Florian Hostettler muss präzis fräsen

Der 18-jährige Polymechaniker aus Schwarzenburg ist überzeugt von seinem Job. Vor Publikum zu arbeiten, mache ihn «schon etwas nervös».

Polymechaniker Florian Hostettler aus Schwarzenburg freut sich auf das Wettkampferlebnis.

Polymechaniker Florian Hostettler aus Schwarzenburg freut sich auf das Wettkampferlebnis. Bild: Raphael Moser

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Die Schutzbrille sitzt, das Metallstück ist eingespannt und die Bohrmaschine eingestellt. Polymechaniker Florian Hostettler kann mit seiner Arbeit starten. Langsam und konzentriert beginnt er das erste Loch zu bohren. Anschliessend kontrolliert er, ob die Maschine richtig eingestellt ist. «Ja, es passt», sagt er lächelnd und fährt mit dem zweiten Loch weiter.

Bohren und Fräsen gehört zu den Alltagsarbeiten von Florian Hostettler. Der Polymechaniker in Ausbildung misst sich diese Woche an den Swiss Skills mit den besten Schweizern seines Fachs. Seine Chancen auf den Sieg schätzt er als mittelmässig ein. Ein Podestplatz wäre für ihn ein Erfolgserlebnis.

Er weiss aber auch, dass er es als Letzter der Qualifikation nicht einfach haben wird gegen die starke Konkurrenz. Die Herausforderung der Swiss Skills besteht für ihn vor allem darin, dass er nicht alltägliche Arbeiten wie das Verdrahten oder das Verschrauben erledigen muss.

Auf Umwegen zur Lehrstelle

Dank einer Themenwoche in der Schule interessierte ihn zuerst der Job des Automatikers. Während des Schnupperns entdeckte er allerdings einen anderen Beruf: Polymechaniker. Im August 2015 startete er seine Ausbildung bei Gilgen Door Systems in Schwarzenburg. Nun befindet er sich bereits im vierten und somit letzten Lehrjahr.

Nach wie vor ist er überzeugt, dass er sich für den richtigen Beruf entschieden hat. Seit Anfang August arbeitet er in der Lehrlingswerkstatt der Gilgen Door Systems und bereitet sich auf die Swiss Skills vor. Dabei repetiert er Teilprüfungen, welche im zweiten Lehrjahr anfielen, und erledigt viele Übungs- und Musteraufträge. Zudem vertieft er die Aufgaben, welche er für die Qualifikation der Swiss Skills absolvieren musste.

«Besonders gerne mache ich Arbeiten wie das Fräsen und Drehen», sagt er. Weniger gerne ist er am Bohren, da es immer die gleiche Arbeit erfordert und so fast keine Abwechslung herrscht. Sein Ausbildungsverantwortlicher Niklaus Gilgen hat schon die Vorgänger von Florian Hostettler für die Swiss Skills angemeldet.

Eines Tages kam er auf den 18-Jährigen zu und fragte ihn, ob er auch Lust habe, sich einmal in der Qualifikation zu versuchen. Ganz nach dem Motto «Bringt es nichts, schadet es nichts», sagt er. Es hat aber etwas gebracht, nämlich die Teilnahme an den diesjährigen Swiss Skills in Bern.

Nervosität trotz Vorfreude

«Ich bin schon etwas nervös, da ich noch nie vor Zuschauern meine Arbeit ausgeführt habe», gibt Hostettler zu. Hinzu komme der Zeitdruck, welcher an seinem Arbeitsplatz zwar auch zu seinem Alltag gehöre, aber bei den Swiss Skills besonders im Vordergrund stehe. «Aber ich freue mich auch, da dieser Anlass ein einmaliges Erlebnis für mich ist», sagt er überzeugt.

Wettkämpfe mag er eigentlich nicht wirklich. Ihm geht es nicht um den Sieg. Er will logischerweise sein Bestes geben, «es ist aber auch nicht schlimm, wenn es nicht aufs Podest reicht», meint er bescheiden. Hostettler will sich mit den anderen messen und sehen, wie gut er im Vergleich zur Konkurrenz ist.

Der Schwarzenburger setzt sich seine Ziele nicht langfristig. Er will vor allem an den Swiss Skills gut abschneiden und im nächsten Sommer seine Lehre erfolgreich abschliessen. Danach will er als Polymechaniker weiterarbeiten, bis er in die Rekrutenschule einrücken muss. «Anschliessend nehme ich es, wie es kommt», sagt er.

Er selber war bereits zweimal als Zuschauer an den Swiss Skills. «Die Berufsmeisterschaften bilden eine gute Werbeplattform für die Berufe, so habe auch ich in der Sekundarschule gemerkt, dass Polymechaniker der richtige Beruf für mich ist.»

Florian Hostettler tritt in der Kategorie Polymechaniker Automation an. Heute wird er seinen Arbeitsplatz kennen lernen. Den ersten Wettkampf bestreitet er morgen. Danach ist er bis Samstag jeden Tag im Einsatz. Am Samstagabend findet die Rangverkündigung statt. Nach dem Wettkampf möchte er sagen können: «Ja, es hat gepasst.»

(Berner Zeitung)

Erstellt: 11.09.2018, 09:37 Uhr

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