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Claudine Esseiva spaltet die FDP

Mit der denkbar knappen Nomination für die Nationalratsliste haben viele Mitglieder der Stadtberner FDP Claudine Esseiva einen Denkzettel verpasst.

Eckt an in der eigenen Partei: FDP-Stadträtin Claudine Esseiva.
Eckt an in der eigenen Partei: FDP-Stadträtin Claudine Esseiva.
Adrian Moser

24 Stunden nach ihrer turbulenten Parteiversammlung herrscht bei der Stadtberner FDP Katerstimmung. Oder genüssliche Genugtuung – je nachdem, welche Parteimitglieder man fragt. Denn die Nomination der Kandidatinnen und Kandidaten für die Nationalratsliste hat gezeigt: Trotz dem Wahlkampfmotto «Gemeinsam weiterkommen» ist die Stadtberner FDP gespalten.

Auf der Seite der Verkaterten: das Lager um Stadträtin Claudine Esseiva. Mit 29 Stimmen wurde sie von den Anwesenden in einer geheimen Abstimmung nur hauchdünn für die Nationalratsliste nominiert. Für die bekannteste Exponentin der Stadtpartei, die seit den Nationalratswahlen 2015 auf dem ersten Ersatzplatz liegt, kommt das schlechte Ergebnis einem Affront gleich. Zum Vergleich: Die anderen nominierten Kandidaten – der Bisherige Christian Wasserfallen, die Grossräte Christoph Zimmerli und Adrian Haas und der ehemalige Gemeinderat Alexandre Schmidt – erhielten zwischen 43 und 52 Stimmen.

«Ein Teil der Parteimitglieder beurteilt Claudine Esseivas Verhalten bisweilen kritisch.»

Christoph Zimmerli Präsident FDP Stadt Bern

«Schwer enttäuscht»

Esseiva zeigte sich nach der Wahl schwer enttäuscht. Das Resultat habe sie getroffen, sagte die 40-jährige PR-Beraterin in einer Ansprache an die Parteimitglieder. Sie nehme zur Kenntnis, dass sie mit «ihrer Art nicht gut ankomme». Gestern wollte sie keine weitere Stellung dazu nehmen.

Was die Niederlage für Esseivas politische Karriere bedeutet, wird sich noch zeigen. Bei den letzten Nationalratswahlen hat sie mit über 35000 Stimmen ein gutes Resultat erzielt. Auch wenn sie dieses Mal ohne den Bonus einer Ständeratskandidatur ins Rennen um einen Berner FDP-Sitz im Nationalrat steigt: Ihre Chancen, erneut auf dem ersten Ersatzplatz zu landen, sind intakt. Heisst: Falls Christa Markwalder oder Christian Wasserfallen wiedergewählt, aber in der kommenden Legislatur zurücktreten würden, könnte Esseiva nachrutschen.

Ein Putschversuch

Stellt sich die Frage: Warum eckt Claudine Esseiva in der eigenen Partei derart an? Wer danach fragt, erntet bei FDP-Mitgliedern meist nur Schweigen. Immerhin: Das Geschlecht dürfte nichts damit zu tun haben – im Stadtrat kommt die FDP-Fraktion auf einen Frauenanteil von 50 Prozent.

Ein Mitglied, das Esseiva am Montag gewählt hat, verweist lakonisch an «die Individuen, welche die Verschwörung gegen sie angezettelt hätten». Diese sind zwar weniger wortkarg, möchten aber ihre Namen nicht in der Presse lesen – auch, weil die Fraktion einen Maulkorb erhalten hat. Ihre Aussagen machen aber deutlich: Die Geheimwahl diente nicht nur dazu, Claudine Esseiva einen Denkzettel zu verpassen. Vielmehr sollte so ihre Nomination für die Nationalratsliste verhindert werden.

Ausserdem habe die geheime Wahl auch dem Schutz der Mitglieder gedient, sagt ein FDP-Mitglied. «Viele hätten sich nicht getraut, offen gegen sie zu stimmen.» Erfahrungen in der Vergangenheit hätten gezeigt: «Claudine Esseiva kann sehr hart und unangenehm werden, wenn man sich gegen sie stellt oder ihre Meinung nicht teilt.» Es mangle ihr an Empathie für ihr Gegenüber. Dies mache die Zusammenarbeit mit ihr schwierig, ergänzt ein weiteres Parteimitglied. Die knappe Nomination zeige klar: «Viele innerhalb der Stadtberner FDP sehen in ihr eine Hypothek für die Partei.»

Der Präsident bedauert

Christoph Zimmerli, der Präsident der Stadtberner FDP, sagt zum Abstimmungsergebnis: «Es ist bedauerlich, dass Claudine Esseiva so knapp nominiert worden ist.» Er analysiert die Gründe für das schlechte Ergebnis wie folgt: «Das Ergebnis hat weder mit ihrer Politik noch mit ihrer Arbeit zu tun. Sie macht eine moderne, gut abgestützte Politik, und ihr Engagement wird geschätzt.» Doch auch er räumt ein: «Ein Teil der Mitglieder beurteilt ihr Verhalten bisweilen kritisch.»

Fest steht: Am kantonalen Parteitag der FDP von heute Abend in Biel werden alle 24 Kandidierenden für den Nationalrat abgesegnet – auch Esseiva. In ihrer Fraktion aber hat sie deutlich an Rückhalt verloren. Für ein Exekutivamt in der Stadt käme sie daher wohl kaum mehr infrage. Davon dürften diejenigen innerhalb der Partei am meisten profitieren, welche für die FDP ins Rennen um einen Sitz im Berner Gemeinderat steigen.

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