotte aus E-Bikes mit einer Unterstützung bis zu 25 km/h.

Im Moment sind die ­E-Bikes beliebter als die normalen Velos. Insgesamt entscheiden sich rund 70 Prozent der Kunden bei der Ausleihe für ein E-Bike. Ob nun mehr E-Bikes angeschafft werden, lässt Bruno Rohner, Chef von Publibike, gegenüber dem «Bund» offen.

Man wolle den Trend im Auge ­behalten und zunächst abwarten, bis das Netz komplett sei. Rohner gibt zu Bedenken, dass ein grösserer Anteil an E-Bikes auch höhere Betriebskosten nach sich ziehe.

Wenig Bikes von A nach B

Zuständig für den Betrieb der ­Publibikes in Bern ist das Kompetenzzentrum Arbeit mit seinen acht Mitarbeitern im Bereich ­Veloverleihsystem. Ein Team aus rund 25 Arbeitslosen und Asyl­bewerbern verschiebt per Lieferwagen oder selbst konstruiertem Elektrovelo die ­E-Bikes von einer zur anderen Station.

«Es ist erstaunlich, wie wenig wir Velos von A nach B verschieben müssen», sagt Tim Basler, Betriebsleiter Veloverleihsystem Bern beim Kompetenzzentrum Arbeit. Wenig überraschend müssen vor allem Velos von Stationen, die in der unteren Altstadt liegen, «nach oben» transportiert ­werden.

Die Leute würden halt lieber abwärts, statt aufwärts ­fahren, sagt Basler. Bis jetzt gibt es noch keine Station im Marzili. Wenn diese installiert ist, dürfte es dort sicher viele Bikes haben, vermutet er.

Unter 15 Prozent ist Schluss

Der Betrieb laufe reibungslos, berichtet Tim Basler, «wir haben ­alles unter Kontrolle». Auch die Postauto AG, welche Publibike betreibt, zieht nach 23 Tagen eine positive Bilanz (siehe Kasten). Kunden berichten aber, dass es bei E-Bikes dann und wann ­passieren könne, dass man nach dem Entsperren nur wenige ­Meter weit kommt – und dann die Elektro-Unterstützung den Geist aufgibt, weil der Akku leer ist.

«Das sollte nicht passieren», sagt Tim Basler. Pro Tag müssen bei rund 30 E-Bikes die Batterien ­gewechselt werden. Nach dem Wochenende sind es bis zu 80. Der sogenannte Schwellenwert sei bei den E-Bikes so eingestellt, dass man sie nicht mehr entsperren kann, wenn die Batterie unter 15 Prozent geladen ist, sagt ­Basler.

Mit dieser Akkuladung käme man nicht mehr weit. Er räumt ein, dass man den Schwellenwert auch verändern könnte. Was es allerdings nicht gibt, ist eine Akku-Anzeige auf den Bikes. Wer ein Bike ausleihen möchte, weiss somit nicht, wie weit er oder sie damit fahren kann.

Schrankweise Akkus

Anders in der Zentrale in der Lorraine. Hier können die Verantwortlichen in einer App jederzeit sehen, welche E-Bikes an welcher Station einen neuen Akku brauchen.

Stefan Hänni ist Praktikant beim Veloverleih. Wenn er für die Akku-Tour eingeteilt wird, muss er quer durch die Stadt fahren und bei den E-Bikes die leeren Akkus mit voll aufgeladenen Batterien ersetzen. Auf einem Tablet oder einem Smartphone sieht er, wohin er mit dem Kyburz, so heissen die Elektrotöffli, hinfahren muss.

Zuvor füllt er Kisten mit jeweils 15 Akkus, die in grossen Schränken aufgeladen werden. 32 Kilogramm wiegt eine vollbeladene Akkukiste, die er mit dem Töffli nun gekonnt in die Länggasse fährt.

In der ganzen Stadt «on Tour»

«Mir gefällt die Akku-Tour», sagt Hänni. So könne er draussen sein und habe Kontakt mit den Menschen. «Die Leute sind sehr interessiert. Es ist schön, wenn ich ­ihnen über Publibike Auskunft geben kann», sagt der 26-jährige Schwarzenburger. An der Mittelstrasse muss er nur bei einem ­Bike den Akku auswechseln.

Die Handgriffe sitzen. Zuerst gilt es, einen Strichcode zu scannen und den Zustand der Batterie zu ­prüfen. Danach muss Hänni den Stecker ziehen, das Akkufach ­öffnen, den alten Akku rausnehmen, mit einem vollen ersetzen und schliesslich den Stecker ­wieder montieren.

Danach prüft er routinemässig auch die Akkus der anderen E-Bikes an der ­Station. Es folgen weitere Stopps, auf dieser Tour unter anderem in der Bundesgasse, Spitalgasse und an der Helvetiastrasse. An der Tellstrasse rüstet er zwei weitere ­E-Bikes mit neuen Batterien aus.

Via Wylerstrasse gehts dann ­zurück in die Zentrale in der Lorraine. Als grösste Herausforderung bezeichnet Stefan Hänni den Stadtverkehr. «Trotzdem fägt der Job sehr.» Er sagts und verschwindet bereits auf die nächste Tour.

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