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Formel E: Rennboliden am Berner Umwelttag

BernIn Bern findet am 22. Juni 2019 erstmals ein Formel-E-Rennen statt – ausgerechnet an jenem Datum, an dem der städtische Umwelttag geplant ist. Die Veranstaltung bringt die rot-grüne Bundesstadt in eine ­ideologische Zwickmühle.

<b>Auf die Plätze, fertig, los!</b> Formel-E-Boliden werden nächsten Juni erstmals in Bern starten. Das passt in der rot-grünen Bundesstadt nicht allen in den Kram.

Auf die Plätze, fertig, los! Formel-E-Boliden werden nächsten Juni erstmals in Bern starten. Das passt in der rot-grünen Bundesstadt nicht allen in den Kram. Bild: Handout (Getty)

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Die ganz grosse Überraschung ist es nicht mehr, ein grosser Coup allemal: Die Stadt Bern wird nächstes Jahr am 22. Juni ein Formel-E­-Rennen austragen. Der Gemeinderat habe für den Grossanlass die Bewilligung erteilt, wie er am Freitagmorgen vermeldete. Am Abend folgte die ­offizielle Bestätigung durch den Internationalen Automobilverband (FIA).

Die Anzeichen, dass nächstes Jahr in Bern erstmals elektrisch betriebene Rennwagen ihre Runden drehen, verdichteten sich in den letzten Wochen. Denn Anfang Oktober gab Lugano – der andere Anwärter – bekannt, auf eine Kandidatur für die Austragung eines Rennens zu verzichten. Damit war die Bundesstadt quasi in der Poleposition.

Grossanlass zum Nulltarif

Der Gemeinderat sieht das ­Formel-E-Rennen «als Chance für die Stadt Bern, sich einem grossen Publikum als moderne und attraktive Stadt im Herzen Europas zu präsentieren», wie er in der Mitteilung schreibt. Und Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause spricht euphorisch von einem «Glückstreffer» für die Bundesstadt.

Was der Gemeinderat ebenfalls gerne vermeldet: Die Stadt Bern muss keinen finanziellen Beitrag an den Swiss E-Prix 2019 oder an dessen Rahmen­programm leisten. Die anfallenden städtischen und kantonalen Gebühren ­müssen ebenfalls vollumfänglich von der Veranstalterin, der Swiss ­E-Prix Operations AG, übernommen werden. Auch den Aufwand für Sicherheitsvorkehrungen und Anpassungen im Bereich Tiefbau kann die Stadt der Veranstalterin verrechnen.

Ein Grossanlass mit internationaler Ausstrahlung zum Nulltarif – das ist nicht etwa auf eine besonders ausgeklügelte Verhandlungstaktik des Berner ­Gemeinderates zurückzuführen, sondern Standard. Auch in ­Zürich, wo ­diesen Sommer die Formel E ihre Premiere feierte, übernahm die Veranstalterin sämtliche Kosten von insgesamt 1,3 Millionen Franken. Am stärksten zu Buche schlug ­dabei die Verkehrsregelung.

Strecke am Montag bekannt

Was am Freitag von offizieller Seite noch offenblieb, ist die Streckenführung. Darüber wollen Gemeinderat und Veranstalterin erst am Montag informieren. «Der Bund» vermeldet am Samstag jedoch, die rund 2,5 bis 3 Kilometer lange Strecke solle durch die Schosshalde führen und zwar über den Aargauerstalden und den Muristalden via Schosshaldenstrasse und Laubeggstrasse um den Rosengarten herum.

«Ich bin begeistert, dass wir eine Leistungsschau über alternative Antriebssysteme erleben dürfen.»Reto Nause, Sicherheitsdirektor

Das Rennen wird massive Einschränkungen für den Verkehr zur Folge haben. Laut Gemeinderat konnte in einer Vereinbarung mit der Veranstalterin jedoch festgehalten werden, dass die Erreichbarkeit der einzelnen Quartierteile gewährleistet sein müsse.

Das rot-grüne Dilemma

Ein Autorennen im rot-grünen Bern – eine delikate Angelegenheit. Kein Wunder also, betont der Gemeinderat in seinen Verlautbarungen stets den «grünen ­Anstrich» des Anlasses. Mit dem Rennen und dem Rahmenprogramm würden die Elektromobilität und neue Technologien ­gefördert, unterstreicht er. Und Reto Nause meint: «Ich bin begeistert, dass wir eine Leistungsschau über alternative Antriebssysteme erleben dürfen.»

Für das Grüne Bündnis (GB) sind das alles Schönfärbereien. Die Partei hatte sich gegenüber dem Gemeinderat schon in der Vergangenheit als Spielverderberin in Position gebracht. Am Freitag tat sie zusammen mit dem VCS der Region Bern ihren ­Unmut erneut kund. Autorennen seien auch mit ­Elektroantrieb nicht zeitgemäss.

Die Stadt sei schliesslich Lebensraum und ­keine Rennstrecke. ­Reto Nause widerspricht dem GB: «Es ist mehr als bloss ein Autorennen», sagt der CVP­-Magistrat. Er ­erwartet kein typisches Motorsportpublikum. Das habe das Rennen in Zürich gezeigt, wo unter den rund 150'000 Zuschauern auch viele Familien zugegen waren.

Ein weiterer Kritikpunkt des Grünen Bündnisses: Bei einem Formel-E­-Rennen könne vor dem Hintergrund einer angestrebten 2000-Watt-Gesellschaft kaum von sinnvoller Energie­nutzung gesprochen werden.

Wie eine schlechte Pointe muss für die Grünen deshalb anmuten, dass der Renntag just auf den Berner Umwelttag fällt. Laut Reto Nause war dies dem Gemeinderat nicht bewusst.

Das zuständige Amt für Umwelt und die Quartiervereine müssen folglich nochmals über die Bücher, ob sie am Datum festhalten wollen. Für den Sicherheitsdirektor ist ­jedoch klar: «Diese zwei Anlässe würden perfekt zusammen­passen.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.10.2018, 20:33 Uhr

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