Feuer und Flamme fürs Essen

Riedbach

Bei Chris Bay und Monika Di Muro aus Riedbach dreht sich ­alles ums Essen. Die beiden Quereinsteiger kochen mit Leidenschaft über dem offenen Feuer – der Name Chillfood ist dabei Programm.

Über den Feuertöpfen bereiten Monika Di Muro und Chris Bay Pasta mit Tomatensauce und Prodo für einen Safranrisotto zu.<p class='credit'>(Bild: Urs Baumann)</p>

Über den Feuertöpfen bereiten Monika Di Muro und Chris Bay Pasta mit Tomatensauce und Prodo für einen Safranrisotto zu.

(Bild: Urs Baumann)

Es riecht nach Feuer. Feuer, gemischt mit Tomaten, Knoblauch und Olivenöl. Chris Bay steht in seiner schwarzen Kochschürze über dem Wok und rührt die duftende Masse um. Von seiner Stirn perlt ein Schweisstropfen. Es ist heiss unter den beiden schwarzen Pavillons, die neben einer blühenden Wiese stehen. Die Wärme stammt aber nicht von der Sonne, sondern von den acht schwarzen, zurechtgesägten Fässern mit Toneinsatz – den sogenannten Feuertöpfen. «Kalt haben wir nie», scherzt der 55-Jährige, während er in einem Topf Kohle nachfüllt.

Chris Bay und seine Partnerin Monika Di Muro frieren auch dann nicht, wenn sie im Winter ihre Feuerküche mitten im Schnee aufstellen. Die beiden Inhaber des Unternehmens Chillfood kochen immerzu und überall: auf den Dächern Venedigs, im Botanischen Garten, mitten im Wald oder unter einer Brücke – Grenzen kennen sie nur, wenn sie sich diese selbst setzen. Auf den Tisch kommen beispielsweise nur frische, meist regionale und saisonale Produkte. Jene Tomaten etwa, die Chris Bay mit für die wohl riechende Pastasauce verwendet, stammen aus Salavaux im Kanton Waadt.

Kochen als Entspannung

Obwohl sie heute für eine Gruppe von immerhin 25 Leuten kochen, bleiben Bay und Di Muro ruhig; mit den Gästen wird gescherzt und geplaudert, und wer besonders interessiert ist, erhält auch den einen oder anderen Kochtipp. Von Stress ist bei den beiden «Chillern» nichts zu merken. «Kochen entspannt uns», verrät Monika Di Muro und sagt, dass sie auch nach grösseren Anlässen – sie kochten schon für Gruppen mit über 300 Personen – noch selbst zu Hause für sich kochen würden. «Dadurch lassen wir den Tag noch einmal Revue passieren», ergänzt ihr Partner.

Im Leben der beiden Riedbacher dreht sich anscheinend alles ums Essen. Das Paar lernte sich sogar wegen eines Nahrungsmittels kennen: Die Bümplizerin arbeitete als Verkäuferin an einem Olivenstand auf dem Solothurner Märet, und der dort wohnhafte Bay war ihr liebster Stammkunde. «Mein Kühlschrank war schon übervoll mit Oliven, bevor ich den Mut fand, sie auf einen Kaffee einzuladen», sagt er und schmunzelt.

Zurück zum Grundgeschmack

Die Leidenschaft des Paars spiegelt sich auch in deren Zuhause wieder: Es besitzt in Riedbach ein eigenes Kochatelier, in dem regelmässig Koch- und Gewürzkurse stattfinden. Die Wände des Ateliers sind voll mit den unterschiedlichsten Gewürzen – alle in einem separaten Behälter, fein säuberlich auf Deutsch und Lateinisch beschriftet. Und draussen pflegt Monika Di Muro einen grossen Kräutergarten.

Trotz dieser Vielfalt lautet die Devise bei Chillfood: Weniger ist mehr. «Heute geht es immer um mehr: mehr Zutaten, mehr Technik, mehr Innovation. Wir gehen genau in die entgegengesetzte Richtung und reduzieren das Kochen wieder auf den Grundgeschmack», erklärt Chris Bay. Entsprechend wird die Pastasauce auch nur mit Salz, Pfeffer, etwas Petersilie und einem Hauch Zitrone verfeinert – übrigens ein selbst kreiertes Rezept des Paars. Solche besitzen Bay und Di Muro viele: Ein ganzer Stapel steht in ihrem Atelier (Beispiel siehe ­Kasten).

Ausprobieren und Entdecken

Oft werden Bay und Di Muro gefragt, ob sie denn das Handwerk des Kochs erlernt hätten. Ihre Standardantwort: «Feuerkoch kann man nicht lernen.» Hakt man weiter nach, erfährt man auch die ausgiebige Version ihres Werdegangs: Chris Bay hat in Zürich an der ETH Maschineningenieur studiert und anschliessend verschiedene Betriebe geleitet. Monika Di Muro ist ausgebildete Katechetin. Die Quereinsteiger erklären: «Das meiste haben wir uns selbst beigebracht – durch Ausprobieren, Experimentieren und Entdecken.»

Um möglichst viele Erfahrungen und Eindrücke zu sammeln, begibt sich das Paar mindestens einmal pro Jahr auf eine Genussreise in ein fernes Land. «Dann kochen wir mit den Einheimischen, natürlich an ungewöhnlichen Orten und über dem offenen Feuer.» Egal, wohin Chris Bay und Monika Di Muro gehen – den Geruch von Feuer nehmen sie mit sich.

Weitere Infos: www.chillfood.ch.

Berner Zeitung

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