Feiern mit dosiertem Risiko

Partydrogen sind beliebt – nicht so ihre schädlichen Folgen. Um Risiken zu minimieren, bietet die Kontaktstelle Drogeninfo Bern Plus wöchentlich kostenlose Information, Beratung und Substanzanalysen an.

Im Drogeninformationszentrum informiert Hannes Hergarten über Risiken von Drogen. Daniel Allemann (hinten) analysiert eine Substanz.

Im Drogeninformationszentrum informiert Hannes Hergarten über Risiken von Drogen. Daniel Allemann (hinten) analysiert eine Substanz.

(Bild: Stefan Anderegg)

Sie sind klein und unauffällig, ihre Wirkung imposant: mehr Leistung, mehr Glück, mehr Liebe. Partydrogen schaffen eine verführerische Lebenswelt. Die Verführung kann fatale Folgen haben: Angst, Kieferstarre, Überhitzung, Erbrechen oder gar Bewusstlosigkeit sind mögliche Symptome.

«Gefährlich ist nicht die Tablette, sondern der unwissende Konsument», weiss Daniel Allemann vom Kantonsapothekeramt Bern. Nicht immer ist drin, was drauf steht. «Im Moment sind viele überdosierte Ecstasy-Tabletten im Umlauf.» Ecstasy gehört nach Amphetaminen und Kokain zu den meistkonsumierten Partydrogen. «Die typischen Konsumenten gibt es dabei nicht.» Aber Gemeinsamkeiten: Sie möchten Party statt Probleme, Verständnis statt Vorschriften und Sicherheit.

Beratung und Substanzanalyse

Das ermöglicht ab dem 27.August die Drogeninfo Bern Plus (DIB+). Jeden Mittwoch zwischen 18 und 20 Uhr können sich Partydrogenkonsumenten an der Speichergasse 8 von Spezialisten kostenlos und anonym beraten lassen. «Wir machen eine individuelle Situationsanalyse und richten unsere Beratung danach aus», erklärt Hannes Hergarten, Koordinator von DIB+. «Manchmal braucht es nur ein Gespräch, manchmal auch weitere Unterstützung.» Zu diesem Zweck ist einmal monatlich eine Fachperson von der ambulanten Eventmedizin Docs vor Ort. Ressortleiter und Psychiater Christoph Bürki sieht DIB+ als Chance zur Drogenprävention.

Für «chemische Sicherheit» sorgt das Kantonsapothekeramt Bern. Im hinteren Bereich der Kontaktstelle ist eine Probenannahme eingerichtet. Nach der Beratung nimmt ein Laborant die Substanz für eine Analyse entgegen. «Zusätzlich erheben wir die Herkunft und den Preis der Substanz», erklärt Daniel Allemann. Seit 1998 ist er mit einem mobilen Labor an grösseren Technopartys unterwegs und macht «Drug-Checkings».

«Analog zum Drogeninformationszentrum Zürich (DIZ) bieten wir unser Angebot nun im Rahmen der DIB+ stationär an.» Die ganze Tablette wird fotografiert, ein Viertel davon ins Labor mitgenommen. Zwei Tage später erhält das Team von «Rave it Safe» die Auswertung der Analyse und teilt die Resultate dem Konsumenten telefonisch mit.

Keine Risiken eingehen

Ziele von DIB+ sind neben einem verantwortungsvollen Umgang mit Partydrogen und einer Schadensminderung auch ein Monitoring vom Drogenkonsum: «Wir erfassen Trends und können dem DIZ mitteilen, wenn schädliche Substanzen im Umlauf sind», sagt Allemann. Das DIZ warnt dann gesamtschweizerisch.

Hannes Hergarten ist auf kritische Fragen gefasst: Das Angebot könnte zum Konsum motivieren, statt ihn zu reduzieren. «Unsere Haltung ist: besser keine Drogen. Aber wenn Drogenkonsum, dann informiert und verantwortungsvoll. Es kann auch Eltern beruhigen zu wissen, dass ihr Kind sich nicht unwissentlich in Gefahr begibt.» Unterstützung erhalten die Konsumenten von einem Team, das selbst eine Leidenschaft für die Partyszene hat und ihre Lebenswelt kennt.

Info: DIB+ ist ein Projekt der Stiftung Contact-Netz und ihrem Angebot «Rave it Safe», das an Partys Informationen und Beratung bietet. Weitere Infos: www.raveitsafe.ch>

Berner Zeitung

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