Frau Roboter lernt sprechen

Kann eine Maschine den Menschen ersetzen? Diese und viele andere Fragen beantwortet der neue Stadtrundgang Kosmos Kommunikation.

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Sheila Matti

Reto Boschung ist nicht amüsiert. Kein Wunder: Nicht nur, dass der langjährige Rundgangleiter künftig durch eine Maschine ersetzt werden soll, diese scheint auch nicht richtig zu funktionieren.

Algori heisst der humanoide Roboter, der direkt aus Bangladesh importiert wurde. Gehen und sprechen kann er zwar bereits, die menschliche Kommunikation muss er aber erst lernen.

Während des neuen Stadtrundgangs Kosmos Kommunikation des Vereins Stattland ist es die Aufgabe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Algori die verschiedenen Aspekte der zwischenmenschlichen Interaktion beizubringen. Beim Rundgang werden einerseits verschiedene Spiele durchgeführt und andererseits die Kernpunkte der Berner Kommunikationsgeschichte besichtigt.

Dabei zeigt sich Algori – gespielt von einer durchaus menschlichen Schauspielerin – stets wissbegierig: Er rennt um Säulen herum, verfolgt Fahrradfahrer, setzt sich neben Passanten und imitiert die Mimik und die Gestik der Menschen.

Von Deutsch zu Mandarin

Dank Algoris Rumgealbere gestaltet sich der Rundgang lustig und lehrreich zugleich. Unter anderem erfahren die Teilnehmer, dass direkt unter der Bundes­terrasse die alte eidgenössische Telegraphenwerkstätte liegt, dass die erste Telefonleitung der Schweiz zwischen dem Münster und der Polizeiwache verlief – um Feuer schneller zu erkennen und zu melden – und dass das Denkmal, das mitten auf der Kleinen Schanze steht, auf über 800 Briefmarken abgebildet ist.

Der Rundgang führt vom neuen Post-Parc aus über die Bundesterrasse sowie die Kirchenfeldbrücke und endet schliesslich vor dem Museum für Kommunikation. Während des etwa 90-minütigen Spaziergangs entwickelt sich Algori stetig weiter; spätestens, als er sich mit dem mobilen Internet verbunden hat, kann Algori auch Boschungs Sätze beenden und dessen Ansprachen sogar gänzlich übernehmen.

Doch die Technik aus Bangladesh birgt ihre Tücken: Irgendwann geht Algori dazu über, die Daten der Teilnehmer abzurufen und deren Geheimnisse auszuplaudern – natürlich ist auch dies nur Schauspiel. Und schliesslich spinnt auch noch Algoris Sprachausgabe: Der Roboter wechselt von Deutsch auf Mandarin.

Spätestens beim letzten Halt des Spaziergangs, dem Welttelegraphendenkmal auf dem Helvetiaplatz, ist klar: Algori kann Reto Boschung als Rundgangleiter wohl kaum ersetzen. Dafür ist die zwischenmenschliche Kommunikation schlicht zu kompliziert.

Nächster Rundgang: Samstag und Sonntag um 14 Uhr. Treffpunkt ist vor der Poststelle Post-Parc. Der Preis für einen Erwachsenen beträgt 25 Franken. Alle weiteren Daten sind unter www.stattland.ch ersichtlich.

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