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Feuerwehrkaserne als zweite Heimat

Für Feuerwehrleute gibts keinen Feierabend: Sie schlafen, essen und unterhalten sich in der Kaserne. Daniel Christen gibt Einblick in seinen Brufsalltag. Eine Reportage über Sirenen und Autowracks – inklusive Fehlalarm.

Neun Uhr, Kaffeepause in der Feuerwehrkaserne im Berner Nordquartier. Eine ganz normale Cafeteria: Zwei moderne Kaffeemaschinen, Holztische, Zeitungen. Die Sitzgelegenheiten erinnern an Kinosessel.

Die Anwesenden reden über die vergangene Miss-Schweiz-Wahl, den Brand im Eurotunnel, Alltägliches. Doch plötzlich ist der Teufel los. Das Alarmlicht geht an und etliche Diensttelefone schrillen gleichzeitig. «Der Tankwagen!» tönt es über die Lautsprecher. Hektik, alles rennt weg.

In Minutenfrist sitzen die Feuerwehrleute im Tanklöschfahrzeug, das mit heulenden Sirenen auf die Viktoriastrasse einbiegt. An den Ampeln herrscht «grüne Welle», in den Kurven ist das Tempo spürbar. Vor einem Handwerksbetrieb kommt das Fahrzeug zum Stehen. Die Umgebung scheint ruhig, die Luft riecht sauber. Ein klassischer Fehlalarm. «Unser Lehrling hat in der Werkstatt die Motorfeile benutzt», erklärt der Betriebsinhaber.

«Die empfindlichen Sensoren des Brandmelders haben auf den feinen Holzstaub reagiert.» Der vergebliche Einsatz wird verrechnet – das war früher nicht der Fall. Wichtig ist deshalb der korrekte Umgang mit den Alarmanlagen: Gibt die Anlage an, muss der Eigentümer den Alarm quittieren. Wenn er dies unterlässt, lässt die Feuerwehreinsatzleitzentrale das Alarmhorn schrillen. Und erteilt den Ausrückbefehl.

Brände und verirrte Katzen

«Brände machen nur noch 9-16 Prozent unserer Arbeit aus», sagt der 38-jährige Feuerwehr-Gefreite Daniel Christen. Die heutige Feuerwehr muss dank moderner Bauweise und dem vorbeugenden Brandschutz immer seltener jene Aufgabe wahrnehmen, die ihr einmal den Namen gab. Zugenommen haben im Gegenzug die technischen Hilfeleistungen: Bergung eingeklemmter Leute aus Autowracks oder Maschinen, Befreiung aus blockierten Liften oder Einsätze bei Gleitschirm- und Kletterunfällen in Zusammenarbeit mit der Rega. Ob Wasserschäden, Gasalarme, einzufangende Insekten im Sommer oder Prävention von Schneeschäden im Winter, zu jedem Punkt nennt Christen eine Unterkategorie. Und die Tiere? «Ja, wenn es nur die Katze wäre», sagt Christen lachend. Da gäbe es Kühe und Pferde in Jauchegruben, eingeklemmte Eber, abgestürzte «Munis» oder eben jene Ente auf dem Parkhausdach. «Wir haben die Jungen eingefangen und mit einem Käfig abgeseilt. So konnte die Mutter immer mitfliegen», erzählt Christen. Da sei Tierpsychologie gefragt gewesen.

Ein andermal war es eher Toleranz. «Während der Euro mussten wir beschädigte Schaufenster verschalen und ausgeschiedenes Bier wegspritzen.»

24 Stunden im Dienst

Dienst von 7 bis 17 Uhr und dann ein Feierabendbierchen als Einstimmung auf das Wochenende? Weit gefehlt. «Wir haben einen 24-Stunden-Dienst. Die Kaserne ist unser zweites Zuhause.» Sechs Betten gibts pro Zimmer, maximal drei davon sind pro Tag besetzt. An der einen Wand hängt ein Foto vom Skiausflug mit der Freundin. An der anderen ein uniformierter Berner Bär («Best Firefighter in Town»).

Auf einen Dienst folgt eine ebenso lange Freizeit, nach drei Diensttagen erhalten die Feuerwehrmänner drei Freitage in Serie. Wie stehts mit dem Privatleben? «Mit dem Hockeytraining musste ich zurückstecken, dafür haben wir jetzt hier einen eigenen Sportclub», sagt Christen. «Zudem geniesse ich es, mich einfach mal an einem Montag um 10 Uhr fast alleine im Kleiderladen bedienen zu lassen».

Trotzdem, wieso dieser gefährliche Beruf? Daniel Christen nennt die Vielseitigkeit und Kameradschaft. Das schönste aber seien «die beruhigten Gesichter der Leute, wenn wir eine Wohnung retten konnten und die Flammen besiegt haben».

Selbst ist die Feuerwehr

50 Rappen für den Kaffee – das ist selbst für eine Betriebskantine halb gratis. «Weil wir die Maschinen selber warten.» Das Selbermachen hat System. In der Kaserne befinden sich unter anderem eine Schreinerei, eine Elektro- und Metallwerkstatt, eine Autogarage und eine Sattlerei.

«Früher wurden sogar unsere Stiefel hier hergestellt», erzählt Christen. Spezialteile fertigen, Messgeräte reparieren, Einsatzfahrzeuge warten und lackieren – alles geschieht vor Ort und durch Fachkräfte. Die Feuerwehrmänner haben eine handwerkliche Lehre im Lebenslauf. Von gedehntem Warten auf Einsätze und Däumchen drehen kann keine Rede sein. Vielmehr wartet die Werkstatt oder für Daniel Christen die Schule. Der Gefreite arbeitet neben seinem Einsatzdienst auch als Ausbildner in den kaserneneigenen Schulungsräumen.

Und wie sind die Schüler so? Keine verbotenen Experimente mit den Sprungkissen? Die Antwort wird jäh von einem heftigen Schrillen unterbrochen. Die Lautsprecher verkünden einen automatischen Brandalarm in einer Einstellhalle. Daniel Christen rennt los in Richtung Tanklöschfahrzeug.

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