Formel E: «Innerhalb der SP gibt es keinen Streit um das Rennen»

Edith Siegenthaler, Co-Präsidentin der SP Stadt Bern, räumt ein, dass es beim Formel-E-Rennen Meinungsunterschiede zwischen den SP-Gemeinderäten und der Partei gab. Ein Streit sei aber nicht ausgebrochen.

Edith Siegenthaler.

Edith Siegenthaler.

(Bild: PD)

Die SP-Gemeinderätin Ursula Wyss verteidigt im «Bund» die Durchführung eines Formel-E-Rennens. Die SP indes kritisiert den Anlass scharf. Geht ein Graben durch die Partei?
Edith Siegenthaler: Wir haben das Geschäft mit unseren Gemeinderäten vorbesprochen. Die Diskussion hat gezeigt, dass es Punkte gibt, bei denen wir uns einig sind, und solche, bei denen wir es nicht sind.

Wo ist man sich einig und wo nicht?
Einig waren wir uns im Punkt, dass die Stadt für einen solchen Anlass kein Geld ausgeben soll. Doch im Gegensatz zum Gemeinderat sind wir zum Schluss gekommen, dass die Einschränkungen im öffentlichen Raum zu gross sind, um einen solchen Anlass durchzuführen.

Stört es Sie, dass mindestens eines Ihrer Parteimitglieder in der Regierung nicht auf die Meinung der Partei gehört hat?
Wir tauschen uns regelmässig mit den Gemeinderäten unserer Partei aus. Trotzdem kann es vorkommen, dass wir nicht die gleiche Meinung haben.

Nun versuchen Sie, den Streit herunterzuspielen.
Ein Streit ist das nicht. Es ist eine Meinungsverschiedenheit, wie es sie immer wieder mal geben kann. Es ist aber nichts Grundsätzliches vorgefallen, das uns von unseren Gemeinderäten trennen würde.

Aber in Ihrer Medienmitteilung haben Sie ungewöhnlich scharfe Worte gewählt.
Wir finden es effektiv schade, dass der Gemeinderat sich so entschieden hat und das betroffene Quartier vor vollendete Tatsachen stellt.

Ursula Wyss argumentiert, dass es bei der Elektromobilität eine technische Entwicklung brauche, die rasch vorangehe. Wieso ist denn Ihre Partei gegen ein solches Rennen?
Ein solcher Anlass führt zu Tausenden von Lastwagenfahrten. Zudem führt er zu Lärm und Einschränkungen für die Quartierbevölkerung. Uns leuchtet zudem nicht ein, welchen Beitrag ein Autorennen dazu leisten soll, dass sich die Elektromobilität entwickelt.

Ein Rennen mit Elektroautos führt dem Publikum vor Augen, wie gut Elektroautos heute schon sind.
Wichtig ist doch vor allem, dass Elektroautos alltagstauglich sind. Dagegen ist unerheblich, ob sie für Rennen taugen. Schliesslich werden die wenigsten Leute künftig ein Formel-E-Auto fahren.

Dieses Beispiel zeigt erneut: Die SP ist eine Partei der Spassbremsen.
Die SP ist gegenüber Grossanlässen kritisch eingestellt. Denn Grossanlässe führen für die Bevölkerung zu grossen Einschränkungen. Strassen müssen gesperrt werden, und die Quartierbevölkerung kommt nicht mehr ins Quartier. Für die Betroffenen ist der Spass an einem solchen Anlass beschränkt. Für Bern gibt es besser geeignete Anlässe mittlerer Grösse.

Bern ist die Hauptstadt der Schweiz. Steht es einer Hauptstadt nicht gut an, einen solchen Anlass mit einer weltweiten Ausstrahlung durchzuführen?
Ich fühle mich in erster Linie der Stadtbevölkerung verpflichtet. Deshalb finde ich es wichtig, dass diese auch von einem solchen Anlass profitieren kann. Doch ein E-Grand-Prix bringt der Stadtbevölkerung zu wenig. Bern hat dieses Autorennen nicht nötig.

Sie haben Gemeinderat Reto Nause scharf kritisiert, weil er gesagt hat, dass Bern das Formel-E-Rennen auch in den Folgejahren durchführen will. Wieso?
Ich finde es einen Affront, wenn Reto Nause von einer Durchführung in den Folgejahren spricht, bevor die Stadt Erfahrungen mit der ersten Austragung gesammelt hat. Damit stösst Reto Nause vor allem die betroffene Quartierbevölkerung vor den Kopf.

Nun findet das Rennen im nächsten Jahr statt. Werden Sie am 22. Juni 2019 als Zuschauerin dabei sein?
Autorennen interessieren mich nicht besonders. Ich denke, dass ich dann die Stadt eher meiden werde.

Doch als Mitglied des Stadtrats sollten Sie sich doch ein Bild vom Anlass machen.
Das könnte tatsächlich ein Grund sein, mir die Sache anzuschauen.

Eine Idee wäre, das Rennen im Rahmen eines Fraktionsausflugs der SP zu besuchen.
(lacht) Das ist ein kreativer Vorschlag. Ich möchte der Fraktion nicht vorgreifen, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie eher Lust auf ein anderes Programm hat.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt