«Freue mich auf die Rumäninnen»

Damit die Kunstturn-EM in Bern reibungslos über die Bühne geht, stehen über 600 ­freiwillige Helfer im Einsatz – unter ihnen Monika Rauch. Am Samstag wurden sie in der Postfinance-Arena geschult.

Volontärin Monika Rauch wird in der Postfinance-Arena auf ihren Einsatz an der Kunstturn-EM vorbereitet.

Volontärin Monika Rauch wird in der Postfinance-Arena auf ihren Einsatz an der Kunstturn-EM vorbereitet.

(Bild: Iris Andermatt)

Sibylle Hartmann@sibelhartmann

Postfinance-Arena, Samstagmorgen: Die Eisfläche, wo der SCB vor knapp zwei Wochen gebührend seinen Meistertitel feierte, ist zwar abgetaut, der Beton jedoch ist noch nass. Der Tisch und die beiden Lautsprecher mitten auf dem Spielfeld wirken etwas verloren in der grossen Arena. Genauso die rund 400 Personen, die in Sektor A und B Platz genommen haben. Das sind sie aber keineswegs – im Gegenteil.

«Seid ihr alle wach? Seid ihr motiviert?», tönt es aus den Lautsprechern. Die Fragen werden mit einem lauten Ja quittiert. Schliesslich sind sie alle freiwillig hier, die Volontäre, die tatkräftig dabei mithelfen, dass in dieser Arena bald wieder Sportgeschichte geschrieben wird. Kunstturnsportgeschichte diesmal. Um zu erfahren, was sie zwischen dem 25. Mai und dem 5. Juni an der Kunstturn-EM genau machen müssen, sind sie alle in die Post­finance-Arena gekommen.

EM-Tanz wird einstudiert

Nach der Vorstellungsrunde des OK und allgemeinen Informationen zum Anlass steht jedoch erst einmal Sport auf dem Programm. Der EM-Tanz zum EM-Song der Tessiner Band Sinplus für den Kick-off-Event auf dem Bundesplatz vom 12. Mai wird erlernt. Kein Problem für die meisten Volontäre, sind doch viele unter ­ihnen ehemalige Kunstturner.

Zwei Tanzlehrerinnen der New Dance Academy Bern studieren mit den Volontären den EM Tanz ein. Video: Sibylle Hartmann

So auch Monika Rauch aus Rapperswil bei Bern. Mit 6 Jahren wurde sie von ihrem Vater und Gründer des Kunstturnvereins BTV Bern zum ersten Mal in die Halle mitgenommen. Nachdem sie sagenhafte 21 Jahre lang Wettkämpfe bestritten hatte, wechselte sie die Seite und trainiert noch heute dreimal die Woche den Nachwuchs des BTV.

«Als ich erfahren habe, dass die EM nach Bern kommt, habe ich meiner Familie und dem Chef sofort mitgeteilt, dass ich da mithelfen werde.» Das Verständnis für ihr Vorhaben war ihr seitens der Familie natürlich gewiss – und das ihres Chefs zum Glück auch. Nach dem Tanz folgt ein weiterer Informationsblock. Die Einrichtung der Arena wird gezeigt und alle Geräte kurz erklärt. «Wenn man schon selber Wettkämpfe organisiert hat, ist vieles davon selbsterklärend», so Rauch. Und als in der Fragerunde jemand das Benotungssystem anspricht, entweicht ihr ein «Uuuh, das kann dauern».

Während die Noten­gebung kurz umrissen wird, ist Rauch sowieso abgelenkt. Eine ihrer Trainerkolleginnen hat gerade eine SMS aus Basel erhalten, wo der Wettkampf ihrer Schützlinge beginnt. Ihr Bruder und ebenfalls Trainer wird nach der Schulung sofort dorthin eilen. Sie selber ist am Sonntag im Einsatz.

Keine Zeit zum Zuschauen

Nach einem Teller Spaghetti bolognese werden die Volontäre je nach Einsatzgebiet in Gruppen geschult. Rauch hat die drei Prioritäten medizinische Versorgung, Wettkampfplatz und Delegationsbetreuung angegeben. «Da ich an der Uni an der Medizinischen Fakultät arbeite, wäre ich gerne bei der Dopingkontrolle dabei gewesen», so die 47-Jährige. Aber auch mit der zugeteilten Delegationsbetreuung ist sie zufrieden. So nahe an den Sportlern zu sein, sei auch etwas ganz Besonderes. «Am meisten freue ich mich auf die Rumäninnen, obwohl diese nicht mehr so gut sind wie in den 90ern.»

Als den Delegationsbetreuern der Standort ihres Arbeitsplatzes gezeigt wird, jubelt die zweifache Mutter. «Man sieht auf die Geräte.» Je nachdem wird sie an den sechs Abenden, an denen sie im Einsatz steht, jedoch kaum Zeit haben, den Wettkampf zu verfolgen. So sind die Volontäre am Informationsstand für jegliche Anliegen der Delegationen zuständig. Sei es, jemand zum Zahnarzt zu begleiten, eine Stadtführung für eine ganze Delegation zu machen oder einen Athleten für eine Autogrammstunde zu organisieren. Und dabei immer schön lächeln, werden sie angewiesen. Auch wenn jemand seinen Frust über einen misslungenen Wettkampf als Erstes an ihnen auslasse. «Das kann ich», sagt Rauch und strahlt übers ganze Gesicht.

Berner Zeitung

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