Für von Graffenried gehören Fernbusse zum ÖV

Bern

Das Fernbusunternehmen Flixbus wächst rapide. Nach eigenen Angaben auch in der Stadt Bern. Hier benutzen die Busse den Carterminal Neufeld. Doch dieser genügt den modernen Anforderungen nicht mehr.

Das Car-Terminal bei Neufeld sei «nicht zeitgemäss» kritisiert das Unternehmen Flixbus, welches hier Halt macht.

Das Car-Terminal bei Neufeld sei «nicht zeitgemäss» kritisiert das Unternehmen Flixbus, welches hier Halt macht.

Ralph Heiniger

Letztes Jahr beförderte Flixbus in der Schweiz über eine Million Fahrgäste. So steht es in der Medienmitteilung des Fernbusunternehmens. In Bern habe sich die Passagierzahl 2016 verdreifacht. Allerdings: Absolute Zahlen für Bern gibt das Unternehmen nicht preis.

Von Bern aus fährt Flixbus zum Beispiel nach München, Frankfurt, Freiburg, Lyon und Karlsruhe. In diesem Jahr soll unter anderem die internationale Anbindung nach Italien und Österreich ausgebaut werden, wie Flixbus mitteilt.

Der Fahrgastzuwachs in Bern zeige, dass Fernbusse bei Einwohnern und Gästen der Stadt sehr beliebt seien, so Flixbus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein. «Die aktuelle Lage und die Ausstattung des Fernbushaltepunkts Carplatz Neufeld wird dem nicht gerecht und ist für den internationalen Fernlinienverkehr nicht zeit­gemäss.»

Der Carterminal Neufeld wird seit Jahren von Politikern, Interessenverbänden oder Benutzern kritisiert. Eigentümerin des Carterminals Neufeld ist die Autoeinstellhalle Waisenhausplatz AG (Awag), Mehrheitsaktionärin der Awag ist die Stadt Bern, Präsident der Awag ist Alt-Stadtpräsident Alexander Tschäppät. Bei der nächsten Generalversammlung der Awag wird Tschäppät durch seinen Nachfolger Alec von Graffenried (GFL) ersetzt.

Der neue Stadtpräsident zeigt sich von der Erfolgsmeldung von Flixbus nicht überrascht. «Fernbusverbindungen boomen», so Alec von Graffenried. Es handle sich dabei um eine Form von öffentlichem Verkehr, die in der Schweiz bis anhin noch nicht so bekannt war. «Deshalb ist die Infra­struktur im Carterminal Neufeld – wie in anderen Schweizer Städten auch – heute ungenügend. Man kann nicht bestreiten, dass dort Handlungsbedarf besteht.» Das Problem sei allerdings die Finanzierung. Der Gemeinderat habe noch nicht entschieden, ob die Stadt selber ­investieren will oder ob auch die Busunternehmen zur Kasse gebeten werden sollen. «Dieser Entscheid steht nun an», sagt der Stadtpräsident.

«Die Infra­struktur im Carterminal Neufeld ist heute ungenügend.»Alec von GraffenriedStadtpräsident

Per Fernbus zum Bahnhof?

Doch Flixbus-Chef Schwämmlein kritisiert nicht nur den Zustand des Carterminals Neufeld, sondern auch den Standort. Schwämmlein möchte mit den Bussen offenbar ins Zentrum fahren: «Ein Fernbushaltepunkt im Stadtzentrum wäre für die Berner ein echter Gewinn.»

Der Terminal liegt direkt an der Autobahn und ist mit dem Bus ans ÖV-Netz angeschlossen. «Doch der Standort könnte noch besser sein», sagt auch von Graffenried. «Viele Fahrgäste wollen umsteigen auf das regionale oder Fernverkehrsnetz. Daher wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, wenn die Passagiere direkt am Bahnhof aussteigen könnten.» Ob dafür ein Standort zu finden sei, könne er nicht sagen, so der Stadt­präsident.

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