Formel E: Die Fehler von Zürich sollen sich in Bern nicht wiederholen

Bern

Kürzere Bauarbeiten und mehr Information: Die E-Prix-Veranstalter wollen in Bern einiges besser machen als in Zürich.

Die Formel E führt mitten durchs Quartier – in Zürich 2018 (Bild) wie in Bern im nächsten Jahr.

Die Formel E führt mitten durchs Quartier – in Zürich 2018 (Bild) wie in Bern im nächsten Jahr.

(Bild: Keystone)

Markus Ehinger@ehiBE

Den 10. Juni 2018 vergisst ein achtjähriger Bub aus dem Engequartier in Zürich nicht so schnell. Während des ersten Formel-E-Rennens der Schweiz, das durch sein Quartier führte, verkaufte er an einem Stand Limonade. «Mein Sohn hat sich eine goldene Nase verdient», sagte dessen Mutter am Tag danach gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Es gab zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner, die Freude hatten am Grossanlass vor ihrer Haustür. Allerdings formierte sich auch Widerstand. Das Komitee «Formel E ade» sammelte rund 2500 Unterschriften gegen einen erneuten E-Prix. Und tatsächlich erteilte die Zürcher Stadtregierung für 2019 eine Absage. Nicht wegen der Petition, sondern weil schon zu viele andere grosse Events, etwa das alle drei Jahre stattfindende Züri-Fest, anstehen.

Lange Bauarbeiten in Zürich

Dass der Event nicht mehr vor ihrer Haustür, sondern in Bern stattfinden soll, freut die Vertreterin des Komitees «Formel E ade». Sie möchte, wie schon gegenüber Zürcher Medien, nicht namentlich genannt werden, geizt aber nicht mit Kritik an den Veranstaltern. Gestört fühlte sie sich vor allem durch die Auf- und Abbauarbeiten.

«Die Arbeiten dauerten über zwei Monate. Das war heftig – und eigentlich das Hauptproblem», sagt sie. Diese Kritik kontert Stephan Oehen, Sprecher der Swiss E-Prix Operations AG, welche die Rennen in der Schweiz organisiert. Es sei nicht so lange ohne Unterbruch gebaut werden, sagt Oehen. Tagesbaustellen zum Umbau von Fussgängerinseln hätten kaum zu Einschränkungen geführt.

«Das Aufstellen von Betonelementen mit den Metallzäunen konnte schrittweise umgesetzt werden. Tribünen und Boxenstrasse sowie andere temporäre Bauten wurden erst in den letzten zwei Wochen vor dem Rennen montiert.»

Keine Nacht-Baustellen

Oehen räumt aber ein, dass in Zürich die Erhöhung eines Strassenabschnitts um einige Zentimeter sicherlich eine grosse Belastung für die direkte Anwohnerschaft war, «zumal wir aufgrund der Vorgaben der Stadt in der Nacht bauen mussten, damit am Morgen darauf der Verkehr wieder ungehindert über den Abschnitt rollen konnte», erklärt Oehen. Genau dies wird in Bern nicht passieren.

«Weder werden Strassen verbreitert, noch wird in der Nacht gebaut werden», betont er. An der Medienorientierung vor neun Tagen sagte Pascal Derron, CEO der Swiss E-Prix Operations AG, dass die Infrastruktur in Bern – anders als in Zürich – ideal sei. Es seien in Bern kaum grössere bauliche Massnahmen nötig.

«Das ist ein Fortschritt», sagt die Formel-E-Gegnerin aus Zürich. Auch dass es keine überdimensionierte Boxengasse mehr geben soll, findet sie gut. Trotzdem bleibt sie dabei: «Ein Formel-E-Rennen gehört nicht in eine Stadt.» Das sehen auch Zürcher Vertreter der SP und der Grünen – genau wie ihre Parteikollegen in Bern – so (siehe Kasten).

Bessere Informationspolitik

Einen weiteren Kritikpunkt betrifft die Informationspolitik der Veranstalter. «Die Kommunikation war eine Katastrophe, hoffentlich haben die Organisatoren diesbezüglich etwas dazugelernt», findet die Vertreterin des Komitees gegen Formel-E-Rennen in Zürich deutliche Worte. Es sei richtig, dass nicht alle Informationen überall im Quartier angekommen seien, sagt Oehen. Trotz Flyern, Informationstafeln und der breiten Medienberichterstattung.

«Darum haben wir in Bern zum Beispiel bereits am Tag der offiziellen Präsentation des Streckenverlaufs die Anwohner aus erster Hand informiert.» Aus Zürich hätten alle ihre Schlüsse gezogen, um noch besser zu informieren. Tatsächlich flatterte am letzten Samstag bereits der zweite Infoflyer in die Briefkästen des Obstbergquartiers. Es macht den Anschein, dass es sich die Organisatoren mit den Bernerinnen und Bernern nicht verscherzen wollen.

So betont Oehen auch, dass man sich direkt bei den Veranstaltern melden soll, wenn etwa an diesem Wochenende ein besonderes Bedürfnis bestehe. «Wir versuchen, den Anlass für die Quartierbevölkerung möglichst problemlos über die Bühne zu bringen.»

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