Felsenhausfrau trifft Firmenchef

Im Sensegraben hat diese Zeitung zum Gespräch geladen. Psychotherapeutin Marianne Hellweger Schneider und Firmenchef Jakob Gilgen sprechen über ihre Lebenswelten und kommen zu interessanten Einsichten.

Am Feuer, aber draussen: Marianne Hellweger und Jakob Gilgen begegnen sich auf dem offenen Platz beim Felsenhaus an der Sense.

Am Feuer, aber draussen: Marianne Hellweger und Jakob Gilgen begegnen sich auf dem offenen Platz beim Felsenhaus an der Sense.

(Bild: Susanne Keller)

Es ist ein Ort mitten in der Natur. Unten rauscht die Sense, rundum stehen Büsche und Bäume. An der Sandsteinfluh klebt das Felsenhaus, wie ein Adlerhorst in den Steilhang gebaut. Nur wenige Hundert Meter von den Höfen der Gemeinden Ueberstorf und Schwarzenburg entfernt öffnet sich eine Welt abseits der Zivilisation.

Im Felsenhaus begegnen sich Marianne Hellweger-Schneider, Besitzerin des Anwesens, und Jakob Gilgen, CEO der Gilgen Door Systems. Er ist in Schwarzenburg aufgewachsen, wohnt und arbeitet dort in der Firma. Im Felsenhaus ist Gilgen aber noch nie gewesen. Er staunt über die Schlafkojen mit fensterlosen Öffnungen, die auf den Sensegraben hinausgehen. Alle Räume sind an den Fels gelehnt: Gruppensaal, Küche, der Waschraum und die Meditationsterrasse.

Zentrum ist ein offener, vom Fels überdeckter Platz. Im Kamin brennt ein Feuer. Kaum haben die beiden dort Platz genommen, geht das Gespräch schon los. Sie erzählen sich, wie sie leben und arbeiten. Marianne Hellweger schildert, wie sie 1999 zum Felsenhaus kam. «Ich sah per Zufall ein Schild hier unten: zu verkaufen. Kurz darauf war ich Besitzerin.» Seither lebt die Psychotherapeutin von Frühling bis Herbst dort, gibt Meditationskurse, betreut Menschen in Krisensituationen und empfängt Gruppen, welche die Abgeschiedenheit suchen.

Sie hört zu, er motiviert

Jakob Gilgen kommt aus einer andern Welt. Gilgen Door Systems ist spezialisiert auf automatische Tür- und Torsysteme, zum Beispiel in U-Bahnstationen. Das Unternehmen macht einen Jahresumsatz von circa 200 Millionen Franken und beschäftigt etwa 1000 Personen. Marianne Hellweger und Jakob Gilgen stellen fest, dass beide sich bei ihrer Arbeit intensiv mit Menschen beschäftigen. «Ich muss in erster Linie hier sein, ihnen zuhören, den Menschen den Raum zur Verfügung stellen», sagt sie. Das Haus wirke auf die Gäste.

«Es ist ein Kraftort, hier fliessen ganz verschiedene Energien.» Und Gilgen: «Ich motiviere die Mitarbeiter, ein Ziel zu erreichen. Wenn ich sehe, dass es funktioniert, ist es auch Motivation für mich selbst.» Wie bei der Therapeutin gehe es auch bei ihm nicht ohne Emotionen. «Wenn es den Mitarbeitern nicht wohl ist, müssen wir einen Weg finden, um die Probleme zu lösen.»

Skeptisch zu Wundern

Das Felsenhaus ist für Marianne Hellweger wichtig. Sie führe weiter, was dessen Erbauer Walter Bartlomé begonnen habe. «Er verfügte über altes Wissen der Naturgesetze.» In den Räumen sei dies noch spürbar.

Sie spricht von Kräften, die hier wirken. Und erzählt von einem Wunder, das sie kürzlich erlebte. «Eines Morgens fand mein Mann einen ertrunkenen Siebenschläfer in der Toilette. Er bewegte sich nicht, atmete nicht mehr.» Sie habe das Tier auf den Schoss genommen, gestreichelt und zu ihm gesprochen. «Nach etwa drei Stunden bewegte der Siebenschläfer den Kopf und war quicklebendig.» Jakob Gilgen ist skeptisch. «Ich suche eher nach einer Erklärung auf realer Basis», sagt er. Mystisches sei für ihn zu wenig fassbar.

Japan verbindet beide

Marianne Hellweger dagegen hat Mühe mit einer Welt, «in der grosse Investoren Macht ausüben, die nicht transparent gemacht wird». Das stimme, sagt Gilgen, «doch es ist schwierig, ganz grundsätzliche Probleme rasch zu lösen». Sie widerspricht: «Ich setze mich für eine friedfertige Welt ein. Wenn ich auch nur für einige Menschen Vorbild sein kann, zeigt dies vielleicht Wirkung. Das ist, was für mich am Ende des Lebens zählt.»

Besonders ein Thema verbindet die beiden: Japan. Die Firma Gilgen wurde 2011 an die japanische Nabtesco verkauft. Er ist CEO geblieben und war oft im japanischen Mutterhaus. Auch Marianne Hellweger reiste mehrmals nach Japan. «Ich habe dort, in Indien und der Mongolei viel gelernt, zum Beispiel über schamanische Kulturen.» Gilgen hat in Japan eine andersartige Unternehmenskultur angetroffen. «Die Hierarchien, der Umgang untereinander sind ganz anders als bei uns. Am besten ist es, wenn man sich selbst bleibt. Das akzeptieren die Japaner.»

Nach dem Gespräch schenkt Marianne Hellweger dem Gast einen dunklen Stein aus dem Sensegraben. Auf einer Seite verläuft eine weisse Linie, auf der anderen sind es zwei dünnere. «Ich überlasse es Ihnen», sagt sie schmunzelnd, «mit der Symbolik der Linien zu spielen.»

Berner Zeitung

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