Fischen für die Forschung

Der Bielersee ist der letzte See des Kantons, der im Rahmen des «Project Lac» auf die Vielfalt und Häufigkeit der darin lebenden Fischarten untersucht worden ist. Das Projekt soll Vergleiche zwischen allen Schweizer Seen ermöglichen.

See mit hoher Biomasse: Trotz kritischem Sauerstoffgehalt des Bielersees fing das Befischungsteam noch in 60 Metern Tiefe Fische.

See mit hoher Biomasse: Trotz kritischem Sauerstoffgehalt des Bielersees fing das Befischungsteam noch in 60 Metern Tiefe Fische. Bild: Pascal Vonlanthen/zvg

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Vier Nächte und fünf Tage lang wurde der Bielersee genaustens unter die Lupe genommen. Oder besser gesagt seine Bewohner: 14 Personen fingen Fische aus dem ganzen See. Nicht etwa, um diese dann zu verspeisen, sondern um mehr über die Fischarten im See herauszufinden.

Das «Project Lac» ist ein gesamtschweizerisches Projekt, an dem viele Büros sowie die Kantone und das Bundesamt für Umwelt mitwirken. Der Kanton Bern hat den Auftrag, seine Fischbestände zu beobachten und den Zusammenhang von Umwelteinflüssen und gefährdeten Fischarten zu untersuchen. Das internationale Forschungsteam untersuchte bisher über 20 Schweizer Seen. Neben der Vielfalt wollen Forscher jeweils auch die Häufigkeit und das Gesamtgewicht der Fische im See herausfinden. Als letztes grosses Gewässer des Kantons war im September der Bielersee an der Reihe.

Es ist das erste Mal, dass der Fischbestand des Bielersees mit einer standardisierten Methode erfasst wird. «Natürlich gibt es historische Quellen, deshalb gab es keine grossen Überraschungen», sagt Projektkoordinator Pascal Vonlanthen. Dass der Bielersee ein sehr artenreiches Gewässer ist, habe man schon vorher gewusst.

Mit dieser ersten standardisierten Fischartenerfassung wird aber bekannt, wie häufig die einzelnen Arten sind; und zwar auch jene, die von Fischern normalerweise nicht gefangen werden. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die Arten in Zukunft zu ver­gleichen.

Vergleiche zwischen den Seen

Auch zwischen den Seen können Vergleiche gezogen werden. So ergeben sich mehr Informationen darüber, warum es in einem See mehr Fische einer Art hat als in einem anderen See. Mit solchen Erkenntnissen lässt sich dann der Fischbestand eines Sees mit Umweltdaten in Verbindung setzen. «Faktoren für verschiedene Fischarten in unterschiedlichen Seen sind Temperatur, Seefläche und Tiefe sowie Nährstoffe», sagt Timothy Alexander von der Abteilung Fischökologie und Evolution der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag).

Bielersee hat hohe Biomasse

Die Erforschung der Fischbestände in den Seen ist wichtig, um Störfaktoren für den Lebensraum der Fische zu ermitteln. Eigentlich sollten die Statistiken aufzeigen, welche Fischarten bedroht sind und geschützt werden müssen. Bis jetzt musste dafür auf Statistiken der Fischfänge zurückgegriffen werden, die aber nur einen Teil der Fische im See repräsentieren, wie Timothy ­Alexander sagt.

Die Anzahl gefangener Fische aus dem Bielersee für die standardisierte Inventur wird noch gezählt. Auch die Fischarten sind noch nicht bis ins letzte Detail aufgelistet. Die Resultate aus der Untersuchung des Bielersees werden im Frühling veröffentlicht. «Klar ist, dass der Bielersee eine hohe Biomasse, also ein hohes Gewicht an Fischen hat», sagt Vonlanthen. Viele Barsche seien ins Netz gegangen. Ausserdem habe das Befischungsteam trotz prekären Sauerstoffbedingungen sogar in über 60 Metern Tiefe Fische gefangen.

Viele kranke Egli

Mit roten Bojen markiert wurden Netze mit verschiedenen Maschenweiten im Wasser verankert. Sowohl in der Nähe des Seeufers wie auch in der Mitte des Bielersees wurden sie platziert. Damit die gefischten Tiere auch die wahre Seebevölkerung repräsentieren, musste das Team viel Aufwand betreiben. «Wir wissen genau, wo und wie viele Netze wie lange im Wasser waren, um möglichst alle Wohnräume der Fische und viele Arten abzudecken», sagt Vonlanthen. Die räumliche Verteilung der Befischung verlief nach Zufallsprinzip. Es wurden aber alle Tiefen mehrfach befischt.

Was für Anwohner des Sees und insbesondere für Fischer aus der Gegend nichts Neues sein mag, hat den Experten Timothy Alexander überrascht: «Nur im Bielersee und im Neuenburgersee hatten so viele Egli die Schwarzfleckenkrankheit». Die Fische haben am ganzen Leib schwarze Punkte, die sie als Reaktion auf einen Parasiten entwickeln. Der Fisch darf trotzdem ohne Bedenken verzehrt werden.

Von den gefischten Arten aus dem Bielersee werden je mindestens 30 Tiere für das Naturhistorische Museum in Bern präpariert. Die Referenzsammlung in Bern dient zukünftigen Forschungsprojekten, beispielsweise um festzustellen, wie sich Fischarten im Laufe der Zeit verändern. Auch an die Eawag gehen für diese Zwecke Exemplare.

Ein Bericht, der Ergebnisse des Vergleichs zwischen den Seen aufzeigt, wird voraussichtlich Ende 2018 publiziert. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.10.2017, 10:50 Uhr

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