«Fondükscha» fährt durch Berns Innenstadt

Bern

Das Fondue-Tram, das in der Winterzeit durch Berns Innenstadt rollt, ist bereits ausgebucht. Bern Tourismus und Rikschataxi bieten nun eine Alternative dazu: das «Fondükscha». Bernerzeitung.ch/Newsnetz hat das Angebot getestet.

  • loading indicator
Claudia Salzmann@C_L_A

Der Rikschafahrer Sohan Lal ist heute auch Kellner. Er bittet seine Fahrgäste Platz auf dem mit flauschigem Fell ausgekleideten Rikschabank Platz zu nehmen. Dann bereitet er eine Wolldecke auf den Beinen aus und montiert den extra fabrizierten Tisch.

Darauf befinden sich Vertiefungen für Rechaud, Teller, Weinglas, Teebecher und Kirschfläschchen. Über uns baumelt eine rot-weiss-karierte Stofftasche mit dem Brot. Alles muss stabil sein, denn die Rikscha wird während dem Fondueessen in Bewegung sein. Nach drei Minuten ist alles installiert und der Käse dampft vor unseren Gesichern.

Heisser Käse

Die Fahrt startet vor dem Restaurant Lötschberg in der Zeughausgasse, wo auch die Fonduemischung zubereitet wurde. Die Angst, dass der Käse über das Caquelon schwappt, erweist sich als ungerechtfertigt. Auch weil der erste Abschnitt der Tour nicht über Pflastersteine, sondern via Bärenplatz zum Bundesplatz führt. Die grössere Herausforderung ist es, zu essen ohne sich mit Käse voll zu kleckern. Das haben wir nicht geschafft.

Die Rikscha alleine ist schon auffällig, doch die Fondüschka erregt noch mehr Aufmerksamkeit: Zuerst beäugen die Passanten das Gefährt und sobald sie realisieren, was die Fahrgäste hinter dem Tischkonstrukt machen, lachen sie: «So eine gute Idee», «schau mal, Mama», «e Guete» bekommen wir zu hören.

Während wir im Käse rühren, beliefert uns unser Fahrer mit Fakten zum Bundesplatz. Trotz Wind und Herbsttemperaturen – und auch dank der Wolldecke und dem Genfer Weisswein – ist es uns wohlig warm. Auch der Käse bleibt bis am Schluss warm und gut in der Konsistenz.

Nur die Touristen schauen nicht

Die Fahrt geht weiter über die Kirchenfeldbrücke, wo sich der Fahrer zu einem kalorienreichen Bissen einladen lässt. Der gebürtige Inder erinnert sich an sein allererstes Fondue: «Ich wollte es um keinen Preis essen.» Nun möge er es und habe mit seiner Familie heuer schon die Saison gestartet.

Nach einer halben Stunde ist das Fondue halb leer und die Bäuche bereits voll. Gemächlich fahren wir retour in die Innenstadt. In der Marktgasse, deren Pflästerung seit der Sanierung praktisch rüttelfrei ist, dreht sich fast jeder Passant um. Nur: Die Touristen wissen wohl nicht, was wir hier tun.

Nach einem Umweg über den Bahnhofsplatz endet die Tour dort, wo sie begann, in der Zeughausgasse. Träge und voll gegessen schälen wir uns aus der Rikscha. Schön wäre es, eine weitere Stunde mit der Rikscha mitzufahren und dabei einen Verdauungsschlaf zu halten.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt