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Flucht aus Mühleberg

Was passiert, wenn es im AKW Mühleberg zu einer Störung kommt? ­Ein solches Szenario spielt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit den kantonalen ­Behörden durch.

«Wir würden die Menschen auffordern, die Gefahrenzone selbstständig zu verlassen.»
«Wir würden die Menschen auffordern, die Gefahrenzone selbstständig zu verlassen.»
Kurt Münger

Langsam rollt das voll besetzte Postauto auf den Parkplatz. Es bremst ab, und nach einem kurzen Moment gehen die Türen auf. Verunsichert wagen sich die ersten Passagiere ins Freie. Junge Männer in Zivilschutzkleidung gehen auf sie zu. «Steigen Sie aus, und kommen Sie mit», ruft einer der Männer.

Die Gruppe setzt sich in Bewegung. Die Zivilschützer helfen älteren Menschen, Rollstuhlfahrern oder Sehbehinderten aus dem Bus. «Alleinreisende zu mir, Familien bitte links warten», erklärt ein anderer.

Nicht unmittelbar gefährdet

Bei den Angereisten handelt es sich um Figuranten der sogenannten Gesamtnotfallübung 2017. Jedes zweite Jahr führt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) eine solche Übung durch, um das Verhalten nach einem atomaren Störfall zu trainieren.

Gemeinsam mit den verantwortlichen kantonalen Behörden wird diesmal ein Störfall im AKW Mühleberg durchgespielt. Das Szenario: Die Mitarbeiter des AKW haben frühmorgens einen Störfall bemerkt. Es wird befürchtet, dass radioaktives Material austreten könnte. Die Sirenen gehen los.

Die Figuranten spielen die Anwohner der Zone eins. Dazu gehören die unmittelbar betroffenen Gemeinden wie Mühleberg oder Wileroltigen. Sie finden sich in der Zivilschutzanlage Pöschen in Schwarzenburg ein – so wie es die Betroffenen auch im Ernstfall tun würden. Die Anlage liegt in der Gefahrenzone zwei und ist damit nicht unmittelbar gefährdet. «Der Wind dreht normalerweise nicht in diese Richtung», erklärt Olivier Andres, zuständiger Stabschef beim Kanton.

Mittlerweile sind die schauspielernden Evakuierten mit Taschen und Rollkoffern auf dem Weg ins Innere der Zivilschutzanlage. Jeder verkörpert seine Rolle – als Franzose, der kein Deutsch versteht, als mühsame Hundebesitzerin, die sich um ihr Tier sorgt, oder als Querulant, der die Zivilschützer nervös macht.

«Wo bringen sie uns hin? Was passiert hier?», fragt einer der ­Figuranten. Man bekomme keine Informationen, beklagt er sich lautstark. «Hier sind Sie in Sicherheit», beschwichtigt der Zivilschützer. «Das hat man uns im Bus auch schon gesagt», erwidert der Evakuierte wütend.

In einem Ernstfall käme er nicht nach Schwarzenburg, sagt ein anderer Figurant. «Ich würde mir meine Familie schnappen und mit dem Auto Richtung ­Süden fahren.» Tatsächlich: «Wir würden die Menschen auffordern, die Gefahrenzone selbstständig zu verlassen», sagt Kurt Münger vom Babs. «Wir können aber niemanden zwingen, sein Haus zu verlassen.»

Die Behörden stellen lediglich sicher, dass ältere Menschen Hilfe bekommen. Sie regeln zudem den Verkehr. Wer kein eigenes Auto hat, kann den öffentlichen Verkehr nutzen. Dieser steht für eine Evakuierung gemäss Konzept zur Verfügung. «Wie die Chauffeure reagieren im Ernstfall, können wir jedoch nicht mit Sicherheit sagen.»

Auch andere Szenarien

Chauffeure sind auch bei der Übung dabei. «Ein mulmiges Gefühl hätte ich im Ernstfall wohl schon», sagt der Mann in Postautouniform. Sich vor der Verantwortung drücken, käme für ihn aber nicht infrage. «Die Zivilschützer müssten auch arbeiten. Gleiches gilt für Polizei, Feuerwehr und viele andere. Da würde ich auch arbeiten.»

Die Übung dauert drei Tage. Dabei wird nicht nur die Evakuierung der Zone eins geprobt, auch die Spitäler testen ihre Konzepte. «In einem anderen Szenario wird zudem im kleinen Kreis eine allfällige Evakuierung der Stadt Bern durchdacht.» Im Gegensatz zum dünn besiedelten Gebiet in der Zone eins eine viel grössere Herausforderung – für sie gibt es bis jetzt noch kein richtiges Konzept.

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