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FDP-Präsident Christoph Zimmerli vertritt Bern Welcome als Anwalt

Im Konflikt mit dem entlassenen CEO Martin Bachofner amtet Grossrat Christoph Zimmerli (FDP) als Anwalt von Bern Welcome. Zimmerli sieht darin keinen Interessenkonflikt.

Politiker und Wirtschaftsanwalt: Christoph Zimmerli.
Politiker und Wirtschaftsanwalt: Christoph Zimmerli.
Christian Pfander

«Unappetitliches im Tourismusteig» titelte die «Hotel­­revue» ihren Artikel, in dem sie die Frage aufwarf, ob Bern Welcome bei der Entlassung des Geschäfts­führers Martin Bach­ofner die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers verletzte.

Vor einem ­­Monat hatte das Unternehmen publik gemacht, dass der Verwaltungsrat Bachofner kurz vor Weihnachten auf die Strasse gestellt hatte. Bis kurz vor seiner Entlassung war dieser wegen einer Operation zwei Monate krankgeschrieben, seither ist er freigestellt.

Teig: Im kleinen Bern ist dieser allgegenwärtig. Ausdruck davon ist bei Bern Welcome etwa die Zusammensetzung des Verwaltungsrats. Als 2017 die Berner Tourismusaktivitäten unter dem Dach der neu gegründeten Bern Welcome gebündelt wurden, setzten die Verantwortlichen – so die verbreitete Kritik aus der Branche – bei der Nomination fürs oberste Strategieorgan erst in zweiter Linie auf Know-how.

Wichtiger war es ­­offenbar, die wesentlichsten ­­Anspruchsgruppen zu berücksichtigen – und sie auch auf diese Weise als Aktionäre für das neue Konstrukt Bern Welcome zu gewinnen. Neben einem Praktiker aus Stuttgart sitzen deshalb hauptsächlich Vertreterinnen und Vertreter des Berner Hotel- und Gastroteigs bei Bern Welcome im Verwaltungsrat. Dringend vermisst würden dagegen, so ein Branchenexperte: Tourismusfachleute mit Marketingerfahrung.

Geld von Stadt und Kanton

Ebenfalls als Ausdruck des Berner Teigs lesen lässt sich die Wahl des Anwalts, der Bern Welcome in der Abwicklung der Entlassung Bachofners vertritt: Es ist Christoph Zimmerli, Präsident der städtischen FDP und bis letzten Mai Stadtrat, ehe er ins Kantonsparlament nachrutschte. Bern-Welcome-Verwaltungsratspräsident Marcel Brülhart und Zimmerli selber bestätigten entsprechende Recherchen dieser Zeitung.

Sowohl Stadt als auch Kanton sind mit Bern Welcome finanziell verbandelt und haben der Tourismusorganisation gegenüber entsprechend auch eine Controlling-Funktion. Zuletzt genehmigte die Stadtlegislative im vergangenen Oktober einen neuen Leistungsvertrag für 2019 bis 2022 mit städtischer Unterstützung von jährlich 1,27 Millionen Franken.

Ins Jahresbudget von Bern Welcome von jährlich rund 8 Millionen fliessen zudem 1,45 Millionen vom Kanton, neben gut 2 Millionen aus der Übernachtungsabgabe, 1,7 Millionen von andern Partnern sowie Erträgen aus verschiedenen Leistungen als weiteren grösseren Ertrags­posten.

Zimmerli sieht keinen Interessenkonflikt in seiner Doppel­­rolle als Politiker und als Anwalt bei Kellerhals Carrard, der sich von der öffentlich mit­­finanzierten Tourismusorganisation bezahlen lässt. Sollte im Grossen Rat die Beherbergungsvereinbarung zwischen Kanton und Bern Welcome thematisiert werden, «trete ich selbstredend in den Ausstand», so Zimmerli.

Die Kritik, dass das Mandat – ob aus der Perspektive von Bern Welcome als Auftraggeberin oder aus jener Zimmerlis als Auftragnehmer – heikel sei, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Ob er am Mandat auch dann festhielte, wenn Bern Welcome und der entlassene Bachofner vor Gericht landen sollten, würde laut Zimmerli der Verwaltungsrat von Bern Welcome in Absprache mit seiner Kanzlei entscheiden. «Aus heutiger Sicht ist kein Grund ersichtlich, wieso Kellerhals Carrard dieses Mandat nicht führen sollte.»

Kommission schaut hin

Thema war Bern Welcome am Mittwoch auch in ihrer stadträtlichen Begleitgruppe. Laut zwei Stadtratsmitgliedern, die an der Sitzung teilnahmen, legten Verwaltungsratspräsident Brülhart sowie Sven Gubler, interimistischer Nachfolger Bachofners, ihre Sicht der Dinge dar.

Offenbar konnten dabei Bedenken betreffend die unklaren Zuständigkeiten nicht zerstreut werden. Insbesondere die Tat­sache, dass Brülhart den Verwaltungsrat nicht nur präsidiert, sondern als dessen Delegierter auch auf der operativen Ebene mitmischt, sorgte im Vorfeld für Kritik – auch, weil es erst diese Woche bekannt wurde. Laut den beiden Sitzungsteilnehmern soll sich die zuständige Sachkommission vertieft mit diesen Fragen auseinandersetzen.

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